Daimler Buses dominiert IAA Transportation

Auch wenn die IAA Transportation in Hannover kaum noch Bus-Exponate bereithält, so hat es Daimler Truck mit seiner Tochtergesellschaft Daimler Buses auf gleich mehreren Ebenen geschafft, die Messe trotz massiver chinesischer Präsenz zu dominieren. Neben der kompletten technischen Erneuerung seiner Reisebuspalette wurde erstmals der neue eCitaro angekündigt, der Ende des Jahres in München als Prototyp gezeigt werden soll. Ein unerwartetes „Comeback“ erlebte zudem das Thema Wasserstoff auf breiter Front.

Der neue Mercedes-Benz Stadtbus wird erstmals als reiner Elektrobus konzipiert, der nicht mehr auf einem Dieselbaumuster basiert wie die erste Generation, die 2018 als Solobus startete. Die Batterien wird er aller Voraussicht nach überwiegend im Boden tragen, je nach Kapazität allerdings auch zusätzlich an anderen Stellen. Ob Daimler wie im Truck und Überlandbus dann auf LFP-Batterien setzen und dem neuen NMC-Lieferanten BMZ gleich wieder untreu wird, ist dabei eine spannende Frage. Erste Eindrücke wird das Unternehmen auf den eDays in München am 9. November geben – direkt vor der Haustür der Konkurrenz, die in Sachen eCoach auf der Busworld in Brüssel den Stuttgarter Konzern abgehängt hatte. Auch der Zeitpunkt – rund 30 Jahre nach der Präsentation des ersten Citaro in Stuttgart – dürfte nicht ganz zufällig gewählt sein. Der neue eCitaro dürfte ebenso wie die Reisebusse auf der neuen Elektronikplattform basieren, die bei den Reisebussen für die Angleichung der Assistenz- und Sicherheitssysteme (ADAS) zwischen den beiden Marken Mercedes-Benz und Setra sowie ein neues digitales Cockpit sorgen, das sicher auch einen Vorgeschmack auf den Stadtbus gibt. In Sachen autonomes Fahren geht es derweil kaum voran in Mannheim und Ulm, wie Daimler Buses Chef Till Oberwörder auf einer eigens einberufenen Bus-Pressekonferenz zugeben musste. Hier liege der Fokus derzeit voll auf den USA und dem Truck-Partner Torq.

“Vollgas” bei Wasserstoff

Umso druckvoller wird im Hause Daimler, Volvo und Toyota das Thema Wasserstoff vorantreiben. Das von Daimler und Volvo 2021 gegründete Unternehmen Cellcentric, das auf der Hannover Messe im Juni bereits seine große 375 Kilowatt Brennstoffzelle gelauncht hatte, wird um den Partner Toyota Motors erweitert, der schon bisher seine hauseigene 70 kW-Zelle für den Mercedes-Benz eCitaro fuel cell liefert. Das Fahrzeug war denn auch neben einem Setra TopClass-Reisebus und dem neuen Setra Überlandbus für Fahrten auf dem Messegelände präsent – neben den acht Shuttlebussen von Mercedes, MAN und BYD mithin die einzigen fahrbaren Busse in Hannover. Noch vor der offiziellen Eröffnung der Messe ließ es sich der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nicht nehmen, bei einer Podiumsdiskussion von sechs Unternehmensführern sowie Daimler Truck-CEO Karin Radstrõm die neue Bundesförderung für Wasserstoffprojekte in Höhe von rund 220 Mio. Euro zu promoten – bis Ende Juni seien Förderanträge von bis zu 455 Mio. Euro eingegangen. Karin Radstrõm wurde aber gleichzeitig nicht müde zu betonen, dass die europäische CO2-Gesetzgebung für Lkw und Reisebusse schnell neu evaluiert werden müsse, da sonst alleine auf ihren Konzern in naher Zukunft Strafzahlungen zukommen könnten, die einen gesamten Jahresgewinn aufzehren würden.

Auffallend war daher eine starke industrielle Präsenz von Wasserstofftechnik auf der Messe. Der chinesische Staatskonzern Dongfeng zeigte sogar ausschließlich Wasserstofftechnik auf seinem imposanten Stand – mit Brennstoffzellen bis zu 400 Kilowatt Leistung. Auch DAF, Bosch und andere Hersteller zeigten Wasserstoff-Verbrennungs- bzw. Brennstoffzellentechnik. Nicht öffentlich zugänglich war die „Night of Hydrogen“ von H2 Mobility, die erstmals zwei Wasserstoff-Awards auslobten. Nur wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung wurde die neue Wasserstofftankstelle von H2 Mobility für Nutzfahrzeuge am Flughafen Hannover-Langenhagen offiziell in den Probebetrieb überführt. Das Unternehmen spezialisiert sich zunehmend ausschließlich auf den Nutzfahrzeugbereich im Bereich 350, 500 und 700 bar-Technik.

Es gab sie doch, die Buspremieren

Und wer sich aufmerksam umsah in Hannover, konnte auch weitere interessante Busexponate finden, darunter drei echte Premieren: der chinesische Hersteller Shanghai Sunwin Bus Corporation zeigte unter dem traditionsreichen Marke MG („Morris Garages“) nach dem in Brüssel gezeigten Niederflurbus jetzt eine Low-Entry-Überland-Variante des iEV12LE in Hannover. Das Besondere: die 489 kWh Batteriekapazität werden erstmals direkt im Chassis (Cell-to-Pack) verbaut, eine auch im Pkw-Bereich immer häufiger verwendete Packaging-Methode.

Auch Wisdom Motor, die hierzulande vom Hamburger Importeur Jebsen&Jessen vertrieben werden, zeigte mit dem Sigma 8 erstmals einen elektrischen Minibus der neuen Generation, der nicht nur einen halben Meter länger ist als bisher, sondern auch seine Batterien überwiegend im Boden trägt.

Auch der europäische Newcomer aus China Foton (Teil des BAIC-Konzerns) zeigte seinen neuen eAurora als Solobus, der 2028 auch als Gelenkwagen folgen soll. Einen deutschen Importeur soll es bereits geben, die 497 Kilowattstunden große Batterie basiert, wie bei allen chinesischen und zunehmend auch europäischen Herstellern, auf der robusten und preiswerteren Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP).

Der türkische Hersteller BMC wiederum zeigte erstmals den elektrischen Stadtbus Procity+ 12M EV und den Gelenkbus 18 M EV, für die es eine Auswahl an NMC- sowie LFP-Batterien mit Kapazitäten von 362 bis 528 kWh gibt – eine seltene Wahlmöglichkeit!

Fazit: Auch wenn der Bus nicht mehr so präsent ist wie bis in die beginnenden Nuller-Jahre hinein, so spielt er doch seine nachhaltige Rolle in der großen internationalen Nutzfahrzeug-Welt. Technologien, Strategien und Antriebsarten sind sich einfach zu ähnlich, um den Bus als kleinen Bruder des Lkw völlig zu ignorieren. Die IAA Hannover beweist es einmal mehr!

Thorsten Wagner

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