Mit der Umweltprämie treibt die Stadt Frankfurt am Main erfolgreich den Umstieg vom Auto auf Bahn und Bus voran. Das zeigt der aktuelle Evaluationsbericht, den die Nahverkehrsgesellschaft traffiQ für die Stadt Frankfurt nun veröffentlicht hat. Im ersten Jahr seit ihrer Einführung im Jahr 2024 haben 560 Bürger das Angebot genutzt, ihr Auto abzumelden und dafür ein Jahr lang kostenlos den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu nutzen. Ein Großteil derjenigen, die zuvor nur gelegentlich Bahn und Bus fuhren, stiegen durch die Prämie dauerhaft in die umweltfreundlichen Verkehrsmittel um.
„Die Umweltprämie ist ein voller Erfolg“, erklärt Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert. „Unser Ziel, mit diesem Angebot mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen, ist uns gelungen. Die Umweltprämie hat unter Beweis gestellt, dass sie das Mobilitätsverhalten der Menschen langfristig verändern kann. Interessant ist das über das Jahr kontinuierlich große Interesse an dem Programm sowie die Tatsache, dass die fast 600 ausgegebenen Deutschlandtickets von Frankfurterinnen und Frankfurtern quasi aller Altersstufen in Anspruch genommen werden.“
Viel mehr als eine „Abwrackprämie“
Die Umweltprämie geht auf den Antrag „Klimastadt Frankfurt“ der Stadtverordnetenversammlung vom März 2024 zurück. Die städtische Nahverkehrsgesellschaft traffiQ setzte sie im Auftrag des Mobilitätsdezernats gemeinsam mit der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) zum 1. August 2024 um. Die Prämie können Frankfurter ab 18 Jahren in Anspruch nehmen, die vor maximal fünf Monaten ein eigenes Auto mit Verbrennungsmotor verschrottet oder an eine Person außerhalb des eigenen Haushalts verkauft haben. Ebenso darf zwölf Monate lang zuvor und während des Prämienbezugs kein Wagen neu zugelassen werden. So ist die Prämie anders positioniert als eine reine Abwrackprämie – sie motiviert nicht zum Verzicht, sondern zu einer Änderung im Mobilitätsverhalten.
Mit dem Deutschlandticket als Prämie geht traffiQ noch über die Jahreskarte fürs Stadtgebiet hinaus, die die Stadtverordneten in ihrem Antrag ursprünglich gefordert hatten. Die Prämie ist im VGF-Servicecenter an der Hauptwache erhältlich.
Besonders Ältere steigen um
Die Bilanz des ersten Jahres fällt nun sehr positiv aus. Beinahe 47 Anträge pro Monat gingen im Schnitt für die Prämie ein. Die Auswertung von traffiQ zeigt auf:
- Genutzt wird die Prämie ein wenig stärker von Frauen (52 Prozent), und die Prämiennutzer sind eher älter: die größte Gruppe mit 21 Prozent stellen die 56- bis 65-Jährigen. Gut die Hälfte sind Arbeitnehmer, knapp ein Drittel ist im Ruhestand.
- Fast zwei Drittel der Antragstellenden kommen aus 2-Personen- und Single-Haushalten. Weniger gut Verdienende nutzen die Prämie besonders gern.
- Antragsteller leben über die gesamte Stadt verteilt, von Zeilsheim über die Innenstadt bis nach Bergen. Besonders hoch war die Nachfrage im Ortsbezirk Seckbach/Fechenheim/Riederwald mit 15 Anträgen je 10.000 Einwohner und im Nordend mit 14 Anträgen je 10.000 Einwohner.
Verkehrsmittel-Nutzung ändert sich langfristig
Die Umweltprämie macht den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV deutlich attraktiver, indem die Nutzer deutschlandweit ein Jahr lang kostenfrei volle Mobilität im Stadt-, Nah- und Regionalverkehr nutzen können. So haben fast zwei Drittel der Nutzer nach Prämienbeginn gar kein Auto mehr im Haushalt, ein Drittel schaffte den Zweitwagen ab.
„Insgesamt nimmt die Pkw-Nutzung deutlich ab – und das auch nachhaltig“, betont Prof. Dr.-Ing. Tom Reinhold, Geschäftsführer von traffiQ. Vor Prämienbeginn nutzen 26 Prozent das Auto als Hauptverkehrsmittel, danach nur noch 7 Prozent. Hingegen bleibt der ÖPNV nach dem Ende der Prämie für 58 Prozent der Kunden das Hauptverkehrsmittel, vor der Prämie waren es erst 40 Prozent.
Die Zahl der Vielnutzer von Bahn und Bus steigt von 6 auf 28 Prozent, der Anteil an Zeitkartennutzern verdoppelt sich fast. Auch wird durch die Prämie häufiger Fahrrad gefahren und zu Fuß gegangen.
Menschen, Umwelt und Klima profitieren
„Für die Allgemeinheit wird der Nutzen auch auf den Straßen spürbar“, unterstreicht Tom Reinhold. Denn von den 560 abgeschafften Autos wurden 11 Prozent verschrottet. Autos in deutschen Städten belegen im Schnitt mehr als 23 Stunden am Tag einen Parkplatz. „Die über 500 Autos weniger in Frankfurt tragen auch dazu bei, den Parkdruck in der Stadt zu reduzieren“, erklärt Dezernent Siefert. Allein während des ersten Prämienjahrs wurden laut Evaluationsbericht etwa 1.300 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart. Ebenso geht der Ausstoß weiterer Abgase zurück, und es wird mit weniger Verbrennern auf den Straßen leiser.
Die Bilanz ist zudem wirtschaftlich positiv. „Den einmaligen Kosten von 400.000 Euro im ersten Jahr stehen künftig zusätzliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf von jährlich 80.000 Euro von den neugewonnenen Zeitkartenkunden gegenüber“, sagt traffiQ-Geschäftsführer Reinhold. Nicht nur das: Wird die Umweltprämie in einem ähnlichen Umfang wie aktuell genutzt, können durch die CO2-Reduktion jährlich rund 100.000 Euro eingespart werden.
„Die Umweltprämie ist ein kleiner Baustein zur Umsetzung der Mobilitätswende in Frankfurt – aber sie wirkt“, erklärt Dezernent Siefert. Der Evaluationsbericht Umweltprämie bietet nun der Öffentlichkeit und den Stadtverordneten alle Daten und Fakten, um über die Zukunft des Angebots nach dem dreijährigen Pilotzeitraum zu entscheiden.
Weitere Informationen zur Umweltprämie unter rmv-frankfurt.de/umweltpraemie und zum Evaluationsbericht unter rmv.de/c/de/studie-umweltpraemie









