Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland erklärt seine klare Ablehnung gegenüber dem Maßnahmenpaket zur Kostendämpfung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), das dem Stadtrat der Stadt Chemnitz vorliegt. Die geplanten Einschnitte stehen aus Sicht des Verbands im klaren Widerspruch zu den verkehrs- und klimapolitischen Zielen sowie zur tatsächlichen Nachfrageentwicklung in der Stadt.
„Der öffentliche Nahverkehr ist kein beliebig kürzbares Angebot, sondern Teil der kommunalen Daseinsvorsorge“, erklärt Markus Haubold, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Mitteldeutschland. „Er muss für alle Menschen jederzeit nutzbar sein – auch für Beschäftigte im Schichtdienst und für den Freizeitverkehr in den Abend- und Nachtstunden.“
Die Stadt Chemnitz begründet die geplanten Kürzungen mit stark gestiegenen Kosten bei der CVAG, etwa für Energie, Personal und Fahrzeuge, und strebt Einsparungen von bis zu 2,9 Millionen Euro jährlich an. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen jedoch ein deutliches Bild zunehmender Nutzung: Die Fahrgastzahlen sind zuletzt erheblich gestiegen. „Es ist schlicht nicht akzeptabel, bei steigender Nachfrage das Angebot zu kürzen“, so Haubold weiter. „Wer Menschen für den Umstieg auf Bus und Bahn gewinnen will, darf das System nicht gleichzeitig unattraktiver machen.“
Der Fahrgastverband sieht insbesondere kritisch, das feingliedrige Tagliniennetz in den Tagesrandlagen zeitlich einzuschränken, um stattdessen die Betriebszeit der Nachtlinien auszuweiten. „Eine solche Verschiebung darf nicht zu Lasten der Erreichbarkeit in den Abendstunden gehen“, stellt Pro Bahn klar. „Wenn den Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich Einschränkungen im Tagverkehr zugemutet werden, dann muss im Gegenzug wenigstens das Nachtliniennetz vollständig und sinnvoll ausgebaut werden.“
Der Fahrgastverband Pro Bahn verweist darauf, dass laut Nahverkehrsplan bereits seit Jahren zwei zusätzliche Nachtlinien vorgesehen sind, die bis heute nicht umgesetzt wurden. „Diese Linien sind nicht optional, sondern notwendiger Bestandteil eines vollständigen Netzes“, betont Haubold. „Erst mit ihrer Einführung würden zahlreiche Stadtteile wie Altendorf, Furth, Glösa, Grüna, Kaßberg, Rottluff sowie Nieder- und Mittelrabenstein überhaupt angemessen an den abendlichen und nächtlichen ÖPNV angeschlossen.“ Konkret handelt es sich um die Linien N19, N20 sowie eine Anpassung der Linie N16. Diese wurden bereits planerisch erarbeitet und würden wichtige Nachtverbindungen in Stadtgebiete schaffen, die bisher davon unerschlossen sind. „Gerade für Schichtarbeitende und die städtische Club- und Kulturszene sind solche langlaufenden und umsteigearmen Verbindungen unverzichtbar“, betont Markus Haubold. „Einerseits gibt es für Veranstaltungen der Theater Chemnitz mit dem Ticketkauf ein Kombiticket für das VMS-Verbundgebiet inklusive. Andererseits kann man es dann am Abend hinsichtlich des Wohnortanschlusses gegebenenfalls gar nicht mehr für die Heimfahrt nutzen, wenn nach dem Theaterbesuch schon das Nachtliniennetz gilt. Das ist völlig absurd und geht an den Mobilitätsbedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger vorbei.“
Besonders kritisch bewertet der Fahrgastverband Pro Bahn auch die vorgesehenen Maßnahmen zur Verringerung von Fahrten in Schwachlastzeiten (Maßnahme 7). Diese würde dazu führen, dass zahlreiche Linien täglich bis zu sechs Stunden weniger verkehren als bisher. „Das ist ein massiver Einschnitt in die Nutzbarkeit des ÖPNV“, erklärt Haubold. „Ein Verkehrsmittel, das über weite Teile des Tages nicht verfügbar ist, kann seine Funktion als Rückgrat der Mobilität nicht erfüllen.“ Die als Ersatz vorgesehenen ALiTa-Angebote bewertet der Fahrgastverband als unzureichend. „Ein System, das mindestens 30 Minuten im Voraus telefonisch bestellt werden muss, ist für spontane Fahrten schlicht ungeeignet. Gerade im Alltag braucht es Verlässlichkeit und Flexibilität – keine zusätzlichen Hürden.“ stellt Haubold klar.
Abschließend richtet der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland einen dringenden Appell an die Mitglieder des Stadtrates: „Die vorliegende Beschlussvorlage ist in ihrer jetzigen Form nicht zustimmungsfähig. Statt Kürzungen braucht Chemnitz ein verlässliches, ausgebautes und zukunftsfähiges ÖPNV-Angebot. Der ÖPNV ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – und diese darf nicht kaputtgespart werden.“









