16. Deutscher Nahverkehrstag feiert 30 Jahre Regionalisierung

Der diesjährige Deutsche Nahverkehrstag fand diese Woche unter dem Motto „30 Jahre Regionalisierung – Nah gedacht, weit gekommen?” in Koblenz statt – er wurde noch vom alten Umwelt- und Mobilitätsministerium vorbereitet, aber bereits vom neuen Innen- und Verkehrsministerium durchgeführt. Der dreitägige Kongress widmete sich zentralen Fragen der Mobilitätspolitik und rückte Themen wie Wettbewerb, Finanzierung, Fahrzeuge im ÖPNV sowie SPNV und die herausfordernde Personalgewinnung in den Fokus. In seinem Videogrußwort sagte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Bruder des neuen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU): „Danke an die vielen Mitarbeiter des ÖPNV-Gewerbes, die jedes Jahr rund elf Milliarden Fahrgäste umweltfreundlich und zuverlässig befördern. Sie machen unsere Mobilität erst möglich. Deshalb unterstützt der Bund den ÖPNV auch massiv mit vielen Milliarden Euro an Regionalisierungs- und GVFG-Mitteln, zudem haben wir die langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets gesichert, was in der gegenwärtigen Haushaltslage alles andere als selbstverständlich war. Wir nehmen Rekordsummen in die Hand, um unsere Verkehrswege zu modernisieren.“

Neuer Staatssekretär Markus Wolf macht seine Aufwartung

„Die Regionalisierung des ÖPNV hat den Ländern in den vergangenen 30 Jahren die Möglichkeit gegeben, den öffentlichen Nahverkehr gezielt an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort auszurichten. Gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz ist ein leistungsfähiger ÖPNV ein entscheidender Standortfaktor und Voraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse“, sagte Staatssekretär Markus Wolf (CDU) aus dem neu zugeschnittenen Ministerium des Inneren, Integration und Verkehr unter Minister Achim Schwickert (CDU), das die bisherige Zweiteilung der Verantwortung in Wirtschafts- und Umweltministerium beendet. Ausdrücklich dankte er in seinem Grußwort der anwesenden, bisherigen Umwelt- und Mobilitätsministerin Katrin Eder (Bündnis90/Die Grünen) für die Vorbereitung des traditionsreichen Branchentreffens mit rund 900 Teilnehmern in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle.

„Unser Anspruch ist es, Mobilität in den Städten ebenso wie in den ländlichen Regionen für alle Menschen verlässlich und zugänglich zu gestalten. Dafür brauchen wir ausreichend Fachkräfte und hohe Sicherheitsstandards. Nur so können wir den öffentlichen Nahverkehr als tragende Säule der Daseinsvorsorge weiter stärken und den Menschen auch künftig ein attraktives Mobilitätsangebot machen“, so Wolf weiter.

Breites Vortragsprogramm und Fachmesse in Koblenz

In rund 150 Vorträgen, Fachdebatten sowie Workshops tauschten sich Expertinnen und Experten aus, zogen Bilanz über die vergangenen drei Jahrzehnte der Regionalisierung und diskutierten gemeinsame Ansätze für die Zukunft. Eine begleitende Fachmesse mit mehr als 30 Ausstellern sowie zwei Abendveranstaltungen rundeten den Deutschen Nahverkehrstag ab. Auch das Thema Sicherheit im ÖPNV war hierbei ein zentrales Thema. Garniert wurde die Veranstaltung mit interessanten und inspirierenden Exkursionen ins DB Museum Koblenz, zur Seilbahn auf die Festung Ehrenbreitstein, die zur Bundesgartenschau 2011 errichtet wurde oder dem Vulkanexpress in Maria Laach. Dazu kamen zwei Abendveranstaltungen bei mehr als sommerlichen Temperaturen direkt am Rheinufer. So hatte das Programm für jeden etwas zu bieten.

Krisenresilienz als Zukunftsthema

Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen stellen Politik, Verkehrsunternehmen und Verbünde vor die Aufgabe, bestehende Schutzkonzepte neu zu bewerten und weiterzuentwickeln, um die Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten dauerhaft zu gewährleisten – dies hatten nicht zuletzt die kürzlich stattgefundene VDV-Jahrestagung in Karlsruhe und das neue Positionspapier zum Thema deutlich gemacht.

Staatssekretär Markus Wolf sagte dazu in einem ersten Interview für die NahverkehrsPraxis (Mehr dazu in der Ausgabe 7/8 mit Erscheinung am 6. August veröffentlicht): „Das Innenministerium ist genau das Haus, das die Frage der Krisenresilienz sehr intensiv behandelt. Daher hatten wir auch schon erste Besprechungen, in denen klar wurde, dass man diese Themen gesamthaft angehen muss. Da sie eng mit dem Thema Logistik, Sicherstellung von Mobilität im Krisenfall plus Verantwortung von Polizei und Katastrophenschutz verbunden sind, ist eine sehr gute strukturelle Entwicklung und das Thema wird eine große Rolle in unserem Haus spielen.“

Mitgliederversammlung von MOLO und VDV Rheinland

Auch für das Verkehrsgewerbe in Rheinland-Pfalz mit seinen beiden Verbänden MOLO und VDV Rheinland war der Termin wegweisend und das nicht nur aufgrund der vorgeschalteten Mitgliederversammlung, bei der Staatssekretär Wolf ebenso zu

Gast war wie die Geschäftsführer bzw. Geschäftsführerin der befreundeten Verbände aus Hessen, Volker Tuchan (LHO) bzw. Yvonne Hüneburg (WBO) sowie Kai Neumann, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Busunternehmen (bdo). Hierbei ging es neben dem Anfang des Jahres eingeführten Preisindex für das Bundesland auch um die Sinnhaftigkeit von Vergaben an den billigsten Anbieter statt der nach Qualitätskategorien (auch hierzu wird in der nächsten Ausgabe ein Interview erscheinen).

Erstmals wurde in der Begleitausstellung mit rund 30 Anbietern die neue rheinland-pfälzische, verbundübergreifende Dachmarke „Move RLP“ vorgestellt, die neben nahtlosen digitalen Buchungsangeboten mit neuer Smartphone-App auch ein verbundübergreifendes Karriereportal sowie ausführliche Hinweise zur Barrierefreiheit von Haltestellen beinhalten und sukzessive ausgebaut werden soll. An einem Eisenbahnsimulator konnten interessierte Gäste zudem ihr Geschick und Interesse am Steuern eines Nahverkehrszuges unter Beweis stellen – eine Gelegenheit, die sich auch Staatssekretär Markus Wolf nicht entgehen ließ.

Autor: Thorsten Wagner

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