Jülich/Köln/Gelsenkirchen. Die Machbarkeitsstudie zur Revierbahn West erreicht einen wichtigen Meilenstein: go.Rheinland und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) präsentierten heute im Rahmen der 4. Sitzung der Arbeits- und Lenkungskreise in Jülich die vorläufigen Ergebnisse der erarbeiteten Grobtrassen sowie den aktuellen Arbeitsstand der Haltepunktverortung. Die Zwischenergebnisse basieren auf einer fundierten Datengrundlage und enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Kommunen im Rheinischen Revier.
Grobtrassenvarianten als Grundlage
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden auf Basis der Ergebnisse einer Raumanalyse vier unterschiedliche Grobtrassenvarianten entwickelt, die jeweils verschiedene Schwerpunkte setzen. Für die sogenannten regionalen und schnellen Varianten wurden zwei Lupenräume detailliert untersucht: Der erste Lupenraum umfasst den Bereich zwischen Aachen und Jülich, der zweite Lupenraum den Raum zwischen Jülich und der Erft-Achse (Bergheim/ Bedburg).
Zwei regionale Varianten legen den Fokus auf eine engmaschige Erschließung der Region und binden dabei möglichst viele zentrale Siedlungs- und Wirtschaftsbereiche an. Sie orientieren sich an einer hohen regionalen Anbindungsqualität und kürzeren Distanzen zu den Haltepunkten. Zwei schnelle Varianten priorisieren hingegen höhere Reisegeschwindigkeiten und kürzere Fahrzeiten zwischen den Hauptverkehrsknoten. Durch optimierte Trassenführungen ermöglichen sie schnellere Verbindungen bei etwas geringerer Haltestellendichte.
Haltepunktverortung im Mittelpunkt
Parallel zur Entwicklung der Grobtrassen erfolgte die systematische Analyse und Verortung potenzieller Haltepunkte. Dabei wurden verkehrliche, städtebauliche und strukturpolitische Kriterien berücksichtigt. Ziel ist es, die Revierbahn West so zu planen, dass sie Wohn- und Arbeitsstandorte optimal miteinander verbindet und gleichzeitig den Strukturwandel in der Region unterstützt.
Für die Ermittlung der möglichen Haltepunkte wurde der Untersuchungsraum hierfür in gleich große Raumeinheiten unterteilt und anhand vorab definierter Parameter wie Bevölkerungsanzahl und -entwicklung, Arbeitsplatzdichte oder Pendlerverkehre bewertet. Auf Basis dieser Analyse konnten besonders geeignete Standorte für mögliche Haltepunkte identifiziert werden. In einem weiteren Schritt wurden mithilfe der Least-Cost-Path-Analyse (LCP) vorläufige Grobtrassen entwickelt, die die ermittelten Haltepunkte verbinden und dabei den geringstmöglichen Raumwiderstand erzeugen. Die weiteren Prüfschritte der technischen und betrieblichen Machbarkeit können erneut Änderungen im Linienverlauf der Grobtrassen mit sich bringen.
Partizipativer Prozess mit den Kommunen
Ein zentrales Element der Machbarkeitsstudie ist die enge Einbindung der Kommunen, der SPNV-Infrastrukturbetreiber und weiterer Institutionen. Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland, betont: „Die vom Projektteam erarbeiteten Ergebnisse der Raumanalyse werden regelmäßig mit den Kommunen in den Arbeits- und Lenkungskreisen erörtert und durch sie abgesegnet. Dieser partizipative Ansatz stellt sicher, dass die Revierbahn West nicht am Reißbrett entsteht, sondern die Bedürfnisse und Entwicklungsziele der Region widerspiegelt. Die konstruktive Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist ein Schlüssel zum Erfolg dieses Ausnahmeprojekts.“
Nächste Schritte: Bewertung und politische Entscheidung
Die vorgestellten Haltepunkte und Grobtrassen bilden die Grundlage für die weitere Vertiefung der Machbarkeitsstudie. Im nächsten Schritt werden die Haltepunkte und Grobtrassen gemeinsam mit den Kommunen überprüft und die Varianten anhand einer Bewertungsmatrix systematisch verglichen. Dabei fließen verkehrliche, wirtschaftliche, ökologische und städtebauliche Kriterien ein. Die Matrix dient als Entscheidungsgrundlage für die Verbandsversammlung des Zweckverbands go.Rheinland.
Nach der politischen Entscheidung durch den Zweckverband go.Rheinland werden die Vorzugsvarianten der beiden Lupenräume auf ihre betriebliche und technische Machbarkeit untersucht (Machbarkeitsanalyse). In diesem Rahmen wird auch eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) durchgeführt. Zusätzlich erfolgt eine Betrachtung für beide Lupenräume gemeinsam, um mögliche Synergien zu identifizieren. Der Bedarf der Revierbahn ist bereits durch das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) anerkannt, jedoch sind bislang keine weiteren finanziellen Mittel bereitgestellt worden. Der in der NKU ermittelte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) ist eine wichtige Grundlage, um Eingang in das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zu finden und stellt eine Alternative für die weitere Finanzierung des Vorhabens dar, sofern der NKI größer als 1 ist. Gegebenenfalls kommt es auch für Teilbereiche der Revierbahn in Frage.
Hintergrund
Im Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) ist festgehalten, dass ein „S-Bahn-Netz Rheinisches Revier“ ausgebaut werden soll. Auf Antrag von go.Rheinland und VRR fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über das Bundesförderprogramm „Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten (STARK)“ fünf SPNV-Machbarkeitsstudien für das Rheinische Revier. Die finalen Ergebnisse zur Raumanalyse und der Machbarkeitsstudie Revierbahn West sollen Anfang 2027 vorliegen.









