Westbahn und BRB formulieren Kernforderungen an DB InfraGO

Seit 2022 fährt die Westbahn fünfmal täglich von München nach Wien, seit Dezember 2024 fahren zwei Verbindungen von Stuttgart über München bis Wien. Seitdem sind betriebliche Herausforderungen auf der Infrastruktur nahezu täglich Realität – von kurzfristig angekündigten oder verschobenen Baustellen über fehlende Abstimmungen bis hin zu unbesetzten Stellwerken und Fehlleitungen auf nicht zulässige Gleise.

„Kurzfristige Baustellen, fehlende Abstimmungen und unklare Zuständigkeiten. Das ist kein Ausnahmezustand, sondern gelebter Alltag. Das dürfen Fahrgäste und alle Mitarbeitende, die tagtäglich mit den Herausforderungen konfrontiert sind, nicht länger ausbaden. Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln. Es braucht endlich ein Baustellenmanagement, das funktioniert“, betont Westbahn-Geschäftsführer Thomas Posch.

Vor diesem Hintergrund hat die Westbahn drei zentrale Kernforderungen als Vorsätze für das Baustellenmanagement formuliert:

  • Baustellen sind kein Überraschungs-Ei: Es braucht mehr Vorlauf, frühzeitige Ankündigungen von Sanierungsmaßnahmen und klare Kommunikation. Kurzfristige Änderungen oder überraschende Bauzeitverlängerungen treffen am Ende immer die Reisenden.
  • Planungssicherheit ist kein Würfelspiel: Bahnverkehr braucht Verlässlichkeit und einen Plan, der hält. Kurzfristig gestoppte oder geänderte Bauabschnitte, fehlende Kapazitäten oder nicht besetzte Stellwerke bringen Fahrpläne und Betriebsabläufe durcheinander. Planung muss realistisch und verlässlich sein.
  • Schluss mit Zuständigkeits-Pingpong: Klare Verantwortungen statt Abstimmungschaos. Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr braucht es klare Zuständigkeiten und eine funktionierende interne Kommunikation – vor allem zwischen Regionen und Leitstellen. Fehlleitungen und widersprüchliche Informationen müssen vermieden werden.

Mit diesen drei Kernforderungen soll die Perspektive der Bahnunternehmen fahrgastgerecht wieder ins Zentrum der Infrastrukturplanung gerückt werden. Die Bahnunternehmen fordern dabei keine Einzelmaßnahmen, sondern ein funktionierendes Zusammenspiel von Planung, Bau und Betrieb. Diese Grundsätze sollen verbindlich in der weiteren Planung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen der DB InfraGO verankert werden.

Welche Auswirkungen die mangelnde Baustellenplanung der DB InfraGO konkret hat, erläuterte BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann am Beispiel der vielbefahrenen Strecke des RE5 München – Rosenheim – Salzburg. Diese ist bereits in 2026 aufgrund der Generalsanierung Nürnberg – Regensburg – Passau von Einschränkungen und Zugausfällen betroffen. Kommt dann in 2027 und 2028 die geplante Generalsanierung erst von Rosenheim bis Freilassing und anschließend von München bis Rosenheim, spitzt sich die Situation noch einmal zu. Dann heißt es für viele Fahrgäste Bus statt Bahn. Dabei stellen sich für die konkrete Umsetzung noch viele Fragen:

  • Sperrkonzept unklar: Statt Vollsperrungen könnte auch mit Eingleisigkeit gebaut werden, was die Möglichkeit zu ausgedünnten Fahrplänen bietet. Zudem ist der Bauumfang fragwürdig. Viele Anlagen sind erst rund 20 Jahre alt und müssten noch nicht saniert werden. Die BRB hat zu den Planungen der DB InfraGo konkrete Alternativvorschläge eingereicht, die jedoch von den Verantwortlichen bislang ohne Rückmeldung blieben. „Man lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern und verweigert uns einen zielgerichteten Dialog“, so Schuchmann.
  • Beim geplanten Schienenersatzverkehr (SEV) für den RE5 werden die benötigten Busse zwar von der DB InfraGo organisiert, jedoch soll die BRB u.a. Beschwerden beantworten, obwohl sie keinen direkten Kontakt zu den Busunternehmen hat. Das Ergebnis: Fahrgäste erwarten Antworten, die die BRB ohne Informationen nicht geben kann.
  • Nicht zuletzt bleibt das grundsätzliche Thema der Fahrgastinformation, die bereits heute nicht zufriedenstellend funktioniert, da technische Vorgaben flexible Lösungen blockieren und die aktuelle Informationsstruktur zu starr ist, um auf kurzfristige Baustellenänderungen zu reagieren, die jedoch an der Tagesordnung sind. Arnulf Schuchmann fordert daher: „Fahrgastinfo muss neu gedacht und schneller, flexibler sowie verlässlicher im Sinne unserer Fahrgäste werden.“
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