Die EU-Kommission hat gestern ihren lang erwarteten Entwurf zu einer dringend erforderlichen Anpassung der Lenk- und Ruhezeiten im Gelegenheitsverkehr veröffentlicht. Damit kommt sie einem der Kernanliegen der Bustouristik nach, für das sich der Bundesverband Deutscher Busunternehmer (bdo) zusammen mit der IRU seit Jahren eingesetzt hat.

bdo-Konjunkturumfrage: Zwischen stabiler Nachfrage und steigenden Belastungen

Die wirtschaftliche Lage der privaten Busunternehmen in Deutschland ist trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen überwiegend stabil, während die Antriebswende erhebliche wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen mit sich bringt. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo). Gleichzeitig wird deutlich: Die Stimmung in den Unternehmen wird verhaltener, die Herausforderungen nehmen zu.

Im Gelegenheitsverkehr und in der Bustouristik zeigt sich die Branche zum Auftakt der ITB (Internationale Tourismus-Börse) in Berlin grundsätzlich stabil – mit positiven Impulsen aus den Markt. Die anhaltend hohe Reiselust der Deutschen, aktuelle Branchenmeldungen über steigende Zahlen organisierter Reisen sowie eine für den Bustourismus günstige demografische Entwicklung senden ermutigende Signale. Allerdings trübt sich der wirtschaftliche Ausblick leicht ein: Für 50 Prozent der Unternehmen blieb die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr unverändert, 22 Prozent berichten von einer Verbesserung. Gleichzeitig melden 28 Prozent eine Verschlechterung. Hinzu kommt, dass 40 Prozent der Bustouristiker ihre Gewinnentwicklung als ungünstiger als zuvor bewerten. Auch die Erwartungshaltung ist vorsichtiger als in den Jahren zuvor. 54 Prozent prognostizieren eine gleichbleibende Entwicklung, 34 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Im ÖPNV zeigt sich insgesamt ein differenziertes Bild. 50 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gleichbleibend. Mit 31 Prozent überwiegen jedoch die negativen Einschätzungen gegenüber den positiven (19 Prozent). Auch die Umsatzentwicklung ist uneinheitlich: 45 Prozent melden gleichbleibende Umsätze, 31 Prozent verzeichnen Zuwächse, 24 Prozent Rückgänge. Weiter unter Druck steht derweil die Gewinnlage – bei 47 Prozent der Unternehmen entwickelte sie sich ungünstiger als im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt der Handlungsdruck hoch: Aufgrund steigender Kosten und des anhaltenden Fahrpersonalmangels planen 20 Prozent der Unternehmen, ihr Angebot 2026 anzupassen oder teilweise einzuschränken.

Im Fernlinienverkehr zeigt sich weiterhin ein insgesamt stabiles Marktumfeld. Sechs von zehn Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als unverändert, während sich positive und negative Einschätzungen mit jeweils 20 Prozent ausgleichen. Auch bei den Umsätzen dominiert Kontinuität: 70 Prozent der Betriebe berichten von gleichbleibenden Erlösen.

Als zentrale Herausforderungen nennen die Unternehmen segmentübergreifend den hohen administrativen Aufwand und zunehmende bürokratische Vorgaben, die die betriebliche Entwicklung erheblich belasten. Steigende Energiepreise drücken zusätzlich auf die Gewinnmargen. Hinzu kommen der anhaltende Fahrpersonalmangel sowie die finanziellen und organisatorischen Anforderungen der Antriebswende. 

Gerade bei alternativen Antrieben fehlen aus Sicht vieler Betriebe derzeit wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Einsatz im Betriebsalltag. Hohe Anschaffungskosten und Defizite bei der Tank- und Ladeinfrastruktur bremsen den Hochlauf. Die Transformation hin zu emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeugen ist politisch gewollt und klimapolitisch richtig – sie bleibt jedoch eine enorme Investitionsaufgabe für Unternehmen und öffentliche Hand. Entsprechend wichtig sind verlässliche und auskömmliche Förderprogramme. In der Praxis bewerten die meisten Unternehmen die bestehenden Förderungen jedoch als unzureichend: Lediglich 5 Prozent der Betriebe mit ÖPNV-Schwerpunkt halten sie für ausreichend, in der Bustouristik sogar nur 1 Prozent.

Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des bdo, erklärt:

„Die Busunternehmen in Deutschland zeigen sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemerkenswert stabil. Sie sichern Mobilität im Alltag, im Fernverkehr und im Tourismus – und sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Klimaschutz und Daseinsvorsorge. Gleichzeitig spüren wir, dass die Stimmung in der Branche gedrückter wird. Die Belastungen nehmen zu, während die Spielräume kleiner werden. Die Busbranche könnte deutlich mehr leisten – beim Ausbau des Angebots, bei der Verkehrswende und bei der Stärkung des Tourismusstandorts Deutschland. Aber dafür brauchen die Unternehmen verlässliche, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und weniger bürokratische Hürden. Wer mehr Mobilität will, muss die Betriebe auch machen lassen.“

Dafür sind keine astronomischen Investitionen wie bei der Bahn erforderlich. Es reicht, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und eigenverantwortliches Unternehmertum zu fördern. Die Busbranche steht bereit, ihren Beitrag zu leisten und Deutschlands öffentlichen Verkehr voranzubringen. 

Vollständige bdo-Konjunkturumfrage 2025/2026 (PDF-Dokument)

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