Im selben Boot zur Strukturreform des SPNV

Köln als Pendlerstadt, Nordrhein-Westfalen als größter SPNV-Markt Europas – die Herausforderungen für den öffentlichen Verkehr sind gewaltig. Beim NRW-Mobilitätsforum, das in besonderer Atmosphäre auf der “MS Rheinmagie“ in Köln stattfand, wurde die passende Metapher gleich zu Beginn geliefert: „Wir sitzen im wahrsten Sinne des Wortes im selben Boot“, betonte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer zur Begrüßung. Die Symbolik zog sich durch den gesamten Tag – als Bild für gemeinsame Verantwortung, aber auch für die Notwendigkeit, Kurs zu halten.

Bereits zum sechsten Mal luden go.Rheinland, der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) Akteure aus der Mobilitätsbranche sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zum NRW-Mobilitätsforum ein. Zum Auftakt der Veranstaltung unter dem Motto „Mobilität in Bewegung: umdenken, umbauen, umsteigen“ hielt Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, vor den rund 300 Teilnehmern einen Impulsvortrag. Er zeichnete ein klares Bild des tiefgreifenden Wandels, den die Mobilität in NRW derzeit durchläuft: Prozesse werden neu gedacht, Strukturen hinterfragt und Verkehrswege anders geplant als bisher.

„Das ausschließliche Maß ist der Fahrgast“, unterstrich NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. Trotz teilweiser unterschiedlicher Interessen gehe es darum, in eine gemeinsame Richtung zu steuern. Ein verlässlicher, pünktlicher und leistungsfähiger ÖPNV sei die Grundlage – nicht zuletzt auch mit Blick auf Großereignisse wie eine mögliche Olympiabewerbung RheinRuhr, bei der ein funktionierendes Verkehrssystem als Standortfaktor gilt.

Köln im Fokus: Herausforderungen einer Pendlerstadt

Kölns Mobilitätsdezernent Ascan Egerer richtete den Blick auf die kommunale Ebene. Die Domstadt stehe als klassische Pendlerregion vor besonderen Herausforderungen: „Wir wollen Verkehrsachsen gut und leistungsfähig gestalten.“ Ziel sei ein ÖPNV, der als selbstverständliches Angebot wahrgenommen wird und nicht ständig infrage steht. Multimodalität und ein ausgewogener Modal Split sind zentrale Bausteine, um die Mobilitätsbedürfnisse der Großstadt zu bedienen.

Im Anschluss diskutierte Oliver Krischer gemeinsam mit den Hausspitzen der drei Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in NRW – Michael Vogel (Geschäftsführer go.Rheinland), Christiane Auffermann (Geschäftsführerin NWL) und Oliver Wittke, (Vorstandssprecher VRR) – sowie mit Prof. Hilmar von Lojewski, (Beigeordneter des Deutschen Städtetags), über notwendige Reformen, Zuständigkeiten und zukünftige Entwicklungen im SPNV.

Mit Melanie Schliebener, Leiterin der Schlichtungsstelle Nahverkehr bei der Verbraucherzentrale NRW e.V., sprachen Vogel, Auffermann und Wittke in einer Talkrunde über die zentralen Herausforderungen für NRW – von Finanzierungs- bis hin zu Tariffragen – und ordneten mögliche Weichenstellungen für die kommenden Jahre ein.

Spiegel-Kolumnist und Autor Sascha Lobo betonte in seinem Beitrag mit dem Titel „Neues Denken, neue Technologien: Wie Innovationen die Mobilität verbessern können“, dass Transformation im Kopf beginnt. Er zeigte auf, dass ökologische, technologische und gesellschaftliche Veränderungen nur gelingen können, wenn bestehende Denkmuster aufgebrochen und neue Perspektiven zugelassen werden. Forschung, Digitalisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit seien entscheidend, um Innovationen nachhaltig voranzubringen. „Wir brauchen eine echte Kultur des Ausprobierens. Innovationen entstehen nicht aus Perfektion, sondern aus dem Mut, Dinge zu testen, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen – sich im besten Sinne voranzuscheitern“, so Lobo.

Künstliche Intelligenz als Chance

Wie Transformation konkret gelingen kann, wenn Systeme in Bewegung geraten, diskutierte Lobo zum Abschluss seines Vortrags mit Mathias Mester, ehemaliger Para-Leichtathlet, und Harmen van Zijderveld, Vorstandsvorsitzender DB Regio AG. Das Gespräch machte deutlich, wie vielfältig die Wege durch den Wandel sein können und wie sehr Perspektiven aus Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation voneinander profitieren.

Exkursionen durch den Kölner Nahverkehr

Bereits am Vormittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, den Kölner Nahverkehr im Rahmen von zehn Exkursionen aus neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Die Touren führten zu unterschiedlichen Projekten und Schauplätzen des Kölner Mobilitätssystems, boten inspirierende Einblicke und waren teilweise interaktiv gestaltet. Die Teilnehmer besichtigten beispielsweise den E-Bus-Betriebshof der KVB in Porz oder das vareo-Werk der DB in Deuz.

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