„Bus und Bahn im Urlaub ist kein saisonales Zusatzthema. Gerade an Reiseanlässen wie dem Tag der Deutschen Einheit zeigt sich, wie wichtig eine gute Mobilität vor Ort ist: Rund um den Feiertag nehmen die Staus auf den Straßen der Kommunen deutlich zu, weil viele Menschen für Kurzurlaube und Ausflüge unterwegs sind. Wer Tourismus nachhaltig entwickeln will, muss deshalb auch die Mobilität vor Ort verlässlich organisieren und finanzieren“, sagt Paul Hemkentokrax, VDV-Vizepräsident.
Der touristische ÖPNV im ländlichen Raum braucht aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bessere politische Rahmenbedingungen. Das macht der Verband mit dem neuen Positionspapier „Touristischer ÖPNV im ländlichen Raum – Chancen für Regionen, Gäste und Umwelt“ deutlich. Zusätzlichen Handlungsdruck sieht der VDV durch die Ergebnisse seiner Branchenumfrage 2026 bestätigt: 67 Prozent der befragten Verkehrsunternehmen nennen die Bequemlichkeit des Autos als größtes Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV am Urlaubsort. Aus Sicht des VDV zeigt sich damit, dass touristische Mobilität dann erfolgreich ist, wenn Angebotsqualität, verlässliche Finanzierung, einfache Tarife, gute Information und Besucherlenkung zusammenspielen. „Ein starker ÖPNV im Urlaub stärkt Regionen, entlastet sensible Räume und verbessert die Mobilität vor Ort für Gäste, Beschäftigte und Bevölkerung gleichermaßen. Dafür braucht es belastbare Angebote“, so Hemkentokrax.
Die Branchenumfrage zeigt, dass der Tourismus in vielen Verkehrsräumen eine relevante Rolle spielt. 43 Prozent der Befragten ordnen den touristischen Anteil am Fahrgastaufkommen in ihrem Gebiet auf 5 bis 15 Prozent ein. Weitere 15 Prozent sehen einen Anteil von 15 bis 30 Prozent, 13 Prozent sogar von mehr als 30 Prozent. Aus Sicht des VDV unterstreicht das, dass touristischer ÖPNV in vielen Regionen längst zum Regelangebot gehört, wenn auch mit deutlichen regionalen Unterschieden.
Erkenntnisse: Drei Punkte zählen
Der Verband hebt aus der Umfrage drei zentrale Befunde hervor. Erstens bleibt das Auto der stärkste Wettbewerber. 67 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Bequemlichkeit des Pkw als größtes Hemmnis für die Nutzung des ÖPNV am Urlaubsort. Zweitens ist die Qualität des Angebots entscheidend. 52 Prozent verweisen auf unzureichendes Angebot und Taktung, 45 Prozent auf fehlende Information und Orientierung. Drittens bleibt die Finanzierung der strukturelle Engpass. 45 Prozent der Unternehmen geben an, dass keine Tourismusmittel in den ÖPNV fließen. Weitere 12 Prozent wissen nicht, in welcher Größenordnung solche Mittel vorhanden sind.
Reiseketten: Kooperation wirkt stark
Auffällig ist aus Sicht des VDV, dass im Maßnahmenranking nicht der reine Angebotsausbau auf Platz eins liegt. Am höchsten bewertet werden stärkeres Marketing und Kooperationen mit Touristikern. Erst danach folgen der Ausbau des Leistungsangebots und die stärkere Anbindung konkreter touristischer Ziele. Für den Verband zeigt sich daran, dass touristischer ÖPNV nicht allein über zusätzliche Fahrten gestärkt wird. Entscheidend ist vielmehr, ob Angebot, Sichtbarkeit und Partnerschaften entlang der gesamten Reisekette zusammengeführt werden.
Monitoring: Wirkung bleibt offen
Als zweites bemerkenswertes Ergebnis wertet der VDV die Lücke bei der Messbarkeit. 27 Prozent der Unternehmen geben an, die Wirkung gezielter Maßnahmen nicht beurteilen zu können. Aus Sicht des Verbands verweist das auf Defizite bei Datengrundlagen und Monitoring. Wenn touristische Mobilität politisch besser abgesichert werden soll, braucht es daher auch praxistaugliche Kennzahlen etwa zur Nutzung von Gästekarten, zu Auslastung, Saisonalität und Nachfrageentwicklung.
„Die Branche weiß sehr genau, was wirkt: gute Angebote, einfache Zugänge und verlässliche Finanzierung. Was fehlt, sind klare Zuständigkeiten und dauerhafte Strukturen. Touristischer ÖPNV darf nicht jedes Jahr neu unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden“, sagt Paul Hemkentokrax.
Finanzierung: Planbarkeit schafft Angebot
Der VDV fordert deshalb, touristische Mobilität als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen, Aufgabenträgern und Tourismusakteuren zu behandeln. Der Bund müsse stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung sichern. Länder und Aufgabenträger müssten Angebotsqualität, Anschlüsse und regionale Umsetzung absichern. Kommunen und Tourismusorte könnten über Gästekartenmodelle, Kurbeiträge, Parkraumbewirtschaftung und Besucherlenkung dazu beitragen, dass Bus und Bahn vor Ort eine praktikable und attraktive Alternative zum Auto werden.
Fazit: Politik muss liefern
Mit seinem Positionspapier verbindet der VDV die Forderung, touristischen ÖPNV stärker als Teil von Daseinsvorsorge, regionaler Wertschöpfung und nachhaltiger Mobilität zu begreifen. Die Umfrageergebnisse zeigen nach Einschätzung des Verbands, wo der Handlungsdruck besonders groß ist. Wer touristische Regionen stärken und sensible Räume entlasten will, muss den öffentlichen Verkehr verlässlich finanzieren, sichtbar machen und regional integriert weiterentwickeln.
Das VDV-Positionspapier zum touristischen ÖPNV im ländlichen Raum steht auf www.vdv.de/positionen bereit.









