Die europäische Busherstellungsindustrie umfasst zahlreiche kleine, mittlere und große Unternehmen in den EU- und EFTA-Staaten, darunter viele traditionsreiche unabhängige Unternehmen, die sich häufig in Familienbesitz befinden. Ein starker Industriesektor ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, die strategischen Ziele Europas zu erreichen und ein widerstandsfähiges, wettbewerbsfähiges und nachhaltiges Europa zu sichern.
Wir, die Unterzeichner dieses Schreibens, vertreten unabhängige Bushersteller und fordern die Europäische Kommission auf, für faire Wettbewerbsbedingungen in unserem Sektor zu sorgen. Der Wettbewerb aus Drittstaaten bedroht zunehmend das Know-how, die Innovationskraft und die hochqualifizierten Arbeitsplätze europäischer Bus- und Reisebushersteller.
In den vergangenen zehn Jahren haben sich die EU-Staaten sowie ihre Regionen und Städte zu weltweiten Vorreitern bei der Einführung emissionsfreier Technologien im Personenverkehr entwickelt. Dazu zählen batterieelektrische Busse, Wasserstoffbusse und Oberleitungsbusse. Möglich wurde dieser Fortschritt durch ambitionierte europäische Ziele, regulatorische Maßnahmen wie die Clean Vehicles Directive sowie verschiedene EU-Förderinstrumente.
Ende 2025 waren bereits mehr als 60 Prozent aller neu zugelassenen Stadtbusse in den EU- und EFTA-Staaten emissionsfrei. Während diese Fahrzeuge ursprünglich überwiegend von europäischen Unternehmen entwickelt und produziert wurden – mit Forschungs- und Entwicklungszentren, Produktionsstätten und Wertschöpfung innerhalb Europas –, wächst seit einiger Zeit die Präsenz außereuropäischer, insbesondere chinesischer Wettbewerber. Ihr Marktanteil ist inzwischen auf über 30 Prozent gestiegen und dürfte weiter zunehmen.
Diese Unternehmen bieten Produkte an, die vollständig außerhalb der EU und der EFTA entwickelt und gefertigt werden, nehmen jedoch gleichzeitig an öffentlich finanzierten Ausschreibungen in Europa teil. Es besteht die Sorge, dass europäische Steuergelder dadurch ins Ausland abfließen und der europäischen Wirtschaft verloren gehen. Gleichzeitig profitieren diese Unternehmen von staatlichen Exportsubventionen in ihren Herkunftsländern. Dadurch können sie ihre Produkte zu Preisen anbieten, die unter denen europäischer Hersteller liegen, und schaffen so einen erheblich verzerrten Wettbewerb.
Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich inzwischen auch im Überlandbus-, Fernlinienbus- und Reisebussegment ab, in denen neu eingeführte Anforderungen zur Emissionsminderung die Hersteller in vergleichbarer Weise betreffen werden.
Die europäische Bus- und Reisebusindustrie steht daher vor erheblichen Herausforderungen bei der Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Wichtige Aufträge, die für die Aufrechterhaltung europäischer Innovations- und Produktionskompetenz erforderlich sind, gehen verloren. Gleichzeitig brechen Exportmöglichkeiten weg. Die Folge sind der Verlust qualifizierter Arbeitsplätze, von Fachwissen und wirtschaftlicher Unabhängigkeit im Personenverkehr – mit Risiken für den langfristigen Wohlstand Europas.
Vor diesem Hintergrund fordern wir die Europäische Kommission auf, mit gezielten Maßnahmen für fairen Wettbewerb zu sorgen:
- Einführung verbindlicher „Made in Europe“-Anteile bei öffentlichen Beschaffungen, insbesondere wenn diese mit europäischen Steuergeldern finanziert werden. Die Anforderungen sollten die gesamte Wertschöpfungskette auf Fahrzeugebene berücksichtigen und europäische Forschungs- und Entwicklungsleistungen anerkennen.
- Aufnahme der Busindustrie in die Liste strategischer Industrien, für die europäische Anbieter bevorzugt werden.
- Anpassung der Bewertungskriterien bei öffentlichen Ausschreibungen, um europäischen Busherstellern sowohl bei der direkten Fahrzeugbeschaffung als auch bei Verkehrsvergaben mit anschließender Fahrzeugbeschaffung einen Vorrang einzuräumen.
- Verpflichtende Anerkennung und Unterzeichnung des WTO-Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) durch das Herkunftsland eines Anbieters – sowohl bei direkten als auch bei indirekten Busbeschaffungen.
- Frühzeitige Einbindung unabhängiger Bushersteller bei der Entwicklung neuer technischer Vorschriften sowie Überprüfung geplanter Änderungen, um eine bessere Abstimmung mit den Möglichkeiten der Branche zu gewährleisten.
- Überprüfung der CO₂-Grenzwerte sowie der Euro-7-Verordnung für Busse und Reisebusse. Die unabhängigen europäischen Bushersteller sind bereit zu investieren, benötigen jedoch ausreichend Zeit, um wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln.
- Sicherstellung, dass der EU-Aktionsplan für die Automobilindustrie, der Industrial Accelerator Act sowie die Überarbeitung des europäischen Vergaberechtsrahmens die europäische Busherstellungsindustrie langfristig schützen.
Wenn Europa seine strategischen Ziele einer starken, widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen Union erreichen will, benötigt es eine robuste Industrie, die investiert, ihre Innovationsführerschaft behauptet und Arbeitsplätze vor Ort sichert und ausbaut.
Ein starker Fahrzeugbau mit erfolgreichen unabhängigen Busherstellern ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Europäische Union ihre strategischen Ziele verwirklichen und ein widerstandsfähiges, wettbewerbsfähiges und nachhaltiges Europa gestalten kann. Mit modernen Bussen und Reisebussen, die in Europa entwickelt, produziert und gewartet werden, stärkt Europa seine Resilienz, sichert seine Lieferketten und festigt seine wirtschaftliche Souveränität.
Die Unterzeichner, die Europas unabhängige Bushersteller vertreten, fordern die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten daher auf, die genannten Maßnahmen zügig umzusetzen, um die aktuelle Entwicklung des unfairen Wettbewerbs umzukehren und faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer sicherzustellen.









