Gleisanschlussförderung: Bund darf Zugang zur Schiene nicht schwächen

VDV und BME kritisieren geplante Kürzung der Bundesmittel und fordern verlässliche Bedingungen für Investitionen und Betrieb.  

Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bund und Ländern sowie aus Wirtschaft, Logistik, Infrastruktur und Eisenbahn ist die 5. BME/VDV-Gleisanschluss-Konferenz in Wiesbaden eröffnet worden. Zum Auftakt der Konferenz fordern der Eisenbahn-Branchenverband VDV und der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) den Bund auf, die geplante Kürzung der Gleisanschlussförderung zurückzunehmen. Nach dem aktuellen Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sollen dafür nur noch 20 Millionen Euro bereitstehen.

Förderung: Richtlinie praxistauglich weiterentwickeln

„Für Unternehmen ist der Gleisanschluss Teil einer funktionierenden Logistikkette. Investitionen setzen voraus, dass Förderbedingungen, Infrastrukturqualität, betriebliche Abläufe und Kosten über einen längeren Zeitraum verlässlich kalkulierbar sind. Gerade deshalb braucht es hier politische Verlässlichkeit und keine zusätzlichen Unsicherheiten“, so BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Lars Kleeberg.

Die laufende Überarbeitung der Gleisanschluss-Förderrichtlinie bewerten die Verbände grundsätzlich positiv. Aus ihrer Sicht müssen die Fördersätze an die Kostenentwicklung angepasst, Risiken aus Transportverpflichtungen gesenkt, multifunktionale Anlagen stärker berücksichtigt und die förderfähigen Maßnahmen erweitert werden. Gerade deshalb ist die vorgesehene Absenkung der Mittel aus Sicht des VDV nicht akzeptabel. Berends: „Wenn der Bund die Förderrichtlinie inhaltlich weiterentwickeln will, muss er diese Verbesserung auch finanziell unterlegen. Es ist fachlich nicht überzeugend, Fördergegenstände auszuweiten und gleichzeitig die Mittel zu reduzieren. Unternehmen brauchen Verlässlichkeit bei Investitionen, und diese Verlässlichkeit beginnt beim Bundeshaushalt.“

Der Richtlinienentwurf befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung. Im Anschluss soll die notwendige Zertifizierung durch die EU-Kommission vorbereitet werden. Förderanträge bleiben möglich, weil die bestehende Richtlinie vorsorglich bis Ende 2026 verlängert worden ist.

Infrastruktur: Zugangspunkte systemisch betrachten

 VDV und BME weisen darauf hin, dass Gleisanschlüsse, Ladestellen und multimodale Verladestellen keine Randthemen sind. Sie sind die konkreten Zugangspunkte zum Schienengüterverkehr. Ob Güter auf die Schiene verlagert werden können, entscheidet sich in der Praxis häufig genau dort: am Standort, an der Bedienbarkeit, an der Flächenverfügbarkeit und an der Einbindung in leistungsfähige Netze. Deshalb muss der Bund die Förderung von Gleisanschlüssen stärker als Teil konkreter Infrastrukturpolitik verstehen. Dazu gehören aus Sicht der Verbände auch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger bürokratische Hürden und ein wettbewerbsfähiges Trassenpreissystem.

Praxis: Konferenz zeigt Breite des Handlungsbedarfs

Vertreten sind unter anderem das Bundesministerium für Verkehr, das Land Hessen, regionale Planungsakteure, Hafen- und Infrastrukturunternehmen, Güterbahnen, Beratungsunternehmen und Verlader. Die Themen reichen von aktuellen Entwicklungen auf Bundesebene über regionale Schienengüterverkehrsplanung und Flächensicherung bis zu Praxisbeispielen aus Industrie, Häfen, digitalen Plattformen sowie dem Einzelwagen- und Wagengruppenverkehr.

Leitfaden: Orientierung für die Umsetzung

Flankierend zur fachlichen und politischen Arbeit verweist der VDV auf den neuen Leitfaden zur Realisierung eigener Gleisanschlüsse. Er soll Unternehmen und Institutionen den Einstieg erleichtern und die wesentlichen infrastrukturellen, betrieblichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen systematisch aufbereiten. Berends: „Die Branche liefert und will buchstäblich noch mehr liefern. Doch nur im Schulterschluss mit dem Bund, sichtbarem politischem Willen, werden wir eine konkrete Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene erleben. Dafür braucht es dir richtigen politischen Instrumente, die verlässlich angelegt sein müssen.“

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