Unter dem Motto „Zukunft bauen und Mobilitätsinfrastruktur verlässlich gestalten“ hatten die Metropolregion Rhein-Neckar und die TechnologieRegion Karlsruhe am 30. September zur 9. Regionalkonferenz Mobilitätswende nach St. Leon-Rot eingeladen. Rund 500 Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten über die Zukunft der Verkehrsinfrastruktur – von der Rheinschiene über resiliente Verkehrssysteme bis hin zu autonomer Mobilität.
Zum Auftakt rückte Dr. Marie-Eve Reinert, Direktorin des Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ), die Bedeutung der Rheinschiene in den europäischen Kontext. Ihr Appell: Engpässe müssten stärker auf die europäische Agenda gebracht und Verkehrsinfrastruktur grenzüberschreitend gedacht werden. Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion „Achillesferse Rheinschiene – Infrastruktur am Limit?“ standen der Zustand der Infrastruktur, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie bekannte Engpässe im Mittelpunkt. Auf dem Podium diskutierten Baden-Württembergs Verkehrsstaatssekretär Raimund Haser, Karlsruhes Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht, Frédéric Siebenhaar vom Eurodistrict Pamina und Logistikunternehmer Rainer Schmitt. Dabei wurde deutlich, wie stark der Sanierungs- und Ausbaubedarf inzwischen unterschiedliche Verkehrsträger betrifft.
Haser kritisierte fehlende Priorisierung und langwierige Verfahren. „Eines ist klar. Wir scheitern nicht an der Technik. Wir scheitern auch nicht daran, dass wir nicht die richtigen Leute haben. Wir scheitern nicht daran, dass wir es nicht können. Sondern wir scheitern an Verfahren, die uns daran hindern, es schnell zu machen“, sagte Haser. Auch Schmitt zeichnete aus Sicht der Logistik ein deutliches Bild der aktuellen Situation. Brückenausfälle, lange Planungszeiträume und die angespannte Verkehrssituation würden den Transport zunehmend erschweren. Wie weit die Einschränkungen inzwischen reichten, verdeutlichte er am eigenen Unternehmen: Bestimmte Aufträge mit Ziel Stuttgart nehme dieses nur noch an, wenn die Fahrt nachts möglich sei. Den Zustand der Mobilitätsinfrastruktur verglich Schmitt mit einem Boxer, der bereits mehrfach zu Boden gegangen sei und beim nächsten Mal möglicherweise nicht mehr aufstehe. Schnaudigel forderte, Verkehrsträger stärker miteinander zu verzahnen. Für den ÖPNV nannte er insbesondere die Vernetzung auf der letzten Meile und Fortschritte beim autonomen Fahren im ländlichen Raum als wichtige Aufgaben bis 2030.
Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Resilienz von Mobilität und Infrastruktur in Krisen- und Verteidigungsfällen. Nach einer Keynote von Dr. Peter Schittenhelm diskutierten unter anderem Rheinland-Pfalz-Verkehrsstaatssekretär Markus Wolf und Prof. Dr. Alexander Pischon, Vorsitzender der Geschäftsführung der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), über Redundanzen, Krisenvorsorge und die Funktionsfähigkeit kritischer Verkehrsinfrastruktur. In der Diskussion wurde unter anderem auf Cyberangriffe, Sabotage, Extremwetter und die besondere Bedeutung Deutschlands als Verkehrs- und Logistikdrehscheibe verwiesen.
Am Nachmittag vertieften mehrere Fachforen die Themen der Konferenz. Für den öffentlichen Verkehr standen unter anderem die Modernisierung der Schieneninfrastruktur sowie digitale und autonome Mobilität im Fokus. Im Fachforum „Smarte Mobilität – digital und autonom“ ging es beispielsweise um autonome Shuttles im ÖPNV, das Projekt einer selbstfahrenden Straßenbahn bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, das Vorhaben BRAVE10k für autonome Shuttlebusse im Regelbetrieb sowie das Projekt regioKArgoTramTrain der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Weitere Fachforen befassten sich mit neuen Antrieben und Ladeinfrastrukturen für die Logistik, Mobilitätsarmut und flexiblen Angeboten im ländlichen Raum sowie der Neuordnung kommunaler Mobilitätsräume. Ein Deep Dive widmete sich zudem der Sanierung und dem Ausbau der Schieneninfrastruktur.




















