Bild: Länderbahn

Zweiter Anlauf für Ausschreibung der Linie München–Prag gestartet

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienenpersonennahverkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, hat die Ausschreibung für den Betrieb der Bahnlinie München–Regensburg–Prag gemeinsam mit dem tschechischen Verkehrsministerium gestartet. Das Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem europaweiten Teilnahmewettbewerb regelt das Zugangebot von Ende 2031 bis Ende 2046. Bayern und Tschechien nehmen damit den zweiten Anlauf bei diesem Projekt. Das erste Vergabeverfahren war im Herbst 2024 aufgehoben worden, nachdem kein wirtschaftlich akzeptables Angebot eingegangen war.

„Die Zugverbindung zwischen den beiden zentralen europäischen Metropolen Prag und München ist nicht nur Tschechien und Bayern sehr wichtig, es handelt sich um eine bedeutende europäische Magistrale. Aufgrund der hohen Komplexität benötigt das Verfahren ausreichenden Vorlauf. Ich hoffe, dass mehrere Interessenten für diese prestigeträchtige Strecke ihren Hut in den Ring werfen werden“, betonte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BEG ist.

Das Ausschreibungsprojekt mit der Linienbezeichnung RE/Ex 36 umfasst 2,8 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon 1,8 Millionen in Bayern. Mit Zügen im Zweistundentakt bleibt das Fahrplankonzept weitgehend unverändert. Hinzu kommt gegenüber dem Verkehrsangebot bis 2031 eine Spätverbindung von Prag nach München mit Abfahrt gegen 19:45 Uhr in der tschechischen Hauptstadt. Die Verstärkerzüge zwischen Regensburg und München sowie Regensburg–Hof (RE 23) zur Hauptverkehrszeit werden in andere Verkehrsverträge integriert.

In der Ausschreibung werden neue, klimatisierte Fahrzeuge im Fahrgastbereich gefordert, die mit WLAN ausgestattet sind. Gebrauchte Loks sind hingegen zugelassen. Die künftigen Züge werden durchgehend mindestens 500 Sitzplätze aufweisen und damit zwischen Regensburg und Pilsen mehr Fahrgäste aufnehmen können.

„Wir haben aus der vorangegangenen Ausschreibung wichtige Erkenntnisse abgeleitet“, sagt BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs. „Herausgekommen sind vereinfachte, kostendämpfende Anforderungen an die Bieter. Künftig sind weniger Loks, weniger Rangierfahrten und entsprechend auch weniger Personal nötig als heute. Dadurch sinken zum einen die Kosten für den Eisenbahnbetrieb, zum anderen entlasten wir durch die wegfallenden Rangierfahrten die chronisch verstopften Hauptbahnhöfe in München und Regensburg. An Neufahrzeugen halten wir allerdings fest, um den Fahrgästen einen zeitgemäßen Komfort im grenzüberschreitenden Verkehr in Europa zu bieten.“ Der aktuelle Betreiber der Regionalzuglinie München–Prag auf bayerischem Terrain, die Länderbahn, setzt derzeit noch Reisezugwagen aus den 1980er Jahren ein. Den Zeitraum zwischen Dezember 2028 und Dezember 2031 werden noch separate Übergangsverträge in beiden Ländern regeln. Für den bayerischen Part läuft hierbei seit 17.09.2025 die Ausschreibung.

Der Betrieb der Regionalzüge zwischen München und Prag ist besonders anspruchsvoll, weil sich elektrifizierte und nicht elektrifizierte Abschnitte abwechseln und zudem drei unterschiedliche Stromsysteme auf der Strecke existieren. Mit einer durchgängigen Elektrifizierung wird erst im Laufe der zweiten Hälfte der Vertragsdauer gerechnet. Dennoch sollen die Züge im neuen Verkehrsvertrag zwischen München und Pilsen ohne Lokwechsel fahren. Möglich macht das der Einsatz moderner Hybridloks. Lediglich in Pilsen ist dann noch ein Lokwechsel nötig, weil sich das tschechische Stromsystem von dem in Deutschland unterscheidet. Aktuell gibt es auf dem Weg von München nach Prag noch drei Lokwechsel: in Regensburg, in Schwandorf und in Pilsen.

Detaillierte Informationen zum Vergabeverfahren finden Sie im Steckbrief.

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