VRN baut digitalen Vertrieb weiter aus

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zieht für seine Vertriebsentwicklung eine insgesamt positive Bilanz. Die aktuellen Zahlen für 2025 und das erste Quartal 2026 zeigen: Tarif‑ und Vertriebsstrukturen sind deutlich in Bewegung. Das Deutschland-Ticket hat das klassische Abo‑Modell nachhaltig verändert und bestehende Produkte neu geordnet. Gleichzeitig bleibt der Gelegenheitsverkehr relevant, denn nicht alle Fahrgäste sind täglich unterwegs oder möchten ein Abonnement nutzen.

Für den VRN bedeuten das, den Vertrieb insgesamt stärker an den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten der Fahrgäste auszurichten: mit leicht verständlichen und flexiblen Angeboten. Daran knüpft der VRN mit der Weiterentwicklung seiner Vertriebsangebote an und stärkt sowohl die Funktionalität der myVRN-App als auch alltagstaugliche Services wie Check‑in/Check‑out für Kinder.

Deutschland-Ticket verändert die Vertriebslandschaft nachhaltig

Mit der Einführung des Deutschlandtickets haben sich Nachfrage und Einnahmestrukturen im Verbundgebiet deutlich verschoben. Klassische Jahreskartenprodukte verlieren an Bedeutung, digitale Vertriebswege gewinnen weiter an Gewicht. Aus Sicht des VRN ist das keine vorübergehende Entwicklung, sondern Ausdruck einer neuen Tarifrealität. Das Deutschland-Ticket ist gesetzt und prägt den Vertrieb dauerhaft – sowohl im Abo-Bereich als auch bei der Kundenbindung über digitale Kanäle.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf den Gelegenheitsverkehr, dass auch dieses Marktsegment weiterhin hohe Bedeutung hat. Spontane, gelegentliche und freizeitbezogene Fahrten brauchen einfach zugängliche Produkte. Gerade hier gewinnen digitale Angebote wie App-Tickets und Check-in/Check-out an Relevanz.

App-Vertrieb wächst dynamisch

Ein sichtbarer Wachstumstreiber innerhalb dieser Entwicklung ist die myVRN-App. Seit dem Start des neuen Ticketshops am 15. Dezember 2022 ist die Zahl der Registrierungen und Buchungen deutlich gestiegen. Ende März 2023 kam das Deutschland-Ticket hinzu, ab Oktober 2024 wurde außerdem das Deutschland-Semester-Ticket für rund 11.500 Studierende über die App bereitgestellt. Ende 2025 wechselten durch die Abschaltung der eTarif-App der rnv zudem rund 25.000 Kunden in die myVRN-App. Ohne diese Sondereffekte lag die durchschnittliche Zahl der Registrierungen in den vergangenen zwei Jahren bei rund 5.000 pro Monat. 

Auch die Nutzung ist stark gestiegen: Die Zahl der Einzelbuchungen in der myVRN-App erhöhte sich 2025 um 122 Prozent auf 832.150. Mehr als die Hälfte davon waren bereits Check-in/Check-out-Buchungen. Der Umsatz in der App lag 2025 bei 9,26 Millionen Euro und damit rund 54 Prozent über dem Vorjahr. Rund zwei Drittel dieses Umsatzes entfallen auf das Deutschland-Ticket einschließlich Deutschland-Semester-Ticket. 

Der VRN ordnet diese Entwicklung bewusst in den Gesamtvertrieb ein: Mit einem Anteil von 2,7 Prozent am VRN-Gesamtpool und 3,5 Prozent am Gelegenheitsverkehr im VRN-Pool wächst die myVRN-App zwar dynamisch, sie bildet aber immer noch nur einen überschaubaren Teil des gesamten Vertriebs ab. Das starke Wachstum zeigt damit weniger eine Verlagerung des gesamten Marktes in einen einzelnen Kanal als vielmehr das Potenzial digitaler Zugänge innerhalb eines breiter aufgestellten Vertriebssystems auf. 

Check-in/Check-out jetzt auch für Kinder

Mit der Eltern-Kind-Funktion hat der VRN bereits im vergangenen Jahr seine digitalen Angebote gezielt für Familien ausgebaut. Mit ihr können Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren ein eigenes VRN-Konto in der myVRN-App nutzen – ohne eigenes Zahlungsmittel. Die Registrierung erfolgt über eine erziehungsberechtigte Person, deren Konto mit dem Kinderkonto verknüpft ist und die Nutzung sowie Budget festlegt.

Neu ist: Auch der Luftlinientarif im Check-in/Check-out-Verfahren steht Kindern offen. Ein- und Auschecken genügt, der Fahrpreis wird automatisch berechnet – inklusive Kinderrabatt. Das vereinfacht die Nutzung des ÖPNV und fördert die Selbstständigkeit junger Fahrgäste. Das Modell der Zahlungsübernahme lässt sich zudem auch auf andere Personen übertragen, etwa zur Unterstützung älterer Fahrgäste bei der digitalen Ticketnutzung.

Für den VRN ist klar: Die Zukunft des Vertriebs liegt nicht in einem einzelnen Produkt oder Kanal, sondern in einem abgestimmten Gesamtsystem. Ziel bleibt ein Vertrieb, der verständlich, flexibel und möglichst nah am Alltag der Fahrgäste ist. 

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