Vianova Technologies befindet sich gleich in mehrfacher Hinsicht im Wandel: Mit Dr. Sabine Kreidl übernimmt die nächste Generation zunehmend Verantwortung im Familienunternehmen. Gleichzeitig entwickelt sich das Unternehmen vom Anbieter einzelner Komponenten zum integrierten Technologiepartner für Verkehrsunternehmen. Zur InnoTrans stellt das Unternehmen mit dem Vianova Platform Hub eine Plattform vor, die Fahrgast-, Fahrzeug- und Betriebsdaten zusammenführt. Im Gespräch mit der NahverkehrsPraxis spricht Geschäftsführerin Dr. Sabine Kreidl über den Generationenwechsel, die Bedeutung der automatischen Fahrgastzählung, Datenhoheit und darüber, warum Künstliche Intelligenz nicht für jede Aufgabe die beste Lösung ist.
NahverkehrsPraxis: Frau Dr. Kreidl, Sie führen Vianova aktuell gemeinsam mit Ihrem Vater. War für Sie schon früh klar, dass Sie einmal in das Familienunternehmen einsteigen würden?
Sabine Kreidl: Nein, das war tatsächlich kein festgelegter Lebensplan. Ich bin zwar in einem Familienunternehmen aufgewachsen und habe früh mitbekommen, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen und Verantwortung zu tragen. Mir war es aber wichtig, zunächst meinen eigenen beruflichen Weg einzuschlagen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dass ich heute gemeinsam mit meinem Vater Verantwortung trage, war deshalb eine sehr bewusste Entscheidung. Ich bringe meine eigenen Erfahrungen und Perspektiven ein und profitiere gleichzeitig stark von dem Wissen, das mein Vater über viele Jahre aufgebaut hat. Genau diese Kombination ist für mich das Spannende.
NahverkehrsPraxis: Wie gelingt es, Be währtes zu erhalten und gleichzeitig eigene Vorstellungen durchzusetzen? Kreidl: Ein Generationenwechsel ist vermutlich nie ganz konfliktfrei. Auch bei uns treffen zwei starke Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Vorstellungen und Herangehensweisen aufeinander. Es gibt Situationen, in denen wir sehr unterschiedliche Meinungen haben und um den richtigen Weg ringen. Aber genau diese Reibung kann etwas Positives hervorbringen. Mein Vater bringt seine jahrzehntelange Erfahrung mit dem Unternehmen, den Kunden und der Branche ein. Ich komme mit einem anderen Blick auf die Organisation, die Digitalisierung und zukünftige Geschäftsmodelle. Interessant wird es dort, wo aus diesem Widerspruch Lösungen entstehen, die keiner von uns allein entwickelt hätte. Deshalb bedeutet Generationenwechsel für mich nicht einfach, dass eine Generation die andere ablöst. Es ist vielmehr ein Prozess, in dem durch unterschiedliche Perspektiven etwas Neues entstehen kann. Natürlich müssen wir beide dabei lernen, wann man nachgeben und wann man für seine Ideen einstehen sollte. Das ist wahrscheinlich die schwierigste, aber auch eine der wertvollsten Seiten dieses Übergangs.
Den gesamten Beitrag finden Sie in der neuen Ausgabe der NahverkehrsPraxis: 09-10/2026.









