VDV stellt neues Positionspapier für mehr Sicherheit vor

Zum Auftakt der hochrangig besetzten und fachlich breit verankerten 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz in Berlin beraten über 100 Experten über die Sicherheitslage im öffentlichen Verkehr. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stellt dort sein überarbeitetes Positionspapier „Sicherheit (Security) im öffentlichen Personenverkehr“ vor und verbindet damit eine klare Botschaft:

„Unser anspruchsvolles Zielbild sollte sein: Wir machen Bahnhöfe, Stationen und Haltestellen zu den sichersten Orten unserer Städte und Gemeinden. Sicherheit in Bus und Bahn ist Voraussetzung für Vertrauen, Verlässlichkeit und Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs. Wer mehr Sicherheit im ÖPNV will, muss den Unternehmen den notwendigen rechtlichen und finanziellen Rahmen geben. Bund und Länder stehen hier in der Verantwortung.“

VDV-Präsident Ingo Wortmann

Die VDV-Branchenumfrage Sicherheit 2026 zeigt den Handlungsdruck. 75,6 Prozent der befragten Verkehrsunternehmen sehen eine verschlechterte oder stark verschlechterte Sicherheitslage. Für 85,4 Prozent sind Belastung und Verunsicherung der Mitarbeitenden die stärkste Folge sicherheitsrelevanter Vorfälle. Zugleich bewerten 92,5 Prozent die Präsenz von Sicherheits-, Service- und Prüfpersonal als wirksamste Maßnahme. Für die Branche ist Sicherheit damit auch eine Personalfrage: Wer im Arbeitsalltag mit Bedrohungen und Übergriffen rechnen muss, wird schwerer zu gewinnen und zu halten sein – mit Folgen für die Stabilität des Angebots.

Positionspapier: Bund und Länder gefordert

Das Positionspapier fordert eine bundesweit einheitliche Speicherdauer von Videoaufzeichnungen von bis zu 30 Tagen, stärkeren Schutz für Fahr-, Prüf- und Sicherheitspersonal sowie verlässliche Sicherheits- und Ordnungspartnerschaften. Dazu zählen gemeinsame Lagebilder, abgestimmte Präsenz von Polizei und Ordnungsbehörden sowie Unterstützung durch Sozialträger.

Der Branchenverband sieht beim strafrechtlichen Schutz einen wichtigen Zwischenschritt: Nach aktuellem Stand des Gesetzgebungsverfahrens zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens soll § 316b StGB um einen Schutz bei tätlichen Angriffen auf Beschäftigte in Unternehmen des öffentlichen Verkehrs ergänzt werden. Eine entsprechende Regelung wäre ein wichtiger Fortschritt für den Schutz von Fahr-, Sicherheits- und Fahrausweisprüfpersonal. „Die Unternehmen investieren seit Jahren in Sicherheit. Aber sie sind weder Polizei noch Sozialbehörde. Wenn der Staat mehr Schutz erwartet, braucht es passende Gesetze, ausreichend Personal bei den Behörden und eine tragfähige Finanzierung“, sagt Wortmann.

Auch bei der Rechtsdurchsetzung fordert der VDV klare Regeln: Das vorsätzliche Fahren ohne Fahrausweis soll strafbar bleiben; soziale Härten sind unter anderem mit Sozialtickets zu lösen. Die Branche erwartet zudem politische Unterstützung bei Alkoholkonsumverboten in Fahrzeugen und Anlagen des öffentlichen Verkehrs. Bei Fußballspielen und anderen Großveranstaltungen braucht es abgestimmte Sicherheitskonzepte für die An- und Abreise sowie eine faire Verteilung zusätzlicher Sicherheitskosten. Verkehrsunternehmen und Kommunen dürfen damit nicht alleinbleiben.

Sauberkeit: Sicherheit entlang der Wegekette

Sicherheit entsteht nicht allein durch Strafen, Technik und Personal. Auch Sauberkeit, Beleuchtung, Übersichtlichkeit und Aufenthaltsqualität prägen das Gefühl der Fahrgäste – im Fahrzeug, an der Haltestelle, im Bahnhof und im unmittelbaren Umfeld. 63,4 Prozent der Unternehmen sehen bei Haltestellen, Bahnhöfen und deren Umfeld einen hohen oder sehr hohen zusätzlichen Investitionsbedarf zur Verbesserung von Sicherheit und Sicherheitsgefühl. „Müll, Verschmutzung und Verwahrlosung untergraben das Sicherheitsgefühl vieler Fahrgäste oft schon lange, bevor überhaupt eine Straftat geschieht. Sauberkeit und Ordnung sind deshalb ein sichtbarer Teil von Sicherheit. Hier stehen wir als Branche und die Kommunen gemeinsam in der Verantwortung“, so Wortmann.

Infrastruktur: Kritische Systeme schützen

Zur Sicherheitslage gehört – ein Schwerpunkt der 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz – auch der Schutz kritischer Mobilitätsinfrastruktur. Stationen, Betriebshöfe, Leitstellen, Energieversorgung und digitale Systeme müssen gegen Angriffe, Sabotage und Ausfälle widerstandsfähiger werden. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen, Aufgabenträgern, Kommunen, Ländern und Bund.

Die Sicherheitskonferenz soll nach Auffassung der Branche konkrete Probleme adressieren, gute Projekte in den Fokus nehmen und so gemeinsame Fortschritte für mehr Sicherheit im ÖPNV ermöglichen. Das neue Positionspapier liefert die Argumentation für die notwendigen Verbesserungen der politischen und gesetzgeberischen Rahmenbedingungen. „Mehr Schutz für Beschäftigte, mehr Sicherheit für Fahrgäste und mehr Qualität im öffentlichen Raum werden nur erreicht, wenn Politik, Kommunen und Sicherheitsbehörden ihren Teil verlässlich leisten. Genau dafür legen wir mit unserem neuen Positionspapier konkrete Vorschläge vor“, so Wortmann abschließend.

Das neue VDV-Positionspapier „Sicherheit (Security) im öffentlichen Personenverkehr. Sicherheit verstehen – Handlungsbedarf aufzeigen“ steht auf vdv.de/positionen zum Herunterladen bereit.

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