421 Falschparker, die Busse in Frankfurt blockiert haben, haben seit Jahresbeginn ein „Knöllchen“ erhalten. Ihre Verkehrsvergehen sind von den neuen Frontkameras in Linienbussen erfasst und dann von der Stadt zur Anzeige gebracht worden. Diese Bilanz ziehen nun das Mobilitätsdezernat, die städtische Nahverkehrsgesellschaft traffiQ sowie das Ordnungsamt nach den ersten vier Monaten des Kameraeinsatzes im Pilotbetrieb.
„Busspuren und Haltestellen müssen frei bleiben, damit unser Nahverkehr zuverlässig funktioniert. Auch wenn es sich nur um einen kurzen Besuch beim Bäcker handelt: Blockiert eine Autofahrerin oder ein Autofahrer eine Busspur, behindert sie oder er viele Fahrgäste gleichzeitig, die ihren Anschluss verpassen, zu spät zur Schule, zum Arzt oder nach Hause kommen. Die neuen Frontkameras helfen, solche Verstöße konsequenter nachzuverfolgen, um sie so nachhaltig zu reduzieren.“
Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert
Rund acht Anzeigen pro Werktag
Mit zunächst zehn Bussen war der Pilotbetrieb im Februar gestartet. Die Fahrzeuge sind mit einer Kamera hinter der Windschutzscheibe ausgestattet. Blockiert ein Falschparker den Fahrweg, etwa auf einer Busspur, oder kann der Bus wegen eines falsch geparkten Wagens eine Haltestelle nicht richtig anfahren, können Busfahrer per Knopfdruck eine kurze Serie von Einzelfotos auslösen.
Eingesetzt werden die Frontkameras ausschließlich, wenn der Betriebsablauf gestört wird, betont traffiQ-Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Tom Reinhold. Die Fotos werden zusammen mit den genauen Positions- und Zeitdaten an einen Dienstleister von traffiQ übermittelt. Die verwertbaren Vorgänge werden nach Anonymisierung aller Unbeteiligten auf dem Foto in ein extra dafür aufgesetztes Anzeigeportal der Bußgeldstelle des Ordnungsamtes übertragen. Sämtliche der übertragenen Fälle hat die Bußgeldstelle bearbeitet und dafür bis Ende Mai bereits 325 Bußgeld- und 75 Verwarngeldbescheide versendet.
In Alt-Sachsenhausen besonders viele Busspur-Parker
„Die Frontkameras sind äußerst wirkungsvoll“, ist traffiQ-Geschäftsführer Reinhold zufrieden. Wie üblich in solchen Projekten würden technische Herausforderungen nach und nach gelöst, beispielsweise die Bildqualität verbessert und das Personal für den optimalen Einsatz der Kameras gezielt geschult.
„Nach 36 Anzeigen im Februar, 82 Anzeigen im März und 133 im April, sind wir im Mai schon auf beachtliche 170 Anzeigen gekommen“, erläutert Reinhold. „Das zeigt eindrucksvoll, wie sinnvoll die Einführung der Kameras war.“ Im Schnitt übermittelt traffiQ somit an jedem Werktag acht Vorgänge an die Bußgeldstelle. Schwerpunkte mit vielen Verstößen zeigen sich im Ausgehviertel Alt-Sachsenhausen mit vielen Busspur-Parkern sowie in der Farbenstraße in Sindlingen mit oftmals blockierten Haltestellen.
„Durch die schon vorhandene Erfahrung des Ordnungsamtes mit dem Privatanzeigenportal ist es gut gelungen, eine moderne Version der Anzeigeerstattung für diese Fallkonstellation zu erschaffen“, erklärt Holger Habich, Leiter des Ordnungsamtes. Durch die von Anfang an zielgerichtete und konstruktive Zusammenarbeit von ÖPNV-Betreiber, Ordnungsamt und Softwareanbieter habe ein stabiler und mit zunehmender Einsatzdauer hoffentlich nachhaltig wirkender Baustein gegen rücksichtslose Behinderungen des öffentlichen Nahverkehrs geschaffen werden können. „Wir halten das öffentliche Interesse an einer konsequenten Ahndung dieser Verstöße im Ordnungsamt für außerordentlich hoch“, erklärt Habich. Mindestens 70 Euro Bußgeld sind fürs Halten oder Parken auf der Busspur oder an einer Bushaltestelle fällig, wenn der ÖPNV behindert wird.
Weitere Busse sowie Straßenbahnen erhalten Kameras
Nach den anfänglich je fünf Bussen der Verkehrsunternehmen In-der-City-Bus (ICB) und Deutsche Bahn Regio Mitte (DBRM) sollen demnächst mindestens zehn weitere hinzukommen. Eingesetzt werden die Frontkamera-Busse vorwiegend auf den Linien M36, M46, M55 und 64. Im nächsten Schritt sollen im Lauf des Jahres auch fünf Straßenbahnen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) für einen Pilotbetrieb mit Frontkameras ausgestattet werden. „Straßenbahnen können, anders als Busse, einem Falschparker nicht einfach ausweichen“, erinnert Dezernent Siefert. „Gerade deshalb ist es wichtig, die Technik auch hier einzusetzen, um die Fahrgäste pünktlich an ihr Ziel zu bringen.“
Busfahrer freuen sich über die Kameras
Sehr positiv seien die Rückmeldungen aus den Verkehrsunternehmen, berichtet Tom Reinhold. Besonders das Fahrpersonal sei begeistert: „Die Fahrerinnen und Fahrer schätzen das Gefühl, nun selbst ein effektives Instrument in der Hand zu haben in den Fällen, in denen Falschparker ihre Arbeit völlig unnötig erschweren. So nutzen die Kameras zugleich dem Fahrpersonal und den Fahrgästen und sie stärken das System ÖPNV.“
Auf Plakaten macht traffiQ die Öffentlichkeit auf die neuen Frontkameras in den Linienbussen aufmerksam. Darauf werden Autofahrer an die Folgen ihres Verkehrsverstoßes erinnert: „Sie parken falsch – wir kommen zu spät.“









