RVK gründet neuen Mobilitätshub in der Region

Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) geht den nächsten großen Schritt in ihrer Entwicklung und hat am 1. April 2026 ihren neuen Standort in Hürth bezogen. Damit vergrößert sich das Verkehrsunternehmen im Vergleich zum bisherigen Objekt in Hürth um ein Vielfaches. Das neue Gelände bringt den öffentlichen Nahverkehr und die Leistungen der RVK auf eine völlig neue Stufe.

Viel Platz und neue Möglichkeiten

Das gesamte Areal erstreckt sich über 29.000 Quadratmeter und bietet damit nicht nur genügend Büroräumlichkeiten zur Koordination des Betriebs. Die Parkfläche auf dem Gelände bietet Platz für bis zu 120 Busse. Der neue Standort bietet aber nicht nur ausreichend Platz, sondern erweitert das Handlungsfeld der RVK auf vielen Ebenen, hin zu einem Mobilitätshub in der Region, um den Anforderungen an einen zukunftsweisenden und modernen ÖPNV gerecht zu werden.

In der aktuellen Umbauphase werden Werkstattplätze errichtet, um Busse bereits vor Ort warten und Reparaturarbeiten zu übernehmen. Die Werkstatt wird eine geplante Fläche von 1.000 Quadratmetern haben und auf die Betreuung aller Antriebsformen ausgerichtet sein, die bei der RVK genutzt werden. Dazu gehören Wasserstoff und batterieelektrische Busse. Eine Waschstraße, die obligatorisch Teil einer jeden RVK-Niederlassung ist, wird ebenfalls integriert. Um die klimaneutrale Strategie der RVK mit dem Ziel Null Emission auch in Hürth zu verfolgen, wird nach und nach die Ladeinfrastruktur zur elektrischen Versorgung von Bussen errichtet.

Darüber hinaus wird auch die personenbesetzte Leitstelle und die Betriebsplanung der RVK nach Hürth umsiedeln, um von dort den Betrieb aller ca. 650 Busse, die täglich für die RVK und ihre Fahrgäste auf der Straße unterwegs sind, zu koordinieren. Bis der Standort in Hürth vollumfänglich diese Vorzüge bietet, wird allerdings noch etwas Zeit verstreichen. Am 1. April zieht zunächst das Personal der Niederlassung in provisorische Büros ein. Die Fertigstellung der neuen Büros ist für Herbst 2026 eingeplant. Im kommenden Jahr starten dann die Hallenarbeiten.

Große Entwicklung – nicht nur für Hürth

Dr. Marcel Frank, Geschäftsführer der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK):

„Wir freuen uns riesig, dass wir mit dem neuen Standort in Hürth einen so großen Schritt für die Mobilität machen. Kapazität, Infrastruktur, moderne Büros, eine ganzheitliche Werkstatt, die Leitstelle und das alles an einem Ort – das stärkt den ÖPNV auf ganz hohem Niveau. In dem Zuge bedanken wir uns sehr bei der Stadt Hürth, die uns bei der Suche nach diesem neuen Standort unterstützt hat. Dieses Ergebnis ist für alle ein Gewinn“.

Kreisdirektorin Svenja Udelhoven, Aufsichtsratsvorsitzende der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK):

„Der neue Standort in Hürth ist ein großer Gewinn für die Mobilität in der Region. Besonders die Förderung und Unterstützung von alternativen Antrieben an diesem Standort ist ein weiteres klares Zeichen dafür, dass die RVK ihre Infrastruktur weiter zum Ziel Null Emission optimiert. Von diesen Maßnahmen profitieren alle, aber vor allem die Fahrgäste, die einen guten ÖPNV mit entsprechender Infrastruktur brauchen“.

Mit dem Umzug an den neuen Standort lässt die RVK die Zeit im Objekt in der Bonnstraße zurück. Insgesamt sind in Hürth mehr als 130 Mitarbeitende der RVK im Einsatz.

BUND fordert Mobilitätsgeld und dauerhaft günstiges Deutschlandticket

Angesichts der hohen Kraftstoffpreise erneuert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Forderung nach einem Mobilitätsgeld, das die bestehende Regelung zur Entfernungspauschale ablöst. Wiederholte Forderungen, die sogenannte Pendlerpauschale ein weiteres Mal zu erhöhen, lehnt der BUND ab, weil dies sozial ungerecht und klimapolitisch kontraproduktiv wäre.

“Angesichts hoher Kraftstoffpreise ist die Bundesregierung gefordert, langfristig tragbare Lösungen zu erarbeiten. Denn auch, wenn die Kosten für Diesel und Benzin in nächster Zeit wieder sinken sollten, werden sie doch perspektivisch grundsätzlich eher steigen. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Impulse für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität zu setzen. Die Umwandlung der aktuellen Regelung der Entfernungspauschale in ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld wäre ein guter Schritt.”

Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND

Von der Entfernungspauschale in ihrer jetzigen Form profitieren in erster Linie Personen mit hohem Einkommen und weiten Pendelwegen, die sie mit dem Auto zurücklegen. Menschen mit niedrigem Einkommen, die den Eingangssteuersatz zahlen, werden durch diese Regelung meist überhaupt nicht entlastet; sie profitieren demnach auch nicht von einer Erhöhung. Mit der Einführung eines Mobilitätsgeldes würde diese Ungerechtigkeit behoben. Es könnte ein fester Betrag pro Pendel-Kilometer mit der Steuer verrechnet oder direkt ausgezahlt werden, unabhängig sowohl vom Einkommen als auch von den benutzten Verkehrsmitteln.

Öffentlichen Verkehr ausbauen – insbesondere auf dem Land

“Das Mobilitätsgeld ist sozial gerechter als die Entfernungspauschale und würde durch ihre Pauschalität die Nutzung von Alternativen zum Auto attraktiver machen. Wer bspw. Fahrrad, E-Bike oder öffentliche Verkehre nutzt, kann bares Geld sparen. Hierzu bedarf es einer veränderten Mobilitätspolitik mit Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere in den ländlichen Räumen. Nur so kann es den Menschen ermöglicht werden, zukünftig öfter auf das Auto verzichten zu können.“

Jens Hilgenberg

Das Deutschlandticket ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument, das aus Sicht des BUND langfristig abgesichert werden sollte. Neben der Preisstabilität auf dem aktuellen Niveau braucht es ein ergänzendes, bundesweites Sozialticket, um sich verstärkende Mobilitätsarmut zu vermeiden und allen Menschen die Möglichkeit zu geben, klimafreundlich, bezahlbar und nachhaltig mobil sein zu können.

Hintergrund zur Entfernungspauschale

Mit der deutlichen Erhöhung der Entfernungspauschale auf 38 Cent/km ab dem ersten Kilometer hat die Bundesregierung im Dezember 2025 eines ihrer vereinbarten Projekte umgesetzt. Bis 2030 fehlen dem Bund Einnahmen von knapp vier Milliarden Euro. Da die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommensteuer auf Bund, Länder und Kommunen aufgeteilt werden, diese in Folge der höheren Abschreibungen sinken, fehlen den Bundesländern 3,7 Milliarden Euro und den ohnehin schon klammen Kommunen weitere 1,3 Milliarden Euro. Die Entfernungspauschale reduziert das zu versteuernde Einkommen, unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel. Somit werden Menschen mit hohen Einkommen und weiten Wegen sehr viel stärker entlastet als Menschen mit niedrigen Einkommen aber ebenso weiten Wegen. Einen Anreiz den öffentlichen Verkehr zu nutzen, sieht die aktuelle Regelung nicht vor.

Deutsche Umwelthilfe fordert vollständige Bahn-Elektrifizierung bis 2035

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die vollständige Elektrifizierung des deutschen Bahnverkehrs und einen weitgehenden Oberleitungsausbau bis 2035. Der Ausbau von Oberleitungen sorgt für mehr Kapazität im Schienenpersonennahverkehr und im Güterverkehr, mehr Pünktlichkeit und Resilienz durch Ausweichstrecken und geringere Kosten im Betrieb. Derzeit sind nur 62,5 Prozent der Bundesschienenwege elektrifiziert. 2024 wurden laut Umweltbundesamt deshalb über 340.000 Tonnen Dieselkraftstoff auf der Schiene verbraucht – genug, um acht Millionen Diesel-Autos vollzutanken.

„Die Dieselmotoren von Zügen verschmutzen die Luft mit Feinstaub und Stickoxiden, insbesondere in Bahnhöfen, und schaden dem Klima. Die Umstellung auf HVO 100 wird daran nichts ändern, sondern verstetigt bloß die Verbrenner-Abhängigkeit der Bahn. Auch unausgereifte und teure Wasserstoff-Antriebe sind keine Lösung. Statt solcher Irrlichter braucht es den Oberleitungsausbau, vor allem in der Fläche. Nur eine zu 100 Prozent elektrische Bahn ist klimafreundlich, leistungsfähig und resilient. Wir fordern Verkehrsminister Schnieder auf, einen Fahrplan mit Ziel 100 Prozent Elektromobilität 2035 vorzulegen und finanziell abzusichern. Das muss in der Haushaltsaufstellung für die kommenden Jahre berücksichtigt werden. Wir brauchen mehr Oberleitungen statt Ausreden – nur so wird die Bahn zum Rückgrat der Mobilitätswende.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH

Der Schienenumbau hat überregionale Bedeutung und darf nicht auf knappe kommunale Kassen abgewälzt werden. Doch im Klimaschutzprogramm zeigt sich die Bundesregierung hinsichtlich der Elektrifizierung der Schiene nun vollends ambitionslos – der Oberleitungsausbau fehlt darin komplett. Die DUH fordert deshalb die Bundesregierung auf, den vollständigen Lückenschluss bis 2035 von der Planung bis zur Umsetzung mit jährlichen Zwischenzielen finanziell abzusichern und zusätzlich Fördermaßnahmen für die schnelle Elektrifizierung auch nichtbundeseigener Schienenwege zu ergreifen, von denen 2020 gerade mal 11,5 Prozent elektrifiziert waren. Priorität sollte grenzüberschreitenden Verbindungen eingeräumt werden, wie etwa der Strecke Dresden–Görlitz–Horka, wo auf polnischer Seite seit Jahren die Oberleitungen ausgebaut sind, auf deutscher Seite aber immer noch fast 100 Kilometer fehlen.

Besonders relevante Lückenschlüsse

Die DUH stellt in ihrem aktuellen Lückenschluss-Projekt zehn Strecken in den Vordergrund, die beispielhaft für die notwendige Elektrifizierung von Lücken im Oberleitungs-Netz sind. Die Lückenschluss-Strecken sind besonders relevante Grenzübergänge, vielbefahrene Pendlerstrecken oder schließen ganze Regionen an das Schienennetz an. Hier die zehn besonders wichtigen Lückenschluss-Projekte im Überblick:

  • Bodenseegürtelbahn: Radolfzell–Friedrichshafen
  • Ostbahn: Berlin–Küstrin (Grenze Deutschland/Polen)
  • Münster–Gronau (Grenze Deutschland/Niederlande)
  • Dieselnetz Nürnberg
  • Schönebeck-Bad Salzelmen–Blankenheim
  • Oldenburg–Osnabrück
  • Nahetalbahn: Gau-Algesheim–Neubrücke
  • Dresden–Görlitz (Grenze Deutschland/Polen)–Horka
  • Cottbus–Forst (Lausitz) (Grenze Deutschland/Polen)
  • Zollernalbbahn: Tübingen–Sigmaringen

Link zum Hintergrundpapier

go.Rheinland: Vandalismus und Graffiti verschlechtern Qualität der Bahnhöfe

Zum inzwischen 13. Mal veröffentlicht go.Rheinland, der Aufgabenträger für den Regional- und S-Bahn-Verkehr zwischen Aachen und Gummersbach, seinen Stationsbericht. Auch im Jahr 2025 wurden die Bahnhöfe und Haltepunkte im Verbandsgebiet genau unter die Lupe genommen. Untersucht wurden dabei unter anderem Merkmale wie Sauberkeit, der Zustand von Sitzgelegenheiten, Abfallbehälter und Vitrinen, sowie die Funktionalität des Wetterschutzes.

Von den 201 Stationen im go.Rheinland-Gebiet wurden im vergangenen Jahr insgesamt 195 von den go.Rheinland-Profitestern in Augenschein genommen und bewertet. Aufgrund der Flutauswirkungen konnten sechs Stationen nicht erfasst werden. Bei der Untersuchung werden die Stationen in vier Kategorien unterteilt: sehr gut/ausgezeichnet (hellgrün), ordentlich/akzeptabel (grün), entwicklungsbedürftig/noch akzeptabel (gelb) und inakzeptabel (pink).

Das Gesamtergebnis des Jahres 2025 liegt deutlich unter dem Niveau des Vorjahres: In der besten Kategorie (sehr gut/ausgezeichnet) landeten 2025 zehn Bahnhöfe und Haltepunkte (Vorjahr: 22). Der Kategorie ordentlich/akzeptabel konnten dieses Jahr 98 Stationen zugeordnet werden, 2024 waren es noch 126. Auf dem Gebiet von go.Rheinland sind neben der DB InfraGO AG noch die EVS Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) und die Rurtalbahn GmbH (RTB) für den Betrieb der Stationen verantwortlich.

Nicht akzeptable Mängel an inzwischen 16 Stationen

Die Anzahl der Bahnhöfe und Haltepunkte mit inakzeptablen Mängeln ist im Vergleich zu 2024 von vier Prozent auf acht Prozent gestiegen (2025: 16, 2024: 9), im Jahr 2023 lag sie bei sechs Prozent. Die Anzahl der entwicklungsbedürftigen/noch akzeptablen Stationen ist von 41 auf 71 gestiegen, und beträgt damit inzwischen 37 Prozent der untersuchten Bahnhöfe und Haltepunkte. Die deutliche Mehrheit der Bahnhöfe und Haltepunkte (55 Prozent) befindet sich damit jedoch nach wie vor im ordentlichen (50 Prozent) bis sehr guten Zustand (5 Prozent).

Der größte Handlungsbedarf besteht an den Stationen Duckterath (73,89 Prozent, Linie S 11) und Quadrath-Ichendorf (74,39 Prozent, Linie RB 38). Den dritt- und viertletzten Platz belegen Hückelhoven-Baal (74,57 Prozent; Linien RE 4, RB 33) und Köln-Ehrenfeld (75,91 Prozent, Linien RE 1, RE 8, RE 9, RB 27, RB 38, S 12, S 19). Zu den Verschlechterungen bei der Bewertung haben vor allem die vielfach auftretenden Graffiti und zahlreiche Vandalismusvorfälle geführt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, läuft bereits seit 2022 eine Kooperationsvereinbarung zwischen go.Rheinland und der DB InfraGO AG. Neben der Graffitibeseitigung beinhaltet diese Vereinbarung zudem die Umsetzung von Kunst-Graffiti an gemeinsam ausgewählten Stationen.

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich, dass es die größte Verschlechterung beim Kriterium „Sauberkeit der Aufzüge“ gegeben hat (-14,5 Prozentpunkte, 72,7 Prozent Durschnitt). Ebenfalls gesunken sind die Ergebnisse beim „Bauzustand des Zugangsbereichs“ (-12,9 Prozentpunkte, 84 Prozent Durchschnitt). Seit dem vergangenen Jahr hat go.Rheinland im eigenen Gebiet nach und nach 330 hochmoderne Ticketautomaten aufstellen lassen, die sich durch eine hohe Bedienerfreundlichkeit auszeichnen. Das macht sich auch bei den jetzigen Ergebnissen bemerkbar. Die größte Verbesserung gab es beim „Erscheinungsbild der Fahrausweisautomaten“, das sich um 15,9 Prozentpunkte verbessert hat (89,7 Prozent Durchschnitt). Die Funktionalität der Entwerter stieg um 10,6 Prozentpunkte auf einen Topwert von nun 99,8 Prozent im Durchschnitt.

„Nachdem die Qualitätsprüfungen im Jahr zuvor endlich einmal wieder Verbesserungen zeigen konnten, ist die Qualität im Jahr 2025 leider deutlich gesunken. Wir fordern die Stationsbetreiber, Städte und Gemeinden dazu auf, aktiv gegenzusteuern. Auch wenn uns bewusst ist, dass Ausstattungselemente nach einer Instandsetzung leider oft sofort wieder erneut mutwillig zerstört oder mit Graffiti verschmutzt werden, schauen wir nicht weg. Gerade an den Stationen im nicht mehr akzeptablen Zustand werden wir gemeinsam mit den Infrastruktureigentümern die Probleme angehen und entsprechende Maßnahmen entwickeln.“

go.Rheinland-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober

Sofortige Beseitigung sicherheitsgefährdender Mängel

Für die Bewertung des Erscheinungsbilds wurden sowohl die Zugangsbereiche als auch die Bahnsteige nach einheitlicher Methodik bewertet. Dabei wird nicht nach Verantwortungsbereichen unterschieden: Für die Beseitigung von Mängeln können die oben genannten Stationsbetreiber, aber auch die Vertriebsdienstleister, die Kommunen oder auch Private zuständig sein. Für eine Erhöhung der Stationsqualität müssen somit alle beteiligten Akteure zusammenarbeiten. Im Dialog mit den Stationsbetreibern konnte im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität umgesetzt werden. Sicherheitsgefährdende Mängel wurden sofort gemeldet und unmittelbar beseitigt.

Sehr zufrieden waren die Tester bei den erfassten Bahnhöfen mit Siegburg/Bonn (98,86 Prozent/Linien RE 9, S 12, S 19) sowie der Station Heinsberg-Porselen (98,79 Prozent/Linie RB 33). An mehreren Stationen sind größere Umbaumaßnahmen geplant, sodass hier von einer deutlichen Verbesserung des Gesamterscheinungsbildes ausgegangen werden kann.

Anja Höhn wird neue Geschäftsführerin des AVV

Der Aufsichtsrat des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) hat in seiner Sitzung am 27. März 2026 Anja Höhn (48) für die nächsten fünf Jahre zur Geschäftsführerin mit dem Schwerpunkt Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bestellt. Die Entscheidung des Aufsichtsrats fiel einstimmig. Durch die Wahl zur AVV-Geschäftsführerin soll Anja Höhn gleichzeitig Geschäftsführerin des SPNV-Aufgabenträgers go.Rheinland mit Sitz in Köln werden. Die Wahl findet in der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats von go.Rheinland statt.

Anja Höhn wird ihr Amt im Laufe des Jahres antreten und gemeinsam mit Hans-Peter Geulen Geschäftsführerin der Verbundgesellschaft in Aachen. Die studierte Diplom-Kauffrau ist derzeit Bereichsleiterin Absatz und Prokuristin der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und war zuvor in verschiedenen Positionen beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) in Köln tätig.

bdo fordert weitere Entlastungen und wirksamere Marktaufsicht 

Die anhaltend hohen Kraftstoffpreise setzen die deutsche Busbranche weiterhin erheblich unter Druck. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) begrüßt zwar die jüngst von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen als erste wichtige Schritte, sieht jedoch weiterhin dringenden politischen Handlungsbedarf.

„Die bisherigen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, reichen aber bei Weitem nicht aus. Die stark gestiegenen Dieselpreise treffen die Busunternehmen unmittelbar und mit voller Wucht. Kraftstoffe machen rund 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Deshalb braucht es jetzt zusätzliche, spürbare Entlastungen sowie eine wirksamere Kontrolle der Preisentwicklung.“

Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des bdo

Besonders kritisch bewertet der bdo die bislang unzureichende Wirkung der Marktaufsicht. Aus Sicht des Verbandes gelingt es dem Bundeskartellamt bislang nicht, überhöhte Preisentwicklungen wirksam einzudämmen. Insbesondere im Großhandel bestehen weiterhin Defizite bei Transparenz und Kontrolle. Gleichzeitig zeigen Beispiele aus anderen europäischen Ländern, dass weitergehende Maßnahmen möglich sind. So hat Österreich kürzlich eine Spritpreisbremse eingeführt, die steuerliche Entlastungen mit Eingriffen in die Preisbildung kombiniert.

Vor diesem Hintergrund fordert der bdo zusätzliche Maßnahmen zur Entlastung der Busunternehmen und zur Stabilisierung der Märkte:

  • Reduzierung der Mehrwertsteuer im Reisebusverkehr, um klimafreundliche Mobilität gezielt zu stärken und Unternehmen kurzfristig zu entlasten. Reise- und Fernbusse werden weiterhin voll besteuert, während andere Verkehrsträger steuerlich begünstigt sind. 
  • Temporäre Absenkung der Energiesteuer auf Diesel, um zusätzliche nationale Belastungen – insbesondere durch den CO2-Preis – abzufedern. Eine gezielte Einführung eines Gewerbediesels würde zudem den Umweltverbund gegenüber dem Individualverkehr stärken.  
  • Konsequenteres Eingreifen des Bundeskartellamtes, insbesondere bei auffälligen Preisentwicklungen im Großhandel und bei alternativen Kraftstoffen.
  • Entwicklung eines Notfallplans für den Verkehrssektor, um im Krisenfall die Versorgungssicherheit, die Funktionsfähigkeit zentraler Verkehrsachsen und die Mobilität der Bevölkerung dauerhaft zu gewährleisten. 

„Die Situation bleibt für die Busunternehmen äußerst angespannt“, so Leonard. „Steigende Kraftstoffpreise wirken sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Lage der Branche aus. Die Politik ist nun gefordert, schnell zu handeln. Ohne gezielte Maßnahmen drohen Einschränkungen im Verkehrsangebot – mit direkten Auswirkungen auf Fahrgäste, Pendler und den Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Mansoori: Zugang zu Bahngleisen nur noch mit gültigem Fahrschein

Der Hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori hat eine Debatte über bessere Zugangskontrollen zu den Bahnsteigen in großen Bahnhöfen angestoßen. Hintergrund sind die aktuellen Diskussionen über mehr Sicherheit im Bahnverkehr und steigende Anforderungen an den Schutz von Fahrgästen und Beschäftigten.

Mansoori sagte bei der Verkehrsministerkonferenz in Lindau:

„Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber alles, was hilft, muss auf den Tisch. Wenn wir Sicherheit im Bahnverkehr stärken wollen, dürfen wir uns nicht nur auf technische Detailfragen konzentrieren, sondern müssen auch über die Zugangssituation an den Bahnhöfen sprechen. In vielen Ländern ist es längst Standard, dass nur Menschen mit gültigem Fahrschein auf den Bahnsteig kommen. Gerade am Knotenpunkt Frankfurt am Main ist offensichtlich, dass solche Lösungen die tatsächliche Sicherheit und das Sicherheitsgefühl in Regionalbahnen, S‑Bahnen und U‑Bahnen deutlich verbessern könnten.“

Hessen hatte in der VMK vorgeschlagen, dass Bund und Länder gemeinsam prüfen, ob an Bahnhöfen bauliche Zugangsbarrieren eingeführt werden können. Der Vorschlag wurde kontrovers diskutiert. Eine Einigung kam in der Frage bei der VMK nicht zustande.

Der Minister betonte, dass es dabei um Ursache statt nur um Symptome gehe: „Wir sollten nicht nur technische Maßnahmen in Erwägung ziehen. Heute ist es oft sehr leicht, ohne Fahrschein einen Zug zu betreten. Und genau da müssen wir ansetzen. Wenn der Zugang zu den Gleisen besser geschützt ist, stärken wir zugleich Sicherheit und Fairness im System.“

Mansoori machte deutlich, dass die Prüfung baulicher Maßnahmen in ein umfassendes Sicherheitskonzept eingebettet sein müsse. „Mehr Präsenz von Sicherheitspersonal, kluge Videoüberwachung und gute Schulungen bleiben wichtig“, sagte er. „Aber wir sollten den Mut haben, auch strukturelle Antworten zu diskutieren. Wer Bahnhöfe und Züge als sichere Orte erhalten will, darf sich schwierigen Fragen nicht verschließen.“

Deutsche Bahn trennt sich von Finanzvorständin Karin Dohm

Die Deutsche Bahn AG und Frau Karin Dohm haben sich in gemeinsamen Gesprächen einvernehmlich auf eine Beendigung der Zusammenarbeit verständigt. Diese Entscheidung erfolge ausdrücklich nicht aufgrund der in der Öffentlichkeit diskutierten Vorwürfe oder Mutmaßungen, mit denen der Aufsichtsrat sich eingehend befasst hat. Vor dem Hintergrund dieser Befassung bestehe kein Anlass für einen Vertrauensentzug, so die DB.

Zweifel an der fachlichen Qualifikation, Integrität oder ordnungsgemäßen Amtsführung von Frau Dohm bestünden nicht. Die ersten Monate der Zusammenarbeit waren von einer Phase vertiefter Abstimmungen über die Ausgestaltung von Entscheidungsprozessen, Zuständigkeiten und Steuerungsmechanismen geprägt. Dabei habe sich gezeigt, dass unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausgestaltung der Funktion sowie zentrale Fragen der Unternehmensentwicklung bestehen.

Karin Dohm wechselte erst zum 1. Dezember 2025 an die Spitze des Finanzressorts der Deutschen Bahn (wir berichteten).

DB-Bilanz 2025: operativ positiv, aber minus 2,3 Milliarden Jahresergebnis

Die Deutsche Bahn (DB) hat im Geschäftsjahr 2025 operativ wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der Konzernumsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf rund 27 Milliarden Euro gestiegen. Das operative Konzernergebnis (EBIT bereinigt) hat sich um 630 Millionen Euro auf plus 297 Millionen Euro verbessert. Unter dem Strich bleibt das Jahresergebnis nach Steuern mit minus 2,3 Milliarden Euro aber deutlich negativ. Unter Berücksichtigung der Effekte aus dem Schenker-Verkauf erzielte der DB-Konzern einen Jahresüberschuss von 5,3 Milliarden Euro.

„Zufriedenheit wäre fehl am Platz: Erst wenn wir wieder nachhaltig Jahresüberschüsse erwirtschaften und Investitionen aus eigener Kraft stemmen können, sind wir am Ziel.“

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB

Alle Geschäftsfelder mit Ausnahme von DB Cargo haben 2025 jedoch bereits ein positives operatives Ergebnis erreicht. Die Netto-Finanzschulden sind per 31. Dezember 2025 um 11,9 Milliarden Euro auf rund 20,7 Milliarden Euro gesunken. Der Grund: Die Erlöse aus dem Verkauf von DB Schenker wurden wie geplant vorrangig für den Schuldenabbau eingesetzt. „Bei Umsatz und operativem Ergebnis hat die DB 2025 einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Eine Trendwende zeichnet sich ab. Besser ist aber noch nicht gut genug“, sagte Palla.

Vor allem zwei Sondereffekte haben 2025 das DB-Ergebnis beeinflusst: der vollzogene Verkauf von DB Schenker und eine Wertminderung bei DB Fernverkehr. Letztere hat zu einer hohen Abschreibung geführt. Die vom DB-Konzern fortgeführten Geschäftsbereiche verzeichneten einen Jahresfehlbetrag von 2,3 Milliarden Euro. Eine Abschreibung in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro bei DB Fernverkehr belastete das Jahresergebnis stark. Grund für die Wertminderung sind zukünftig geringere Umsatzerwartungen von DB Fernverkehr. Auch aufgrund der Streckung der Generalsanierungen bis 2036 erholen sich der Zustand der Infrastruktur und die Pünktlichkeit langsamer. Dies wirkt sich unmittelbar negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung von DB Fernverkehr aus.

Die Brutto-Investitionen sind 2025 erheblich auf einen neuen Rekord von rund 22 Milliarden Euro gestiegen. Allein rund 19 Milliarden Euro flossen davon in die Infrastruktur. Die eigenfinanzierten Netto-Investitionen des DB-Konzerns lagen mit rund 5,9 Milliarden Euro auf dem hohen Niveau des Vorjahres. In diesem Jahr investieren Bund und Bahn über 23 Milliarden Euro in die Infrastruktur.

Evelyn Palla: „Unsere Rekordinvestitionen in die Infrastruktur sind ein großer Schritt hin zur leistungsstarken Bahn von morgen. Wenn wir dieses Investitionsniveau halten, haben wir die Chance, den Abwärtstrend bei der Pünktlichkeit zu stoppen. Nichts wird schnell gehen, aber wir bauen konsequent an einem zuverlässigen Schienennetz für die gesamte Branche: 2026 wird ein Superbaujahr.“

2026 sei „das Jahr des Umbaus und des Aufbruchs“, so die DB-Chefin weiter: „Der Konzernumbau ist kein Selbstzweck. Wir bauen die DB um, um schneller und kundenorientierter zu handeln. Wir reduzieren intern konsequent unsere Bürokratie. Weniger Bürokratie ist ein Beitrag zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Entscheidungen fallen künftig dort, wo Eisenbahn gefahren wird. Wo Kolleginnen und Kollegen für jeden pünktlichen Zug kämpfen. Nicht übermorgen, sondern bereits heute haben wir an jedem neuen Tag die Chance, besser zu werden.“

Die Transportbereiche der DB haben 2025 wirtschaftlich schon etwas besser abgeschnitten als in den Vorjahren: DB Regio hat sein positives operatives Ergebnis auf insgesamt 191 Millionen Euro gesteigert. Auch DB Regio Straße mit seinen Busgesellschaften hat seit acht Jahren zum ersten Mal wieder einen operativen Gewinn eingefahren.

DB Fernverkehr hat 2025 den Einstieg in die Sanierung geschafft. Der Fernverkehr ist beim bereinigten operativen Ergebnis mit 45 Millionen Euro (Vorjahr: minus 96 Millionen Euro) zurück in den schwarzen Zahlen. Umsatz und Verkehrsleistung sind auf ein neues Rekordniveau gestiegen, bleiben jedoch aufgrund der infrastrukturellen Rahmenbedingungen hinter den Erwartungen zurück.

Die Zahl der Reisenden im Schienenpersonenverkehr des DB-Konzerns ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent auf 1,93 Milliarden gewachsen. Die Verkehrsleistung hat um 2,7 Prozent auf rund 87 Milliarden Personenkilometer zugelegt.

DB Cargo verbuchte 2025 teils deutliche Leistungs- und Umsatzrückgänge. Das operative Ergebnis verbesserte sich auch durch Sanierungsmaßnahmen um 350 Millionen Euro. Es blieb aber noch leicht negativ. DB Cargo muss 2026 einen Sanierungsplan mit sehr harten Einschnitten konsequent umsetzen.

Die gemeinwohlorientierte Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO verzeichnete mit 10 Millionen Euro ein leicht positives operatives Ergebnis (Vorjahr: 267 Millionen Euro). Unter anderem führten höhere Personalaufwendungen und investitionsbedingt gestiegene Abschreibungen zu zusätzlichen Belastungen. Die Betriebsleistung auf dem stark befahrenen Schienennetz blieb 2025 mit 1,1 Milliarden Trassenkilometer auf Vorjahresniveau.

Die hohe Zahl der Baustellen unter anderem infolge der Rekordinvestitionen in die Schieneninfrastruktur haben 2025 die Pünktlichkeit ausgebremst. 60,1 Prozent der DB-Fernverkehrszüge erreichten 2025 pünktlich das Ziel (Vorjahr: 62,5 Prozent). Auch im Super-Baujahr 2026 wird die Pünktlichkeit unter Druck bleiben. Das Schienennetz wieder in Ordnung zu bringen, wird voraussichtlich noch zehn Jahre dauern. Damit Reisende schnell Verbesserungen spüren, hat die DB 2026 drei Sofortprogramme im Umfang von zusätzlich 140 Millionen Euro gestartet: für mehr Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen, mehr Komfort im Fernverkehr und bessere Kundeninformation.
Die DB erwartet für das Gesamtjahr 2026 schrittweise weitere Verbesserungen. Der Konzernumsatz soll auf ungefähr 28 Milliarden Euro steigen, das operative Konzernergebnis auf etwa 600 Millionen Euro.

Leipziger Verkehrsbetriebe treiben Entwicklungen für autonomen ÖPNV voran

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH setzen gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die Entwicklung autonomer Mobilitätssysteme für den öffentlichen Personennahverkehr konsequent fort. Mit der „Sächsischen Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV – SIAS-ÖV“ startet nun ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das den Weg für fahrerlose Shuttlebusse industrieller Hersteller im öffentlichen Verkehr ebnen soll. Die Europäische Kommission und der Freistaat Sachsen stellen Fördermittel in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro als Zuwendung im Rahmen der sächsischen EFRE-Technologieförderung 2021-2027 bereit. Am Montag, den 23. März 2026, übergab der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk Panter, die Fördermittelbescheide in Leipzig.

Das Projekt wird von den LVB als Konsortialführer koordiniert und vereint führende Akteure aus Forschung, Industrie und Verkehrswirtschaft. Übergeordnetes Ziel ist die gesamtheitliche Entwicklung eines integrierten Mobilitätssystems für hochautomatisierte Shuttlebusse der Automatisierungsstufe SAE-Level 4, die perspektivisch ohne Fahrpersonal betrieben werden können. Im Mittelpunkt des aktuellen Vorhabens steht die Integration einer perspektivisch serientauglichen Europäischen Fahrzeuglösung in das Leipziger Ökosystem „autonomer ÖPNV“. Damit wird ein bedeutsamer Schritt in Richtung skalierbares Gesamtsystem aus autonomen Fahrzeugen, digitaler Infrastruktur, Leitstellentechnik und Datenplattformen angegangen.

„In Sachsen arbeiten innovative Partner an der Mobilität der Zukunft. Mit der Entwicklung des autonomen Fahrens im ÖPNV trägt das Projekt nicht nur zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten sächsischen Unternehmen bei, sondern dient gleichzeitig der Anpassung der Gesellschaft an demografische Herausforderungen“, stellte Wirtschaftsminister Dirk Panter zur Bescheidübergabe in Leipzig fest. „Darüber hinaus ist das wirtschaftliche Potenzial bei der Verwertung der Projektergebnisse sehr hoch. Wir tragen gemeinsam mit den Projektpartnern das Projektrisiko, erwarten aber gleichzeitig, dass bei erfolgreicher Durchführung des Vorhabens in den geförderten Unternehmen perspektivisch auch zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen oder gesichert werden können“, betont der Minister.

Mobilität der Zukunft für Stadt und Land

Automatisierte Shuttle gelten als eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. Sie können maßgeblich dazu beitragen, zentrale Herausforderungen der Branche, wie etwa den zunehmenden Fahrermangel, steigende Betriebskosten sowie veränderte Mobilitätsbedürfnisse, zu lösen. Integriert als Ergänzung bestehender ÖPNV-Systeme sind sie in der Lage, die Teilhabe der Bürger an öffentlicher Mobilität im Sinne der Daseinsvorsorge erheblich zu verbessern. Im Portfolio der Leipziger Verkehrsbetriebe sollen die Fahrzeuge künftig flexibel eingesetzt werden, beispielsweise für On-Demand-Angebote als Zubringer zu Straßenbahn- und Buslinien. Gerade in suburbanen und ländlichen Regionen können autonome Shuttle dazu beitragen, neue Mobilitätsangebote zu schaffen und die Erreichbarkeit deutlich zu verbessern.

„Die Gesamtzielsetzung des Vorhabens SIAS-ÖV reiht sich nahtlos in die Mobilitätsstrategie der Stadt Leipzig ein, mit der wir die nachhaltige Mobilität weiter ausbauen und stärken. Die Erschließung und Integration industrieller Fahrzeuglösungen ist essentielle Voraussetzung für die Zulassung und den Betrieb von echten fahrerlosen Mobilitätssystemen und wird somit einen wesentlichen Beitrag zur Automatisierung der Verkehre im öffentlichen Raum leisten“, sagt Thomas Dienberg, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig.

Sachsen auf dem Weg zu einer Modellregion für automatisierten ÖPNV

Mit der Shuttle-Initiative positioniert sich der Freistaat Sachsen zugleich auch als eine der bundesweiten Modellregionen für autonomen öffentlichen Verkehr. Ziel ist es, eine technologische Grundlage zu schaffen, auf deren Basis künftig Pilotprojekte und ein späterer Transfer in den Regelbetrieb ermöglicht werden. SIAS-ÖV stellt dabei den ersten Schritt, die Entwicklung des Funktionsmusters einer automatisiert-vernetzten Mobilitätslösung, dar. Die Projektergebnisse sollen bis Mitte 2028 vorliegen und anschließend als Grundlage für weitere Pilotanwendungen und eine spätere Skalierung automatisierter Shuttleverkehre im Freistaat dienen.

„Unterstützt vom Freistaat Sachsen starten wir die nächste Entwicklungsstufe des automatisierten öffentlichen Verkehrs. Strategisch wollen wir unser beliebtes On-Demand-Angebot Flexa mit autonomen Fahrzeugen zusammenbringen. Ziel ist bezahlbare Mobilität und weiter verbesserte Erschließung als Daseinsvorsorge. Unsere Praxiserfahrungen und die Ergebnisse unseres Forschungsprojektes ABSOLUT bringen wir auch auf Bundesebene ein. Mit weiteren Vorreitern wie dem RMV aus Frankfurt und Kollegen aus anderen Städten kann es gelingen, schnell in die Umsetzung zu kommen. Weltweit funktioniert Fahren im autonomen ÖPNV bereits millionenfach. Uns hilft SIAS-ÖV, das nach Sachsen zu holen, weil dieses Projekt erstmals ein industrielles Level-4-Shuttle in unser ÖPNV-System bringt“, betont Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der LVB.

Förderung durch EU und den Freistaat Sachsen

Das Projekt wird im Rahmen der EFRE/JTF-Technologieförderung 2021 bis 2027 des Freistaates Sachsen umgesetzt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Mitteln des Freistaates Sachsen unterstützt. Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Innovations- und Wirtschaftsförderung in Sachsen sowie zur Weiterentwicklung nachhaltiger Mobilitätssysteme.

Starke Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft

Die Shuttle-Initiative vereint ein breites Konsortium mit umfassender Expertise im Bereich automatisiertes Fahren, Verkehrsinfrastruktur und digitale Mobilitätsplattformen. Zum Konsortium gehören neben den Leipziger Verkehrsbetrieben:

  • BitCtrl Systems GmbH (Leipzig) – Software- und Systemintegration für ÖPNV-IT
  • DEKRA Automobil GmbH (Dresden) – Prüfung, Zulassung und Sicherheit automatisierter Fahrzeuge
  • glts cotech GmbH (Leipzig) – Monitoring- und Effizienzsysteme
  • Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI (Dresden) – Forschung zu vernetzter Mobilität
  • IAV GmbH (Chemnitz / Stollberg) – Entwicklung automatisierter Fahrzeugplattformen
  • Technische Universität Dresden – Forschung zu Fahrzeugautomatisierung und Sensorik
  • Yunex Traffic (Leipzig) – intelligente Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsmanagement

Als assoziierter Partner ist zudem das Unternehmen eVersum beteiligt.