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Deutsche Umwelthilfe fordert vollständige Bahn-Elektrifizierung bis 2035

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die vollständige Elektrifizierung des deutschen Bahnverkehrs und einen weitgehenden Oberleitungsausbau bis 2035. Der Ausbau von Oberleitungen sorgt für mehr Kapazität im Schienenpersonennahverkehr und im Güterverkehr, mehr Pünktlichkeit und Resilienz durch Ausweichstrecken und geringere Kosten im Betrieb. Derzeit sind nur 62,5 Prozent der Bundesschienenwege elektrifiziert. 2024 wurden laut Umweltbundesamt deshalb über 340.000 Tonnen Dieselkraftstoff auf der Schiene verbraucht – genug, um acht Millionen Diesel-Autos vollzutanken.

„Die Dieselmotoren von Zügen verschmutzen die Luft mit Feinstaub und Stickoxiden, insbesondere in Bahnhöfen, und schaden dem Klima. Die Umstellung auf HVO 100 wird daran nichts ändern, sondern verstetigt bloß die Verbrenner-Abhängigkeit der Bahn. Auch unausgereifte und teure Wasserstoff-Antriebe sind keine Lösung. Statt solcher Irrlichter braucht es den Oberleitungsausbau, vor allem in der Fläche. Nur eine zu 100 Prozent elektrische Bahn ist klimafreundlich, leistungsfähig und resilient. Wir fordern Verkehrsminister Schnieder auf, einen Fahrplan mit Ziel 100 Prozent Elektromobilität 2035 vorzulegen und finanziell abzusichern. Das muss in der Haushaltsaufstellung für die kommenden Jahre berücksichtigt werden. Wir brauchen mehr Oberleitungen statt Ausreden – nur so wird die Bahn zum Rückgrat der Mobilitätswende.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH

Der Schienenumbau hat überregionale Bedeutung und darf nicht auf knappe kommunale Kassen abgewälzt werden. Doch im Klimaschutzprogramm zeigt sich die Bundesregierung hinsichtlich der Elektrifizierung der Schiene nun vollends ambitionslos – der Oberleitungsausbau fehlt darin komplett. Die DUH fordert deshalb die Bundesregierung auf, den vollständigen Lückenschluss bis 2035 von der Planung bis zur Umsetzung mit jährlichen Zwischenzielen finanziell abzusichern und zusätzlich Fördermaßnahmen für die schnelle Elektrifizierung auch nichtbundeseigener Schienenwege zu ergreifen, von denen 2020 gerade mal 11,5 Prozent elektrifiziert waren. Priorität sollte grenzüberschreitenden Verbindungen eingeräumt werden, wie etwa der Strecke Dresden–Görlitz–Horka, wo auf polnischer Seite seit Jahren die Oberleitungen ausgebaut sind, auf deutscher Seite aber immer noch fast 100 Kilometer fehlen.

Besonders relevante Lückenschlüsse

Die DUH stellt in ihrem aktuellen Lückenschluss-Projekt zehn Strecken in den Vordergrund, die beispielhaft für die notwendige Elektrifizierung von Lücken im Oberleitungs-Netz sind. Die Lückenschluss-Strecken sind besonders relevante Grenzübergänge, vielbefahrene Pendlerstrecken oder schließen ganze Regionen an das Schienennetz an. Hier die zehn besonders wichtigen Lückenschluss-Projekte im Überblick:

  • Bodenseegürtelbahn: Radolfzell–Friedrichshafen
  • Ostbahn: Berlin–Küstrin (Grenze Deutschland/Polen)
  • Münster–Gronau (Grenze Deutschland/Niederlande)
  • Dieselnetz Nürnberg
  • Schönebeck-Bad Salzelmen–Blankenheim
  • Oldenburg–Osnabrück
  • Nahetalbahn: Gau-Algesheim–Neubrücke
  • Dresden–Görlitz (Grenze Deutschland/Polen)–Horka
  • Cottbus–Forst (Lausitz) (Grenze Deutschland/Polen)
  • Zollernalbbahn: Tübingen–Sigmaringen

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