Ab Juni kommen die ersten 20 von insgesamt 35 von ÖBB Postbus erworbenen Busse des erst kürzlich vorgestellten Typs MCV C127 FC LE im Regionalverkehr zum Einsatz. Zugleich handelt es sich damit um die derzeit größte Wasserstoffbusflotte Österreichs. Zeitgleich mit der Auslieferung der Busse am 6. Mai 2026 wurde im Rahmen der Pressekonferenz auch die erste Wasserstoff-Betriebstankstelle in Betrieb genommen.
Die Anschaffung der Busse sowie die Errichtung der Tankstelle wurden im Rahmen des Projekts „DeCarB – Decarbonising Carinthian Bus Transport“, einer Initiative des Landes Kärnten, ermöglicht. Das Projekt wird gemeinsam vom Land Kärnten und einem breiten Partnerkonsortium aus Verkehrsverbund Kärnten, Tankstellenbetreiber Gutmann, des regionalen Ver- und Entsorgers Kelag sowie Postbus umgesetzt. Ziel ist es, emissionsfreie Antriebstechnologien nachhaltig in den Regelbetrieb zu bringen – auch dort, wo lange Distanzen, topografische Herausforderungen und enge Umläufe den öffentlichen Nahverkehr wie in Österreich prägen. Der grüne Wasserstoff im Umfang von fixen 140 Tonnen im Jahr wird von Kelag aus der regionalen Müllverbrennungsanlage erzeugt und reicht für die tägliche Betankung der Busse aus. Das Land Kärnten fördert das Projekt, das bereits seit 2020 in Angriff genommen wurde, mit rund 28 Mio. Euro, wie der Landesrat Sebastian Schuschnig bei der Übergabe der Busse vor Ort erläuterte.
Größte Wasserstoffflotte Österreichs
„Was wir hier gemeinsam in einer starken Allianz in Kärnten realisiert haben, ist weit mehr als ein einzelnes Flottenprojekt: Mit der Inbetriebnahme von 35 neuen Wasserstoffbussen zeigen wir, dass emissionsfreie Mobilität auch im Regionalverkehr bereit für den Alltag ist. Dieses Projekt ist ein wichtiger
Meilenstein und wegweisend für künftige Vorhaben im öffentlichen Nahverkehr“, sagt ÖBB Postbus Vorstand Alfred Loidl.
Die Busse sind künftig auf Regional- und Überlandlinien unter anderem im Unteren Drautal, rund um den Faaker See und Ossiacher See, im Gegendtal, Rosental sowie im Raum Wernberg unterwegs. Mit bis zu 400 Kilometern Reichweite pro Tankfüllung haben die Wasserstoffbusse eine deutlich größere Reichweite als die meisten Batteriebusse und sind somit ideal für lange Umläufe und anspruchsvolle Strecken im täglichen Linienbetrieb geeignet.
„Wir freuen uns außerordentlich, dass unser wasserstoffelektrisches Konzept für den Linienverkehr in anspruchsvoller Geographie bei den Verantwortlichen der Österreichischen Postbus überzeugt hat und bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für das uns entgegengebrachte Vertrauen“ so Pierre Dellori, Geschäftsleitung der MCV Deutschland GmbH.
Überland-Linienverkehr neu gedacht
Der C127 FC LE vereint die Vorteile des immer beliebteren Low-Entry-Konzepts mit großem Niederflurberich bei angehobenem Hinterwagen mit einem wasserstoffelektrischen Antrieb, der so im europäischen Markt für den Überlandverkehr neu ist. Ein kraftvoller PSM-Elektrozentralmotor mit bis zu 410 kW Spitzenleistung von Voith/Driventic (VEDS HD-System) sorgt für ein ruhiges Fahrverhalten und zügiges Vorankommen im Überlandbereich mit entsprechenden Reserven am Berg. Dank einer vergleichsweise großen LFP-Batterie mit 117 kWh Kapazität, einer modernen Ballard-Brennstoffzelle mit 100 kW Leistung und ca. 40 kg Wasserstoff in Typ-4 Flaschen auf dem Dach erreicht der C127 FC LE in puncto Reichweite ganz neue Dimensionen. Die technische Traktions-Plattform ist identisch zur auf der Bus2Bus erstmals vorgestellten „Neuen Generation“ von Elektrobussen.
Das Sitzlayout ist auf den Überlandverkehr optimiert und bietet in der Ausführung für die Postbus 41 bequeme Fahrgastsitze und 27 zusätzliche Stehplätze. Wie bei den bekannten Niederflur-Varianten besteht auch beim C127 FC LE die Möglichkeit zur Nutzung von 275/70 R22,5 oder 295/80 R22,5 Reifen.
Damit ist der neue MCV C127 FC LE perfekt für den Überlandlinienverkehr ausgelegt, vor allem da, wo der Einsatz einer elektrischen Ladeinfrastruktur schwierig umzusetzen ist oder sehr hohe Reichweiten in Kombination mit langen Einsatzzeiten und kurzen Standzeiten realisiert werden müssen.
Autor: Thorsten Wagner
Lesen Sie mehr über dieses Projekt in der Ausgabe 5/6 der NahverkehrsPraxis!











