Fahrgastverband kritisiert Kehrtwende bei DB Navigator

Mit dem vorgestellten Sofortprogramm zur besseren Kundenkommunikation kündigt die Deutsche Bahn unter anderem die Einführung einer neuen „DB Info“-App an. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht darin einen Bruch mit den Zielen der vom Bundesverkehrsministerium erst im vergangenen Jahr veröffentlichten „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“. Darin hatte das Ministerium ausdrücklich formuliert, dass „der DB Navigator sowie die damit verbundene Internetpräsenz zur Stärkung von Gemeinwohl und Wettbewerbsneutralität in die Verantwortung der DB InfraGO AG übertragen werden“. Ziel war eine neutrale Plattform für Information und Vertrieb im Sinne aller Eisenbahnverkehrsunternehmen.

„Die Agenda hat einen klaren Weg vorgegeben: Der DB Navigator wird als zentrale Plattform zur gemeinwohlorientierten Infrastrukturgesellschaft wechseln. Davon ist im Sofortprogramm praktisch nichts mehr übrig. Stattdessen soll eine zusätzliche App geschaffen, während der DB Navigator unverändert beim Vertrieb und damit bei DB Fernverkehr verbleiben sollen. Das wäre keine Umsetzung der Agenda, sondern eine Abkehr von ihr.“

Professor Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt ausdrücklich die angekündigten Investitionen in bessere Datenqualität, schnellere Echtzeitinformationen, transparente Veröffentlichung der Daten, die engere Zusammenarbeit innerhalb der Branche und die Verlagerung der Zuständigkeit dafür auf die Infrastruktur. Diese Maßnahmen seien geeignet, die Reisendeninformation tatsächlich zu verbessern. Die Einführung einer weiteren App löse jedoch keines der strukturellen Probleme. Das Sofortprogramm sieht sowohl eine Funktionserweiterung des DB Navigators als auch eine neue „DB Info“-App vor.

„Für Fahrgäste bringt noch eine neue App keinen Mehrwert. Sie brauchen einen zentralen Zugang für Information und Ticketkauf. Wenn der DB Navigator weiterhin dieselben Informationen anbietet wie die neue App, gibt es keinen nachvollziehbaren Anreiz zum Wechsel. Das wäre letztlich eine unnötige Parallelstruktur, finanziert mit öffentlichen Mitteln.“

Michael Koch, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn

Statt neuer Anwendungen fordert der Fahrgastverband Pro Bahn eine konsequente Umsetzung der ursprünglichen Reformidee und die Übertragung des bisherigen “DB Navigators” an InfraGo.

„Deutschland braucht nicht die nächste Bahn-App, sondern eine gemeinsame technische Plattform. Information und Vertrieb gehören aus Fahrgastsicht zusammen. Die Infrastruktur- und Echtzeitdaten müssen diskriminierungsfrei allen Anbietern zur Verfügung stehen und der Vertrieb unterschiedlichster Anbieter muss einfach möglich sein. Auf dieser Grundlage können unterschiedliche Apps miteinander konkurrieren – über Bedienkomfort, Zusatzfunktionen oder innovative Services. Wettbewerb gehört auf die Anwendungsebene, nicht auf die Datenebene“, erklärt Koch zudem.

Der Fahrgastverband fordert Bundesverkehrsministerium und Deutsche Bahn deshalb auf, zur ursprünglichen Zielsetzung der Agenda zurückzukehren. Die angekündigten Investitionen sollten vorrangig in offene Datenplattformen, gemeinsame Backends und eine diskriminierungsfreie Bereitstellung von Fahrgastinformationen fließen, anstatt weitere Parallelangebote innerhalb des DB-Konzerns aufzubauen.

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