Die DB InfraGO hat die Ursache für die GSM-R Störung vom 23. Juni 2026 analysiert und sofort mehrere Gegenmaßnahmen getroffen, die eine Wiederholung des Fehlers ausschließen sollen.
„Wir wissen jetzt, wie dieses historisch einmalige Fehlerbild entstanden ist und auch, wie wir es in Zukunft verhindern können.“
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO
Ein Bericht dazu wird auch den Aufsichtsbehörden übermittelt. Der digitale Zugfunk GSM-R ist normalerweise absolut zuverlässig, deswegen nutzen ihn auch standardmäßig alle anderen Eisenbahnen in Europa. Das Zugfunk-System ist zur Sicherheit redundant gebaut, das heißt, es gibt einen „Zwilling“, auf den bei Störungen automatisch umgeschaltet wird.
Am Dienstagabend aber trat bei planmäßigen Instandhaltungsarbeiten – dem Tausch eines Switches, einer Netzwerkverteilkomponente – ein singulärer Softwarefehler auf, der keine Fehlermeldung nach sich zog. Dadurch wurde die Redundanz des GSM-R-Systems nicht automatisch aktiviert, obwohl sie voll funktionsfähig war. Nachdem die Mitarbeiter dann regelkonform einen Cyber-Angriff ausgeschlossen haben, wurde nach rund 90 Minuten manuell auf die Rückfallebene umgeschaltet, der Verkehr konnte wieder aufgenommen werden.
Die DB hatte kurzfristig Taxi- und Hotelgutscheine an die Reisenden ausgeben. „Wir bedauern den Vorfall und möchten unsere Kunden und Fahrgäste für die Unannehmlichkeiten erneut um Entschuldigung bitten“, so Philipp Nagl.
Mit diesen Maßnahmen soll die Wiederholung der Störung ausgeschlossen werden:
- Vorerst kein weiterer Komponententausch
- Fehlerbehebung beim Hersteller der betreffenden Komponente
- Instandhaltungsarbeiten finden künftig nur noch von 0 bis 4 Uhr nachts und nur noch in der inaktiven Redundanz statt
„Klar ist: Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn. Wir sind hier auf dem richtigen Weg, auch dank des Sondervermögens und der Korridorsanierungen. Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade nochmal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter. Zudem stellen wir die Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk neu auf. Diese beiden Maßnahmen haben wir bereits vor einiger Zeit bewusst beschlossen, um den Investitionsrückständen aus der Vergangenheit zu begegnen und um die Grundlage für den weiteren Rollout von ETCS zu legen.“
Philipp Nagl
GSM-R wird mindestens die nächsten zehn Jahre noch zum Einsatz kommen, eine Alternative gibt es aktuell noch nicht. Gleichzeitig bereitet sich die DB intensiv auf den neuen Zugfunk-Standard FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) vor, Deutschland ist führend bei der Entwicklung dieser 5G-Technologie. Im Rahmen der Korridorsanierung wurde die Strecke Hamburg – Berlin auch bereits mit Glasfaserleitung und Masten ausgestattet, um, sobald möglich, die erste Hauptstrecke für einen Probebetrieb auszustatten. Aber: FRMCS ist aktuell seitens der EU noch nicht spezifiziert. Daher kann man auch noch keine Komponenten dafür bestellen und einbauen.









