Sieger des Landeswettbewerbs zuinnovativen KI-Ideen für den ÖPNV

Um die Chancen der Digitalisierung für eine sichere und saubere Mobilität besser zu nutzen, hatte das Kompetenzcenter Digitalisierung im April letzten Jahres einen Landeswettbewerb zur Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) im ÖPNV in NRW ausgerichtet. Aus acht innovativen Ideen und Entwicklungen, die eingereicht wurden, hat eine Jury aus Vertretern von Politik, ÖPNV-Wirtschaft und Wissenschaft jetzt eine Entscheidung gefällt.
Ziel des KI-Wettbewerbs ist es, innovative Ansätze aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz für Anwendungen im ÖPNV nutzbar zu machen. Die Fachjury hat vier Konzepte ausgewählt, die zusammen eine vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr finanzierte Förderung von insgesamt bis zu 500.000 Euro erhalten sollen.
Die Jury war sich in ihrer abschließenden Sitzung am 8. November 2022 einig, dass die prämierten Projektideen Innovation und praktischen Nutzen für die Fahrgäste vereinigen. Zudem versprechen sie Nachhaltigkeit und die Möglichkeit in ganz NRW eingesetzt zu werden. So tragen sie auch zu den Zielen der ÖPNV-Digitalisierungsoffensive und zum Zukunftsvertrag NRW bei.
Der Jury-Sitzung folgend werden die ausgewählten Projektideen unter Begleitung des Kompetenzcenters Digitalisierung detaillierte Förderanträge ausarbeiten. Durch die Beteiligung des bei der VRR AöR verorteten Kompetenzcenters wird sichergestellt, dass die eingereichten Konzepte den ÖPNV in Nordrhein-Westfalen verbessern und ergänzen und eine landesweite Nachnutzbarkeit der Ansätze sichergestellt wird.

Die Siegerkonzepte

ABOARD – AI Based OccupAncy pReDiction
Das Projekt der Better Mobility GmbH soll den Fahrgästen bei der Reiseplanung zeigen, wie voll die Busse sein werden, die sie nehmen wollen.
Webseite Better Mobility GmbH: https://www.bettermobility.de/

Entwicklung einer KI-Methode zur Identifikation und Potenzialabschätzung geeigneter Gebiete für On-Demand-Angebote im öffentlichen Personennahverkehr (KI-POD)
On Demand Verkehr ermöglicht Fahrgästen Reisen in schwächer strukturierten Gebieten und in Schwachlastzeiten. Das Projekt der Hochschule Niederrhein soll Räume identifizieren, in denen die Einrichtung von On Demand Verkehren besonders lohnt.
Webseite Institut: https://hs-niederrhein.de/swk-e2/

Multibus-Prognose – Einsatz von KI im MultiBus-Verkehr im Kreis Heinsberg
Der MultiBus ist ein mit Kleinbussen betriebenes, bedarfsorientiertes Angebot der WestVerkehr GmbH ohne festen Linienweg und fährt die Kunden nur nach Vorbestellung von Haltestelle zu Haltestelle bzw. bis vor die Haustüre.
Webseite KI-Performance: https://ki-performance.com/

Flexibilisierung von Gemeinschaftsverkehren
In diesem Projekt wird das bestehendes Bürgerbus-System in Kreuztal durch KI von der Match Rider GmbH so verbessert, dass das Angebot besser zu den Fahrtwünschen der Bürger passt.
Webseite Match Rider: https://www.matchrider.de

Interessierte können sich über die Website zum Landeswettbewerb über die eingereichten KI-Konzepte informieren.

Quelle: Kompetenzcenter Digitalisierung, VRR

Vorschläge der EU-Kommission zu CO2-Grenzwerten

Die EU-Kommission hat ihre Vorschläge zu neuen CO2-Standards für Lkw und Busse publik gemacht. Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge sollen ihre Flottenemissionen dem Dokument zufolge bis 2040 um 90 Prozent senken, Stadtbusbauer bereits bis 2030 um 100 Prozent. E-Fuels hält die Kommission nicht für zielführend.
Für Stadtbusse ist die Sache schnell erzählt. Die EU-Kommission fordert mit der Reduktion der CO2-Emissionen um 100 Prozent de facto ein Verbrenner-Aus für Neufahrzeuge in diesem Bereich im Jahr 2030. Und somit noch vor dem bereits EU-weit beschlossenen Verbrenner-Aus bei Pkw im Jahr 2035. Bei schweren Nutzfahrzeugen, zu denen sowohl Lkw als auch Reisebusse gehören, stellt sich der Vorschlag komplexer dar.
Die EU-Kommission definiert für Lkw und Reisebusse wie bereits zuvor durchgesickert drei Zeiträume: Ab 2030 sollen die CO2-Flottenemissionen um 45 Prozent, ab 2035 um 65 Prozent und ab 2040 um besagte 90 Prozent gesenkt werden. Als Referenz dient der Flotten-Ausstoß im Jahr 2019 – jenem Jahr, aus dem die derzeitig gültigen Regeln stammen. Der neue Wurf soll genau diese aktuellen Vorgaben der EU ersetzen, wonach die Hersteller bis 2025 eine CO₂-Emissionsminderung um 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent (ebenfalls gegenüber dem Jahr 2019) sicherstellen müssen. Genau genommen handelt es sich aber eher um eine Ergänzung, denn im Zeitraum bis 2029 sieht die EU-Kommission keinen Handlungsbedarf. Die Vorgaben aus dem Jahr 2019 sollen bis dahin weiter Bestand haben. Für eine Verschärfung tritt das Gremium erst ab 2030 ein. Beide Regelwerke überschneiden sich also nur ein Jahr lang. Auch das war bereits im Vorfeld durchgesickert.
In einem offiziellen Statement äußert die EU-Kommission interessanterweise trotzdem, dass die derzeitigen CO2-Emissionsnormen für Nutzfahrzeuge aus dem Jahr 2019 „nicht mehr im Einklang mit den Klimazielen der EU stehen“. Die bestehenden Rechtsvorschriften gäben kein ausreichend klares und langfristiges Signal an Investoren und spiegelten nicht die neue Realität im Energiesektor und die rasanten Entwicklungen in der Nutzfahrzeug-Industrie weltweit wider. Die vorgeschlagenen neuen CO2-Standards sieht die Kommission dagegen im Einklang mit den verstärkten Klimazielen der EU, dem Fit-for-55-Paket und dem Pariser Abkommen.
Die Überarbeitung der CO2-Flottengrenzwerten für schwere Nutzfahrzeuge wird nötig, damit der Verkehrssektor die Klimaziele der EU noch erreicht. Allen voran sollen bis 2050 in der gesamten Wirtschaft netto keine Treibhausgasemissionen mehr verursacht werden. Die Kommission geht mit ihrem Vorschlag unterdessen nicht so weit, wie von Mitgliedsstaaten wie den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Luxemburg im vergangenen Monat gefordert. Das Quartett hatte sich für ein festes Enddatum für neue Verbrenner-Lkw und -Busse stark gemacht.
Jetzt zeigt sich: Nur im Stadtbusbereich wird mit 2030 ein Enddatum von der Kommission unterstützt. Denn: „Elektrobusse machen in mehreren Mitgliedstaaten bereits einen beträchtlichen Anteil der neuen Flotte aus. (…) Stadtbusse eignen sich aufgrund ihrer Einsatzweise besonders gut für eine schnellere Umstellung auf emissionsfreie Mobilität: Sie können über Nacht vollständig aufgeladen werden und fahren auf genau definierten und vorhersehbaren Kurzstrecken“, teilt das Gremium mit. Nur auf diesem Feld kann also tatsächlich von einer Ersetzung und Verschärfung der aktuellen Regeln die Rede sein. Vor allem darauf dürfte die EU-Kommission ihr oben zitiertes Statement stützen.

Quelle: electrive.net

CO2-Flottengrenzwerte

Zur aktuellen Debatte über die künftigen CO2-Flottengrenzwerte für Pkw, Lkw und Busse und die Zukunft des Verbrennungsmotors äußert sich Bundesminister Dr. Volker Wissing wie folgt:

„Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir uns alle Möglichkeiten und Technologien offenhalten. Europa hat sich darauf verständigt, dass von 2035 an nur noch klimaneutrale Pkw auf den Markt kommen sollen. Wir dürfen dabei nicht auf E-Fuels verzichten. Sowohl für die Bestandsflotte als auch für neue Fahrzeuge bieten E-Fuels klimaneutrale Mobilität mit Verbrennungsmotoren. Das gilt auch für Lkw und Busse.“

Quelle: Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV)

Schnittstellen-Standard für Bahnen

Das Projekt IDX4rail „Konsolidierung und Standardisierung der Infrastruktur-Datenmodell- und Schnittstellen-Landschaft im Straßenbahn- und Eisenbahnbereich Deutschlands“ ist gestartet. VDV-Vizepräsident Joachim Berends: „Das Projekt kommt zum richtigen Zeitpunkt. IDX4rail wird zur Entwicklung eines Standards führen, der in der Straßenbahn- und Eisenbahnbranche auf breite Akzeptanz stoßen wird. Dafür ist es richtig, dass kommunale Verkehrsunternehmen und kleine Bahn-Infrastrukturbetreiber als Praxispartner von Beginn an miteinbezogen werden.“ Das Projekt wird über die Innovationsinitiative mFUND mit insgesamt 1,549 Millionen Euro vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. Berends: „Im Ergebnis gibt es mit IDX4rail ein einheitliches, offenes und zukunftssicheres Gesamtsystem bestehend aus Datenmodell und Datenaustauschformat für Anwendungen im Schienenverkehr.“ Zum Projektstart waren auch – neben den Projektträgern – BMDV, VDV und die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft vertreten.

Quelle: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)

MTR Hong Kong ordert Mobiles Instandhaltungssystem

Die MTR Corporation Limited (MTR) in Hongkong beauftragt die Robel Bahnbaumaschinen GmbH mit der erstmaligen Lieferung eines ROMIS Instandhaltungszuges für den Einsatz auf den Tuen Ma und East Rail Lines. Mit dieser Investition verfolgt MTR das Ziel, die Betriebssicherheit zu erhöhen und die begrenzte Gleisverfügbarkeit zu optimieren, indem die verkehrsfreien Arbeitsfenster vollständig genutzt werden.
Der zweiteilige Zug besteht aus einer Lager- und einer Arbeitseinheit mit ausfahrbaren Seitenwänden, die dem Bautrupp direkten Zugang zum Gleis in einer rundum geschützten Umgebung ermöglicht. Vor Ort liefert das System sofortige Baustellenbeleuchtung sowie die komplette Stromversorgung für Betrieb und Langsamfahrt. Die integrierte Lagereinheit befördert die Mannschaft und nimmt das gesamte Material und die Maschinen für die geplanten Arbeiten auf. Beide Waggons sind durch einen internen Kran miteinander verbunden. Das System ist so konzipiert, dass es mit einer separaten Lokomotive vom Depot zur Baustelle gezogen werden kann.

Quelle: Robel Bahnbaumaschinen GmbH

Regionalverkehr Ostbayern: BEG erteilt Zuschlag an Länderbahn

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, hat den Zuschlag im Wettbewerbsverfahren Regionalverkehr Ostbayern erteilt: Ab Ende 2025 betreibt weiterhin die Länderbahn die Regionalverkehrslinien rund um den Oberpfälzer und den Bayerischen Wald.
Die BEG hatte die Verkehrsleistungen in zwei Losen ausgeschrieben. In Los 1 (Oberpfalz) behält die BEG das bisherige Fahrplankonzept im Wesentlichen bei und schließt einige Angebotslücken im Stundentakt auf den Hauptstrecken Regensburg – Marktredwitz und Schwandorf – Furth im Wald. Weitere Verdichtungen zu einem Halbstundentakt im engeren Einzugsgebiet von Regensburg sind, abhängig von der Nachfrage- und Infrastrukturentwicklung, in einer späteren zweiten Betriebsstufe vorgesehen. In Los 2 (Bayerwald) bestellt die BEG den bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 neu eingeführten Stundentakt mit längeren Bedienzeiten auf der Strecke zwischen Zwiesel und Grafenau (RB 36) weiter. Darüber hinaus werden einzelne Taktlücken geschlossen. In beiden Losen kommen die heute schon eingesetzten Gebrauchtfahrzeuge vom Typ Regio-Shuttle, im Los Oberpfalz zusätzlich die bewährten LINT 41 auf der RB 23 Regensburg – Marktredwitz, zum Einsatz. Beide Fahrzeugtypen ermöglichen den stufenfreien Einstieg an Stationen mit einer Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern.

Quelle: Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG)

Bevölkerung findet Klimaschutz im Verkehr wichtig

Unter den zehn wichtigsten Hebeln für Klimaschutz sehen die Deutschen fünf Veränderungen im Verkehr – allen voran den Ausbau des ÖPNV (71 %). Das 49-Euro-Ticket wird von einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Befragten positiv bewertet. Jede und jeder vierte kann sich den Kauf eines E-Fahrzeugs vorstellen. Das sind Ergebnisse aus dem „acatech Mobilitätsmonitor“, einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Die Erhebung zeigt Veränderungsbereitschaft, aber auch Vorbehalte – mit deutlichen Unterschieden zwischen Stadt und Land, Ost und West, wohlhabend und arm.

Klimaschutz im Verkehr kommt nur dann schneller voran, wenn technologische Innovationen Hand in Hand gehen mit besseren Rahmenbedingungen für die Mobilität von Menschen und Gütern – und beides auch in der Bevölkerung Akzeptanz findet. Deshalb beobachtet der repräsentative Mobilitätsmonitor nun im vierten Jahr die Entwicklungen im Mobilitätsverhalten der Bevölkerung, die Bereitschaft zu Veränderungen und die Akzeptanz der Elektromobilität.
Die aktuelle Bestandsaufnahme auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage belegt, dass Klimaschutz auch im Umfeld der derzeitigen Krisen für die Bevölkerung nicht in den Hintergrund tritt und dass sie dem Verkehrssektor eine Schlüsselrolle bei der Verringerung der Klimabelastungen zuweist. Sie setzt dabei insbesondere auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (71 %), die verstärkte Verlagerung des Güterverkehrs auf Schiene und Wasserwege (67 %), schadstoffarme Antriebssysteme (63 %) und alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff (62 %). Die Werte sind im Vergleich zu gleichlautenden Fragen in den Jahren 2019-2021 gestiegen.
61 Prozent sind überzeugt, dass der technologische Fortschritt generell einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Die Pandemie hat die Mobilität der Bevölkerung vorübergehend stark verändert. Viele möchten jedoch auch künftig verstärkt das Rad nutzen (30 Prozent), knapp jeder Fünfte den Pkw weniger.
Der Pkw ist nach wie vor mit Abstand das wichtigste Verkehrsmittel: 47 Prozent nutzen das Auto täglich, weitere 23 Prozent mehrmals in der Woche; das Fahrrad wird von 18 Prozent täglich genutzt, von weiteren 25 Prozent mehrmals in der Woche. Das Fahrrad wird dabei von immer mehr Menschen häufig genutzt, während die Nutzung des Autos leicht rückläufig ist. Für 72 Prozent der Bevölkerung ist das Auto unverzichtbar, gefolgt vom Fahrrad (51 %) und dem ÖPNV (42%). Dabei gibt es gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Quelle: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Ergebnispräsentation und Grafiken zur Studie

Ruhrbahn wird am Dienstag bestreikt

Die Ruhrbahn GmbH wird am Dienstag, 14. Februar 2023, ganztägig von Betriebsbeginn bis Betriebsende in Essen und Mülheim an der Ruhr bestreikt. Das geht hervor aus einem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die Ruhrbahn wird ab Mittwoch, 15. Februar 2023, mit Betriebsbeginn, den Regelbetrieb wieder aufnehmen.
Die Ruhrbahn macht ihre Fahrgäste darauf aufmerksam, dass während der Arbeitskampfmaßnahmen leider keine Nahverkehrsdienstleistungen in Essen und Mülheim zur Verfügung stehen. Auch die Schulbusse und E-Wagen fahren nicht. Da es voraussichtlich in den benachbarten Verkehrs-unternehmen ebenfalls zu Einschränkungen kommen kann, sind auch die städteübergreifenden Linien betroffen. Die Regional- und S-Bahnen fahren innerstädtisch die Bahnhöfe an und können ausfallende Bus- und Bahnverbindungen eventuell ersetzen.

Quelle: Ruhrbahn

Einfacher, digitaler Zugang zum Deutschlandticket

Der digitale Vertrieb des Deutschlandtickets stellt Verkehrsunternehmen vor Herausforderungen. Die Deutschlandticket App der Firma HanseCom ermöglicht es Ihnen, im Wettbewerb gegen zentrale Ticketlösungen zu bestehen, Stammkunden zu halten und so möglichen Einnahmeverlusten entgegenzuwirken.
Mit dieser App können Fahrgäste das Deutschlandticket einfach vorbestellen, bequem verwalten und haben es ab Verkaufsstart immer auf dem Handy dabei. Und Verkehrsunternehmen binden so ihre Stammkunden, sichern ihre Einnahmen und behalten die Kundendaten.

Für weitere Informationen zur Deutschlandticket App hier klicken.

Wissenschaftliche Einschätzungen zum Deutschlandticket

Das Deutschlandticket ist auf dem Weg. Von Mai an sollen die Bürger für 49 Euro im Monat den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im ganzen Land nutzen können. Doch ein Verkaufsschlager wie das 9-Euro-Ticket wird das Deutschlandticket nach Einschätzung von Wissenschaftlern nicht. Fachleute erwarten dadurch einen Anreiz nur für bestimmte Personengruppen, das Auto stehen zu lassen.
In Befragungen im November und Dezember 2022 haben nur etwa 15 Prozent angegeben, das Deutschlandticket regelmäßig kaufen und nutzen zu wollen, sagte Mark Andor vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, gegenüber der Wissenschaftsredaktion Science Media Center. Weitere 10 Prozent der Befragten seien noch unentschieden gewesen. Die allermeisten wollen das digitale Ticket wahrscheinlich eher nicht abonnieren. Der Verkehrsforscher Gernot Liedtke von der Technischen Universität Berlin ergänzt, Gespräche mit Käufern des 9-Euro-Tickets deuteten darauf hin, dass vielen Gelegenheitsnutzern von Bus und Bahn der Preis für das neue 49-Euro-Ticket zu hoch sei. Er geht davon aus, dass alle Zeitkartenbesitzer das Deutschlandticket abonnieren werden. Manche, die den Nahverkehr einige Male im Monat nutzen, würden von Einzelfahrkarten auf das 49-Euro-Ticket wechseln und danach häufiger auf Autofahrten verzichten: „Hier findet die hauptsächliche Entlastungswirkung für die Umwelt statt.“
Der Verkehrswissenschaftler Jan Schlüter von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Holzminden, rechnet ebenfalls nicht damit, dass das Deutschlandticket an den Erfolg des 9-Euro-Tickets anknüpfen kann: „Mit der Preisgestaltung des 49-Euro-Tickets verschiebt sich die Zielgruppe, da der festgesetzte Preis von 49 Euro die Gelegenheits- und Impulskäufer voraussichtlich ausschließt.“
Ähnlich sieht das der Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB): „Unsere Forschungen haben ergeben, dass 29 Euro für einen Monat ein Preis wäre, bei dem die allermeisten Verkäufe zu erwarten wären. Jedenfalls sind 49 Euro zu teuer, um wirklich einen großen Durchbruch zu schaffen.“
Zu CO2-Einsparungen mithilfe des Deutschlandtickets sagte Liedtke, wenn man davon ausgehe, dass die bisher sporadischen Nahverkehrsnutzer demnächst häufiger das Auto stehen lassen, könne man 2 Millionen Tonnen als obere Grenze für CO2-Einsparungen im Jahr annehmen. Wahrscheinlich seien Einsparungen in der Größenordnung von einer Million Tonnen im Jahr.
Starke Mobilitätsverlagerungen seien allenfalls bei Pendlern mit guter Anbindung zu erwarten, so die Einschätzung von Ökonom Andor. Diese Gruppe sei aber zu klein, um substanzielle Mengen an Treibhausgasen einzusparen. Sollte sich hingegen ein 29-Euro-Ticket durchsetzen, das auch den Fernverkehr und ein Anruf-Sammeltaxi für die letzte Meile beinhaltet, könnte laut Mobilitätsforscher Knie rund ein Drittel der jetzigen Autofahrten auf den öffentlichen Verkehr verlagert werden.

Quelle: faz.net