Der erste ETCS-Kongress des VDV in Fulda zeigte auf, wo es hierzulande bei der Umsetzung des europäischen digitalen Steuerungssystems für die Schiene noch hapert. Teil 1 beleuchtet Technik und Konzeption, Teil 2 Kosten und Organisation.
Bahnfahren soll nach dem Willen der EU-Kommission noch sicherer und effizienter werden – und das vor allem mit dem neuen europäischen Zugleitsystem ETCS. Die Notwendigkeit hierfür wurde vor genau zehn Jahren bei der Zugkollision von Bad Aibling überdeutlich. Es war wohl das sprichwörtliche Glück im Unglück, als am Faschingsdienstag, dem 9. Februar 2016, um 6:47 Uhr zwei Züge zwischen dem oberbayerischen Bad Aibling und Kolbermoor mit 51,0 beziehungsweise 78,3 km/h miteinander kollidierten. Dass sich keine Schulkinder an Bord befanden, verhinderte offenbar die ganz große Tragödie. Dennoch waren die Folgen verheerend: zwölf Tote, 27 Schwerverletzte, 63 Leichtverletzte sowie rund 20 Millionen Euro Sachschaden.
Die eingleisige Strecke verfügte über das fast bundesweit verbaute Class-B-Sicherungssystem PZB 90 (Punktförmige Zugbeeinflussung) und ein eher in die Jahre gekommenes Relaisstellwerk mit einigen Bedienungsherausforderungen. „Die bewährten Systeme PZB und LZB sind sehr sichere Systeme, die in den letzten 25 Jahren aber nicht weiterentwickelt wurden und die heute wesentlich effektiver gestaltet werden können“, bringt der digital zum Kongress zugeschaltete Florian Böhm, Referatsleiter E20 Leistungsvereinbarung, Bestandsnetz und Digitalisierung Schiene im Bundesministerium für Verkehr (BMV), den Sicherheitsstatus des Systems auf den Punkt. Und tatsächlich wird das Thema Sicherheit auf dem Kongress nicht als kritisch gesehen und spielt eher eine Nebenrolle.
Der Untersuchungsbericht zur Katastrophe von Bad Aibling vom 29.10.2018 vermerkt in den Streckendaten als letzten Punkt lapidar: „ETCS-Level – ohne ETCS“. Das sperrige Zauberwort der Bahntechnik, das sich auch unter Nichtexperten seit Jahren wie ein Phantom verbreitet, kommt ansonsten im Untersuchungsbericht und auch in den vielfältigen Presseberichten nicht weiter vor. Der 2018 veröffentlichte Untersuchungsbericht der BEU (Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung) einer ähnlich gelagerten Zugkollision wird hier schon deutlicher: „Die Prüfung der Sicherheitsempfehlung hat ergeben, dass eine Nachrüstung der PZB […] im Rahmen einer Aufwand-/Nutzen-Abwägung vor dem Hintergrund der Einführung von ETCS nicht sinnvoll ist.“
Den gesamten Beitrag finden Sie in der neuen Ausgabe der NahverkehrsPraxis: 01-02/2026.









