Women in Mobility übergibt Geschäftsführung

Women in Mobility (WiM), das führende Netzwerk für Frauen in der Mobilitätsbranche im deutschsprachigen Raum, vollzieht einen Wechsel: Nach zehn Jahren gemeinsamer Geschäftsführung übergeben die Gründerinnen Coco Heger-Mehnert, Anke Erpenbeck und Dr. Sophia von Berg die Leitung an Dr. Kerstin Wendt, Kerstin Dämon und Mady Christ. Die bisherigen Geschäftsführerinnen von Women in Mobility haben den Nachfolgeprozess konsequent an den eigenen Werten ausgerichtet: „Wir sind zu der Entscheidung gekommen, die Übergabe so zu machen, wie wir WiM verstehen: Es soll aus dem Netzwerk kommen“, sagt Anke Erpenbeck. „Wir sind nicht die, die vorgeben, wie WiM sich zu entwickeln hat. Das entsteht aus WiM heraus.“

Coco Heger-Mehnert ergänzt: „Wir haben den Übergabeprozess ganz bewusst mitwirkend gestaltet. Bei unserem jährlichen Hubtreffen haben wir offengelegt, dass wir als Geschäftsführung zurücktreten möchten – und den Nachfolgeprozess bewusst offen mit Interessierten aus dem Netzwerk entwickelt.“

Aus einem Wahlverfahren, in dem die WiM Belegschaft stimmberechtigt war, seien schließlich drei Frauen hervorgegangen, die das Unternehmen künftig weiterführen.

Loslassen als Führungsentscheidung

Die drei Gründerinnen gehen noch einen Schritt weiter: Sie verschenken das Unternehmen. „In diesem Prozess übergeben wir nicht nur eine Geschäftsführung, wir übergeben das Unternehmen als Ganzes“, sagt Dr. Sophia von Berg. „Es hat keinen Verkaufspreis, weil wir es nie aufgebaut haben, um es zu monetarisieren. Geld kann man zählen – Wirkung spürt man. Wer im Gemeinwohlbereich über Exit redet, hat sein Ziel von Anfang an verfehlt.“

Die Entscheidung zur Übergabe ist für die Gründerinnen kein Rückzug, sondern Ausdruck von Verantwortung. „Unser Loslassen ist eine Entscheidung fürs Fortbestehen“, sagt Dr. Sophia von Berg. „Wir haben WiM zehn Jahre lang mitgestaltet, aber wir haben es nie alleine getragen. Wer Loslassen als Schwäche interpretiert, verwechselt Führung mit Besitz und Macht.“

Auch Coco Heger-Mehnert sieht im Wechsel eine bewusste strategische Entscheidung für den gewählten Zeitpunkt: „WiM steht auf starken Füßen. Strukturen und Prozesse sind so gut aufgebaut und stabil, dass eine Übergabe problemlos funktionieren kann. Außerdem haben wir WiM nie so geführt, dass es auf unsere Personen zugeschnitten war – es ist eine kollektive Identität.“

Zehn Jahre Women in Mobility: Eine Erfolgsgeschichte

Was 2015 als Vernetzungsidee begann, entwickelte sich zu einer starken Community mit zwölf Hubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz, einer internationalen Ausgründung in Großbritannien, sowie mehr als 7.000 vernetzten Expertinnen. Women in Mobility macht Frauen in der Mobilitätsbranche sichtbar, fördert Austausch über Hierarchieebenen hinweg und setzt sich für Gleichstellung, Diversität und nachhaltige Mobilität ein. Zu den Meilensteinen zählen der erste große Women in Mobility Summit in Frankfurt, der Deutsche Mobilitätspreis 2020, die digitale WiM Winter School sowie die Formulierung des Postulats zur feministischen Verkehrswende. All das wurde ehrenamtlich aufgebaut.

„Was uns getragen hat, war die Mission“, sagt Dr. Sophia von Berg. „Der dabei entstandene Wert lässt sich nicht in Vermögenszahlen messen. Es ist eine andere Form von Kapital: Sozialkapital.“ Genau dieses Sozialkapital geben die Gründerinnen nun weiter – als Fundament für die nächste Phase von Women in Mobility. Sie selbst bleiben dem Netzwerk in neuen Rollen erhalten: Coco Heger-Mehnert wird die Kooperationen mit Universitäten weiterführen, Anke Erpenbeck engagiert sich künftig im Hub Rhein-Ruhr und Dr. Sophia von Berg möchte wieder stärker fachlich wirken, unter anderem als Referentin.

Anmerkung: Auch die NahverkehrsPraxis ist dem Netzwerk sehr verbunden, u.a. ist die Redaktionsleiterin Annika Egloff-Schoenen Mitgründerin des Hubs Baden.

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