Zur heutigen (19.9.2022) Sonder-Verkehrsministerkonferenz, bei der es um die Zukunft des ÖPNV gehen wird, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Bundesregierung auf, die Länder mit weitreichenden Mitteln bei Bus, Bahn und Tram zu unterstützen. Dazu müsse der Bund die kompletten Kosten von 4 Milliarden Euro jährlich für ein bundesweit gültiges 365-Euro-Klimaticket übernehmen

365-Euro-Klimaticket statt Gratismentalität beim Porsche-Dienstwagen

Mehr als 200.000 Menschen fordern mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ein bundesweit gültiges 365-Euro-Klimaticket für Bahn, Bus und Tram. Das Ticket wird als Anschlusslösung an das heute auslaufende 9-Euro-Ticket dringend gebraucht – als notwendiger Baustein für die überfällige Verkehrswende und sofort wirksamen Klimaschutz, so der Umwelt- und Verbraucherschutzverband. Die Unterschriften aus einer Petition und Protestmail hat die DUH heute dem Bundesverkehrsministerium übergeben. Entgegennehmen durfte es lediglich der Pförtner des Hauses: Eine ursprünglich vereinbarte persönliche Übergabe an Minister Wissing mit Gespräch sagte sein Büro nach Kritik der DUH an der Politik des FDP-geführten Ressorts ab.

Die Kosten des Bundes zur Unterstützung der Länder für ein 365-Euro-Ticket in Höhe von etwa 4 Milliarden Euro können über eine Modernisierung der bislang klimaschädlichen Dienstwagenförderung gedeckt werden. Die DUH tritt dafür ein, die Absetzbarkeit auf 30.000 Euro pro Wagen zu begrenzen und zudem auf Fahrzeuge, die den EU-Grenzwert von 95 g CO2/km im realen Fahrbetrieb einhalten.

„Heute ist der letzte Tag, an dem die Bürger mit einem Flatrate-Ticket mobil sind. Millionen Menschen haben Bahn und Bus wiederentdeckt. Seit drei Jahren wirbt die DUH für ein 365-Euro-Klimaticket. Vorteile und Notwenigkeit für Verkehrswende und Klimaschutz sind eindeutig. Bedauerlicherweise haben aber Finanzminister Lindner und Verkehrsminister Wissing angesichts ihrer vielen Rücksprachen mit Porsche und anderen Autokonzernen offenbar nicht einmal Zeit für ein Gespräch – sowohl zum Ticket als auch zum Ende der Gratismentalität bei Spitzenverdienern und ihren Dienstwagen. Denn damit ließe sich das Ticket problemlos mehr als gegenfinanzieren. Die Lobbypartei FDP muss endlich ihre Abneigung gegen die Verkehrsmittel von Nicht-Dienstwagenfahrern ablegen. Anstatt Luxus-Sportwagen mit einem Kaufpreis von 155.000 Euro pro Fahrzeug zu subventionieren, brauchen wir die Mittel für bezahlbare Mobilität und einen modernen öffentlichen Nahverkehr.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH

Die Klimawirkung eines solchen Tickets lässt sich aufgrund der Erfahrungen der vergangenen 3 Monate abschätzen. Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat das 9-Euro-Ticket insgesamt zu einer CO2-Einsparung von 1,8 Millionen Tonnen geführt. Auf ein Jahr wären das potenziell 7,2 Millionen Tonnen CO2-Einsparung – mehr als jede einzelne „Sofortmaßnahme“, die Verkehrsminister Wissing bisher in seinem Klimaschutz-Sofortprogramm vorgeschlagen hat. Zusammen mit den 9,1 Millionen Tonnen CO2-Einsparung durch ein Tempolimit 100/80/30 könnten diese beiden Maßnahmen alleine bereits knapp die Hälfte des aktuellen Fehlbetrages zur Einhaltung des Klimaschutzgesetzes im Verkehrsbereich bringen.

Quelle: DUH

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