ÖPNV-Tickets 2026: ADAC Studie zeigt große Preisunterschiede

Tickets im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt um 27 Prozent teurer geworden. Das ergibt die aktuelle Studie des ADAC im Vergleich zur letzten Untersuchung von 2021. Der Preisanstieg liegt damit leicht über der Inflation von insgesamt 22 Prozent über diesen Zeitraum.

In der Studie wird auch deutlich: Durch die Einführung des Deutschland-Tickets vor rund drei Jahren – aktuell von über 14 Millionen Menschen genutzt – hat sich das Preisgefüge im ÖPNV stark verändert. Monatstickets in den untersuchten Städten sind durchweg teurer als das Deutschland-Ticket für derzeit 63 Euro. Es ist für Menschen, die häufig pendeln, vielleicht sogar in verschiedenen Städten, die beste Wahl.

Alle anderen müssen rechnen: Welches Ticket ist das passende für die eigenen Bedürfnisse? Ab wann lohnt sich eine Zeitkarte? Die ADAC Studie zeigt: Das Deutschland-Ticket macht es den Verkehrsverbünden mit ihren klassischen Monatskarten schwer. Doch sie punkten häufig durch weitere Leistungen, zum Beispiel die Möglichkeit, das Ticket zu übertragen, weitere Personen oder das Fahrrad mitzunehmen. Neben den Monats-Fahrausweisen wurden die Kosten für drei weitere Ticketarten verglichen: Tages- , Einzel- und Wochentickets.

Die untersuchten Städte und Verkehrsverbünde

Diesmal hat das ADAC Team die ÖPNV-Ticketpreise für Erwachsene in 25 deutschen Großstädten unter die Lupe genommen. Die untersuchten Städte Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal sind dabei ebenso Teil eines größeren Verkehrsverbunds (VRR) wie Bonn und Köln (VRS), wie die Übersichtskarte zeigt. Als Geltungsbereich wurde jeweils das (innere) Stadtgebiet gewählt.

ÖPNV-Tickets: Deutliche Preisunterschiede

Die Übersicht “Ticketpreise gesamt” zeigt die Preisgestaltung in den Städten. Es gibt oft große Unterschiede von einer Ticketkategorie zur anderen: München hat zum Beispiel das teuerste Einzelticket, aber die günstigste Monatskarte. Am deutlichsten ist die Differenz bei den Monatskarten: zwischen 71,40 Euro in München und 140,50 in Köln und Bonn.

Einzelticket: Nur für Selten-Fahrer

Die Preise für eine Einzelfahrt reichen von 2,90 Euro in Erfurt (die einzige Stadt unter der 3-Euro-Grenze) bis 4,20 Euro in Augsburg und München. Auch in Berlin und Hamburg werden 4 Euro und mehr fällig. Im Schnitt zahlen Passagiere 3,68 Euro. In allen Städten lohnt sich ein Tagesticket ab drei Einzelfahrten, sogar schon ab zwei in Bielefeld, Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart und in den sechs untersuchten Städten des Ruhrgebiets (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr).

Die Tarifsteigerungen seit 2021 bewegten sich zwischen 19 und 38 Prozent. Die Leistungen unterscheiden sich geringfügig: Einzeltickets sind in vielen Städten zeitlich begrenzt gültig, meist zwischen 60 und 180 Minuten. In aller Regel sind Umstiege und Fahrtunterbrechungen möglich, Rund- und Rückfahrten aber nicht. Manche Städte erlauben Passagieren die kostenfreie Mitnahme von Kindern.

Tagesticket: Der Tag ist nicht überall gleich lang

Am günstigsten fährt man mit dem Tagesticket in Bielefeld: 6,70 Euro – die einzige Stadt im Test unter sieben Euro. Am anderen Ende steht Berlin mit 11,20 Euro. Die 10-Euro-Marke reißen auch München, Leipzig, Augsburg und Nürnberg. Im Schnitt kosten Tagestickets 8,44 Euro. Tagestickets gelten ab dem Kauf beziehungsweise der Entwertung in einigen Städten volle 24 Stunden, in anderen nur bis Betriebsschluss. Teilweise können die Fahrgäste das Ticket auf andere Personen übertragen oder weitere Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitnehmen.

Wochenticket: Ein Auslaufmodell?

Wochentickets bieten nur noch 15 der untersuchten 25 Städte an. Bei den noch vorhandenen Wochentickets gibt es große Preisunterschiede: München ist mit 23,80 Euro eindeutig am günstigsten. Hamburg ist mit 43 Euro kostspielig, erlaubt Nutzern damit aber Fahrten im Gesamtnetz des Verkehrsverbunds. Im Schnitt liegt die Wochenkarte bei 32,46 Euro. Die Preise stiegen in den vergangenen fünf Jahren zwischen 20 und 45 Prozent (Hamburg). Das Startdatum ist bei den Wochentickets nicht immer flexibel wählbar – aus Sicht des ADAC verbraucherunfreundlich. Wie bei den Tagestickets bieten manche Städte kostenfrei oder gegen Aufpreis zusätzliche Leistungen an, wie die Übertragbarkeit auf andere Personen oder die Mitnahme von weiteren Erwachsenen, Kindern, Fahrrädern oder Hunden.

Monatsticket: Nur für bestimmte Nutzer günstiger

Beim Blick auf die Preise erklärt sich der Erfolg des Deutschland-Tickets sofort: Die bundesweite Flatrate für den Nah- und Regionalverkehr beträgt derzeit 63 Euro monatlich. Die klassischen Monatstickets der verschiedenen Verkehrsverbünde starten dagegen bei 71,40 Euro in München und reichen dann bis zum Spitzenwert von 140,50 Euro in Bonn und Köln (Verkehrsverbund Rhein Sieg). Der Mittelwert für das Monatsticket liegt bei 103,33 Euro.

Im Vergleich zu 2021 gingen die Tarife um 22 bis 58 Prozent (Duisburg) nach oben. Hamburg dagegen hat den Preis um stattliche 26 Prozent gesenkt, liegt jetzt mit 83 Euro im günstigeren Bereich – eine Reaktion auf das Deutschland-Ticket, wie der Hamburger Verkehrsverbund dem ADAC Studien-Team auf Anfrage bestätigte. Kostenlos oder gegen Aufpreis gibt es in einigen Städten diverse Zusatzleistungen. Ob ein Monatsticket im Vergleich zum Deutschland-Ticket überzeugen kann, hängt stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Preislich ist das Deutschland-Ticket aktuell unschlagbar. Wer jedoch Wert darauf legt, sein Ticket gelegentlich auf andere Personen zu übertragen oder Erwachsene, Kinder, Fahrräder oder Hunde mitzunehmen, kann in manchen Städten mit einem klassischen Monatsticket besser fahren.

Empfehlungen an Betreiber und Politik

Der ADAC empfiehlt, das Deutschland-Ticket langfristig als attraktives und verlässliches Angebot zu sichern, um Verkehrsverbünden Planungssicherheit zu geben und das Angebot stärker an den Bedürfnissen der Nutzer auszurichten. Zudem sollten Tarife kundenfreundlicher gestaltet werden, etwa durch eine 24-Stunden-Gültigkeit von Tagestickets sowie flexible Startdaten bei Wochen- und Monatstickets. Darüber hinaus wird angeregt, Pay-as-you-go-Modelle auszubauen und perspektivisch eine digitale Bestpreisabrechnung einzuführen, bei der Nutzer automatisch den günstigsten Tarif bis maximal zum Preis des Deutschland-Tickets zahlen.

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