Zwei Wochen nach Beginn der Totalsperrung im Zuge der Generalsanierung der Strecke zwischen Hagen und Köln zieht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als SPNV-Aufgabenträger eine kritische Zwischenbilanz zum Schienenersatzverkehr (SEV). Der von DB InfraGO organisierte SEV bleibt in der täglichen Umsetzung deutlich hinter dem Anspruch zurück, den die SPNV-Aufgabenträger an einen SEV stellen – erst recht an den angekündigten Hochleistungsersatzverkehr. Die Busunternehmen stellen die Lage zwar als „grundsätzlich stabil“ dar und verweisen auf nur punktuelle Probleme. Rückmeldungen aus eigenen Befahrungen, dem Einsatz von Testpersonen, aus Fahrgastmeldungen und Presseberichten zeichnen jedoch ein deutlich anderes Bild.
Hochleistung angekündigt – Alltag enttäuschend
„Ein SEV ist nur so gut wie seine Organisation und seine Kommunikation. Beides überzeugt aktuell an zu vielen Stellen nicht. Wir reden nicht über Kinderkrankheiten, sondern über wiederkehrende, strukturelle Mängel, die die Verlässlichkeit für die Fahrgäste spürbar beeinträchtigen. Wenn ein Ersatzverkehr in dieser Größenordnung nicht zuverlässig funktioniert, leidet nicht nur der Alltag der Menschen – es sinkt auch die Akzeptanz für die notwendigen großen Bauprojekte und Generalsanierungen, die in den kommenden Jahren nicht nur in NRW, sondern bundesweit zu erwarten sind. Wer Einschränkungen zumutet, muss Verlässlichkeit liefern.“
Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR
Aus Sicht des VRR sind vor allem vier Punkte akut:
- Personalmangel und fehlende Auskunftsfähigkeit
Wiederholt berichten Fahrgäste und eigenen Prüfungen, dass Fahrpersonal nicht ausreichend auskunftsfähig ist – teils nicht einmal zum eigenen Linienverlauf. Hinzu kommen krankheitsbedingte Ausfälle, wodurch Umläufe entfallen – besonders in der Hauptverkehrszeit. „Wenn ganze Fahrten morgens ausfallen, ist das kein Randproblem, sondern trifft Pendlerinnen und Pendler mit voller Wucht“, so Wittke. - Fahrzeugmangel und Kapazitätsabweichungen
Insbesondere bei DB Regio Bus kommt es zu Ausfällen durch Fahrzeugschäden und fehlende Reserven. Gleichzeitig werden auf nachfragestarken Linien weiterhin Solobusse eingesetzt, obwohl Gelenkbusse gefordert sind – besonders kritisch stellt sich die Situation auf der SEV-Strecke der RE13 dar. Über alle SEV-Linien hinweg liegt die Ausfallquote konstant zwischen 3,5 bis 5 Prozent – für einen Hochleistungs-SEV ist das nicht akzeptabel. - Fehlende Ortskenntnis
Busse verfahren sich, fahren falsche Routen oder bleiben an bekannten Engstellen hängen. Das kostet Zeit, erhöht die Störanfälligkeit und verursacht zusätzliche Fahrzeugschäden – ein direkter Verstärker für den Fahrzeugmangel. „Wer SEV fährt, muss Strecke und Knoten kennen. Das ist nicht ‚nice to have‘, das ist Basis“, betont Wittke. - Unzureichende Fahrgastinformation
Zu häufig sind Außenanzeigen nicht aktiviert, Informationen vor Ort sind unklar oder nicht konsistent, und Echtzeitdaten stehen nur eingeschränkt zur Verfügung – das erschwert Orientierung und führt zu Verunsicherung bei den Fahrgästen. Hinzu kommt: Unzureichende Transparenz über die tatsächlich erbrachte Leistung behindern zusätzlich die Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen und nachzubessern. Gerade bei Großbaustellen müssen Planung, Abstimmung, Umsetzung und laufendes Nachsteuern eng verzahnt funktionieren – und Fahrgastinformation muss als Qualitätskern verstanden werden.
Der VRR fordert daher umgehend ein wirksames Maßnahmenpaket bestehend aus einer robusten Reserveplanung für Personal und Fahrzeuge, nachweislichen Schulungen (Liniennetz, Ortskenntnis), konsequentem Einsatz der vereinbarten Bus Typen – insbesondere Gelenkbusse auf nachfragestarken Linien –, durchgängig funktionierenden Außen- und Innenanzeigen sowie einem klar organisierten Haltestellenmanagement. „Die Fahrgäste müssen sich auf den Ersatzverkehr verlassen können. Genau das ist das Ziel – und genau daran werden wir die nächsten Tage messen“, sagt Wittke.









