Europas Nutzfahrzeugindustrie sieht Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

Führungskräfte und Arbeitnehmervertreter der europäischen Lkw- und Bushersteller haben sich in einem gemeinsamen Schreiben, das über die ACEA (European Automobile Manufacturers’ Association) veröffentlicht wurde, an die Europäische Kommission gewandt, um auf die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der Nutzfahrzeugindustrie aufmerksam zu machen. Sie warnen, dass Europa ohne dringende und koordinierte Maßnahmen Gefahr läuft, Produktionskapazitäten, Innovationskraft und Industriearbeitsplätze zu verlieren.

Die europäische Nutzfahrzeugindustrie nehme weltweit eine führende Markt- und Technologiestellung ein. Diese Führungsrolle sei jedoch keineswegs garantiert. Der zunehmende Wettbewerb aus Regionen mit anderen Kostenstrukturen, regulatorischen Rahmenbedingungen und abgestimmten Industriestrategien setze Hersteller, Zulieferer und Beschäftigte unter einen bislang beispiellosen Druck. Die Branche bekenne sich weiterhin uneingeschränkt zu den europäischen Klimazielen, was sich in der bereits verfügbaren breiten Palette emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge und Busse zeige. Deren Marktdurchdringung werde jedoch durch den langsamen Ausbau öffentlicher und betrieblicher Ladeinfrastruktur, eine unzureichende Wasserstofftankstellen-Infrastruktur sowie das Fehlen tragfähiger Geschäftsmodelle für viele Verkehrs- und Transportunternehmen gebremst, die in die neuen Antriebstechnologien investieren möchten.

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband Maßnahmen in drei zentralen Bereichen:

  1. Vorziehung der Überprüfung der CO₂-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge, um die Übereinstimmung zwischen den festgelegten Ambitionen und den tatsächlichen Marktbedingungen zu bewerten. Nach Ansicht der Unterzeichner droht der derzeitige Rechtsrahmen die Kosten unverhältnismäßig zu erhöhen und die Deindustrialisierung zu beschleunigen, ohne den Übergang zu klimafreundlichen Antrieben zu beschleunigen.
  2. Beschleunigter Ausbau der Lade- und Wasserstofftankstellen-Infrastruktur durch verbindliche Zielvorgaben auf EU- und Mitgliedstaatenebene. Dies soll durch die anstehende Überarbeitung der AFIR-Verordnung, flankierende politische Maßnahmen sowie Investitions- und Förderprogramme unterstützt werden, um die Wirtschaftlichkeitslücke bei den Gesamtbetriebskosten für Flottenbetreiber zu schließen.
  3. Entwicklung einer kohärenten europäischen Industriestrategie für den gewerblichen Straßengüter- und Personenverkehr, bei der Wettbewerbsfähigkeit, Dekarbonisierung und hochwertige Beschäftigung gleichermaßen verfolgt werden.

Die Unterzeichner bitten die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten um einen offenen Dialog über konkrete Maßnahmen. Gleichzeitig bekräftigen sie ihre Bereitschaft, an Lösungen mitzuwirken, die wirtschaftliche Stärke, technologische Führungsfähigkeit und soziale Verantwortung miteinander verbinden.

Das vollständige Schreiben finden Sie hier.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.