Wie sind die bisherigen Sanierungen im norddeutschen Schienennetz für Fahrgäste, Kommunen und Unternehmen gelaufen und welche Lehren ziehen Politik, Bahn und Wirtschaft daraus für die kommenden Sanierungen Richtung Lübeck und Hannover? Wie lassen sich solche Großvorhaben erfolgreich planen, organisieren und begleiten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Konferenz „Weichenstellung für die Zukunft“, zu der die Metropolregion Hamburg eingeladen hatte.
Verantwortliche und Fachleute aus Ländern, Kreisen und Kommunen der Metropolregion sowie von der Deutschen Bahn und aus der Wirtschaft diskutierten, welche Erfahrungen bei der Sanierung der Bahnstrecken Hamburg–Berlin und der Qualitätsoffensive Hamburg–Hannover gesammelt wurden und welche Anforderungen und Erwartungen an die kommenden Streckensanierungen im Norden bestehen. Im Mittelpunkt standen dabei die Auswirkungen der baulichen Maßnahmen auf Kreise und Kommunen, Fahrgäste und Unternehmen in der Metropolregion Hamburg sowie die Frage, wie künftige Sanierungen im Schienennetz erfolgreich geplant, organisiert und begleitet werden können.
Dazu sagte Dr. Anjes Tjarks, Senator der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg in seiner Keynote:
„Die Sanierung und Modernisierung unseres Schienennetzes ist unverzichtbar für eine leistungsfähige und nachhaltige Mobilität in der Metropolregion Hamburg, in Deutschland und in Europa. Die Einschränkungen während der Bauarbeiten sind für Fahrgäste, Kommunen und Unternehmen eine Belastung – aber sie sind notwendig, um jahrzehntelange Versäumnisse aufzuholen und den Sanierungsstau endlich abzubauen. Entscheidend ist, dass die Deutsche Bahn die kommenden Projekte verlässlich, transparent und entschlossen umsetzt und alle Beteiligten frühzeitig informiert und einbindet. So können wir gemeinsam die Weichen für eine zukunftsfähige Infrastruktur stellen.“
Bilanz der bisherigen Maßnahmen
Die Deutsche Bahn hat die 278 Kilometer lange Strecke Hamburg-Berlin zwischen August 2025 und Juni 2026 generalsaniert. Erneuert wurden mehr als 180 Kilometer Gleise, über 200 Weichen, 270 Signale sowie die Oberleitung. 28 Bahnhöfe wurden modernisiert. Die ursprünglich für Ende April 2026 vorgesehene Fertigstellung verzögerte sich durch den langen Winter mit gefrorenen Böden um sechs Wochen. Kommunen entlang der Strecke, wie Ludwigslust, Hagenow, Boizenburg und Wittenberge, waren während der Bauzeit vom Zugverkehr abgeschnitten. Aus den betroffenen Regionen sowie von Verkehrsverbünden gab es Kritik an der kurzfristigen Kommunikation der Verzögerung sowie an den Fahrgastinformationen im Schienenersatzverkehr.
Zwischen Mai und Juli 2026 bündelte die Deutsche Bahn auf der Strecke Hamburg-Hannover Erhaltungsarbeiten an rund 81 Kilometern Gleis, 44 Weichen und der Oberleitung als Zwischenschritt vor der für 2029 geplanten vollständigen Korridorsanierung. Die vorangegangene Verzögerung auf der Strecke Hamburg–Berlin machte eine kurzfristige Anpassung des Ersatzverkehrskonzepts in Niedersachsen erforderlich. Für die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen ist der damit verbundenen Planungsaufwand für die beteiligten Verkehrsunternehmen erheblich; sie fordert verlässlichere Bauzeitfenster für die kommenden Jahre.
Dazu sagte Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte für Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Deutsche Bahn AG
„Ein weiter so wie in der Vergangenheit, das haben wir klar erkannt, kann es nicht mehr geben. Das Konzept der Korridorsanierungen ist das Instrument, um das deutsche Schienennetz kurz- und mittelfristig zu entlasten und die Qualität im Betrieb wieder zu steigern. Dieser Kraftakt fordert uns alle. Nicht nur die DB und unsere Baufirmen, sondern ganz konkret die Regionen, in denen wir bauen. Wir sprechen hier über die vielen Pendler:innen und auch unsere Wirtschaftspartner, die ihre Waren auf der Schiene transportieren. Nur gemeinsam schaffen wir, dass das Konzept der Korridorsanierung gelingt. Die Qualitätsoffensive hat dies klar gezeigt. Alle Beteiligten tragen zum Erfolg bei und sorgen dafür, dass wir in kürzester Zeit immense Bauvolumen realisieren können wie nie zuvor.“
Auswirkungen auf Kreise, Kommunen, Fahrgäste und Unternehmen
Für Pendler bedeuteten beide Baumaßnahmen längere Reisezeiten und den Umstieg auf Ersatzverkehr mit Bussen. Kommunen entlang der Strecken mussten Einschränkungen bei der Erreichbarkeit für Bewohner sowie für den Tourismus verkraften. Für die Wirtschaft in der Metropolregion Hamburg ist eine verlässliche Schienenanbindung von Bedeutung: Über die Strecke Hamburg–Hannover wird jeder vierte Güterwagen in Deutschland abgefertigt, der Korridor verbindet den Hamburger Hafen mit Süddeutschland und Südeuropa. Verzögerungen und Kapazitätseinschränkungen wirken sich damit unmittelbar auf Logistik- und Industrieunternehmen in der Region aus.
Anforderungen an kommende Sanierungen
Die nächste Generalsanierung im Norden betrifft die Strecke Lübeck–Hamburg und ist für das Jahr 2028 vorgesehen, gefolgt von der vollständigen Korridorsanierung Hamburg–Hannover im Jahr 2029. Aus den Erfahrungen der zurückliegenden Baumaßnahmen leiten die Teilnehmenden der Konferenz mehrere Anforderungen an die künftige Planung ab: verlässliche und ausreichend gepufferte Bauzeitfenster, eine frühzeitige und kontinuierliche Kommunikation mit den betroffenen Kommunen auch bei absehbaren Verzögerungen, eine verlässliche Fahrgastinformation im Ersatzverkehr sowie eine enge Abstimmung zwischen der Deutschen Bahn, den Ländern, den Aufgabenträgern des Nahverkehrs und den Kommunen entlang der Strecken.









