Graubünden und PostAuto beantworten öV-Petition

Am 29. Dezember 2025 wurde PostAuto in Chur die Petition „PostAuto ohne Bargeld NEIN!“ übergeben. Der Kanton Graubünden als Besteller des regionalen Personenverkehrs und PostAuto haben die Petition zur Kenntnis genommen. In ihrer Antwort an die Petitionäre gehen sie darauf ein, weshalb sie das Anliegen nicht umsetzen.

In ihrer Petition fordern die über 8000 Unterzeichner die Wiedereinführung des Ticketverkaufs beim Fahrpersonal und die Möglichkeit der Barzahlung in den Postautos. Sie argumentieren, dass die Abschaffung des Bargeldverkaufs für Menschen, die nicht mit digitalen Zahlungsmitteln vertraut sind, eine Benachteiligung darstelle. Der Ticketverkauf beim Fahrpersonal sei über Jahrzehnte hinweg eine bewährte Praxis gewesen und solle wieder ermöglicht werden.

Gründe für die Digitalisierung

Seit 2018 ist in der Schweiz eine Entwicklung hin zu digitalen Vertriebssystemen im öffentlichen Verkehr zu beobachten. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Immer mehr Fahrgäste nutzen digitale Zahlungsmittel. In der Schweiz werden inzwischen 76 Prozent der Tickets und Abonnements auf digitalem Weg erworben. 2025 kauften bei PostAuto schweizweit noch 2 Prozent der öV-Fahrgäste das Ticket beim Fahrpersonal. Die Kundschaft erwartet einfache, digitale Lösungen, die auch bargeldloses Bezahlen, Reservationen oder die Velomitnahme umfassen. Wenn die öV-Unternehmen parallel zu den digitalen Angeboten auch die immer weniger genutzten, analogen Systeme (bspw. Kassen im Fahrzeug) weiter betreiben, so verursacht dies hohe Investitions- und Betriebskosten, ohne einen entsprechenden betrieblichen Mehrwert zu bieten.

Im täglichen Betrieb trägt der Verzicht auf den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal zur Stabilisierung des Betriebs bei und schafft Fahrzeitreserven. Zusätzliche Standzeiten beim Einstieg, die durch den Ticketverkauf entstehen, wirken sich negativ auf Fahrzeiten und die Stabilität der Anschlüsse aus.

Im Kanton Graubünden haben sich alle Transportunternehmen – darunter PostAuto, Rhätische Bahn, Chur Bus, Engadin Bus und die Verkehrsbetriebe Davos – gemeinsam mit dem Kanton für die Einführung des bargeld- und papierlosen Ticket-Verkaufssystems Venda entschieden. Dieses System ermöglicht den Ticketkauf über SwissPass, Kredit- und Debitkarten sowie Prepaid-Wertkarten. Die Einstellung des Ticketverkaufs durch das Fahrpersonal in Busunternehmen erfolgte schrittweise und wird seit Dezember 2025 auf dem gesamten Kantonsgebiet umgesetzt.

Barzahlung bleibt mit Wertkarte möglich

Der Kanton Graubünden und PostAuto halten in ihrer Antwort an die Petitionäre fest, dass trotz Einstellung des Ticketverkaufs beim Fahrpersonal der Zugang zum öffentlichen Verkehr auch für diejenigen Fahrgäste gewährleistet bleibt, die eine Barbezahlung bevorzugen. Die Wertkarte VendaPrepaid bietet eine gleichwertige Alternative: Sie kann mit einem Guthaben von 10 oder 20 Franken an jeder Verkaufsstelle und beim Fahrpersonal in den Fahrzeugen mit Bargeld erworben werden. Das Guthaben auf der Karte ermöglicht den anonymen Kauf von Tickets an den Venda-Automaten. Zusätzlich stehen den Fahrgästen verschiedene Verkaufsstellen zur Verfügung, die Bargeld annehmen. Für Vielfahrerinnen und Vielfahrer bieten sich zudem Mehrfahrtenkarten oder Abonnements als kostengünstige Alternativen an.

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