HOCHBAHN pilotiert KI-Kameras zur automatischen Gefahrenerkennung

Eine Person liegt regungslos auf dem Bahnsteig, an einer anderen Haltestelle betritt jemand unbefugt die Gleise. Um solche sicherheitsrelevanten Vorfälle zu erkennen und frühzeitig einschreiten zu können, benötigt es wachsame Augen: von aufmerksamen Fahrgästen, aber vor allem von Kollegen der HOCHBAHN-Wache – auf Streife und rund um die Uhr in der Leitstelle.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) könnten sich Reaktionszeiten künftig noch verkürzen. Die HOCHBAHN hat daher im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt zum Einsatz von Kameras mit Unterstützung von KI an U-Bahn-Haltestellen gestartet.

„Bei 93 U-Bahn-Haltestellen und immer mehr Fahrgästen in den letzten Jahren ist klar: Die Anforderungen an Schutzkonzepte steigen. Daher setzen wir uns gemeinsam mit der HOCHBAHN-WACHE stetig mit Möglichkeiten auseinander, wie wir die Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl unserer Fahrgäste gewährleisten bzw. weiter erhöhen können. Wir sehen viel Potenzial im Bereich der Künstlichen Intelligenz, das zeigt unser Pilotprojekt zur KI-gestützten Videoerkennung.“

Jens-Günter Lang, Vorstand Technik der HOCHBAHN

Schnellere Erkennung von sicherheitskritischen Ereignissen

Die Kameras sollen in der Videobildanalyse eine automatische Mustererkennung zur schnelleren Erkennung sicherheitskritischer Ereignisse ermöglichen. Das heißt: Kommt es in einer Haltestelle zu einem außergewöhnlichen Ereignis, erkennt die KI-Software diese potenziell sicherheitsrelevante Szene und gibt einen automatischen Hinweis an die Leitstelle, die jeden eingehenden Vorfall prüft. Dazu zählen beispielsweise Videobilder von Personen im Gleisbereich, liegenden Menschen, Gedränge am Bahnsteig oder tätlichen Auseinandersetzungen. Kurzum: auffällige Verhaltensmuster oder Gefahrensituationen. Je früher diese erkannt werden, desto schneller kann Hilfe geleistet werden.

Datenschutzkonforme Testung an stark frequentierten U-Bahn-Haltestellen

Die HOCHBAHN hat die hierfür erforderliche Technik bereits an drei ausgewählten, vielgenutzten Haltestellen – Barmbek, Baumwall und Berliner Tor – in unterschiedlichen Zeiträumen getestet. In einem ersten Schritt wurde zunächst geprüft, ob die bestehende Kameratechnik an U-Bahn-Haltestellen mit KI verknüpft und genutzt werden kann. In einer zweiten Phase kam an den Haltestellen Barmbek und Baumwall neue Kameratechnologie zur KI-basierten Mustererkennung zum Einsatz, die erhebliche Vorteile gegenüber den Bestandskameras zeigte. Für Fahrgäste waren diese Tests mit der KI-gestützten Videoerkennung, die in Einklang mit den geltenden Datenschutzvorgaben der DSGVO steht, von außen nicht wahrnehmbar.

Jens-Günter Lang zu den bisherigen Erkenntnissen aus dem Projekt:

„Die KI-gestützte Videoanalyse bietet vielversprechende Möglichkeiten, sicherheitskritische Situationen frühzeitiger zu erkennen – das betriebliche Potenzial ist gegeben. Wir planen, neben den Testhaltestellen Baumwall und Barmbek noch in diesem Jahr neue Kameratechnologie zusätzlich an den Landungsbrücken sowie 2027 auch am Hauptbahnhof Süd zu erproben.“

Chancen und Grenzen der Technologie

Mit der Fortführung des Piloten an zwei U-Bahn-Haltestellen sowie der geplanten Erweiterung der Testung um zwei weitere Standorte geht das Projekt in eine nächste Phase über, in der die Erprobung und Entwicklung neuer Betriebsabläufe im Vordergrund steht. Es ist nicht einfach mit der Installation von Kameras getan: Zum einen müssen die Prozesse in der Betriebszentrale angepasst und die KI-Software in die Abläufe integriert werden. Zum anderen benötigt die KI weiteres Training, um eine zuverlässige Hilfe zu sein. Wie jeder neue Mitarbeitende wird auch die KI erst eingearbeitet, um die verschiedenen Vorfallszenarien gewissenhaft und adäquat zu erkennen.

Inwiefern KI auf lange Sicht als fester Bestandteil des Betriebsablaufs einen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit an U-Bahn-Haltestellen der HOCHBAHN leisten kann, wird sich also noch zeigen müssen. Doch egal wann, aufmerksame menschliche Augen sind auch in Zukunft noch gefordert, am Bahnsteig und in der Leitstelle. Die KI-Unterstützung könnte aber in Zukunft helfen, schneller zu reagieren und einzugreifen – für eine erhöhte Sicherheit sowohl für die Fahrgäste als auch die Mitarbeitenden im ÖPNV.

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