Startschuss für Nürnberger S-Bahn-Ausschreibung

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat gemeinsam mit dem Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg das Vergabeverfahren „S-Bahn Nürnberg 2031+“ im Umfang von 8,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr gestartet. Im Rahmen des europaweit offenen Vergabeverfahrens wird nun jenes Unternehmen gesucht, das von Dezember 2030 bis Dezember 2044 die S-Bahn-Linien im Großraum Nürnberg betreibt. Der Zuschlag wird voraussichtlich im ersten Quartal 2027 erfolgen.

Die BEG plant, finanziert und kontrolliert den Regional- und S-Bahn-Verkehr im Freistaat im Auftrag des bayerischen Verkehrsministeriums. Sie führt die Ausschreibung federführend durch, weil die Leistungen überwiegend in Bayern erbracht werden sollen. Es handelt sich um die erste Ausschreibung bei der Nürnberger S-Bahn gemeinsam mit Baden-Württemberg, da die Verlängerung des Netzes ins Nachbarland nach Crailsheim ab Ende 2024 noch im laufenden Vertrag realisiert worden ist. Aktuell ist die DB Regio das mit den Leistungen beauftragte Eisenbahnverkehrsunternehmen.

„Die Nürnberger S-Bahn ist ein wichtiger Pfeiler im bayerischen Bahnverkehr. Die Nachfrage dort ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen auf zuletzt 518 Millionen Personenkilometer im Jahr 2025. Wir wollen diese Erfolgsgeschichte auch im nächsten und übernächsten Jahrzehnt fortschreiben und machen bei der Ausschreibung trotz knapper Kassen und Unsicherheiten bei der Bundesfinanzierung keine Abstriche. Wichtig für die Kontinuität dieses Angebots wird angesichts der vielen attraktiven Fernverkehrstrassen im Knoten Nürnberg aber auch sein, dass die Bundespolitik die Weichen so stellt, dass wir künftig auch für die S-Bahnen die nötigen Trassen bekommen werden.“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, Aufsichtsratsvorsitzender der BEG

„Das Angebot der S-Bahn Nürnberg bewegt sich auf einem insgesamt hohen Niveau, speziell nach den jüngsten Verbesserungen“, sagt Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der BEG. „Dazu zählen die Einführung des 20-Minuten-Takts zwischen Nürnberg und Erlangen und die Verlängerung der S4 nach Crailsheim. Unser Verkehrsangebot deckt die Fahrgastnachfrage gut ab, und es besteht noch ein ausreichender Kapazitätspuffer für weiteres Fahrgastwachstum, auch durch die längeren Züge am Wochenende, die wir ab Ende 2030 bestellen. Wo es aktuell in der Hauptverkehrszeit voll wird in den Nürnberger S-Bahnen, macht es in der Regel die Infrastruktur unmöglich, das Angebot aufzustocken – zum Beispiel zwischen Nürnberg und Fürth, wo für die S-Bahn leider nur ein Gleis zur Verfügung steht.“

Der Umfang der ausgeschriebenen Verkehrsleistungen, von denen mit jährlich 0,1 Millionen Zugkilometer etwas mehr als ein Prozent in Baden-Württemberg anfällt, entspricht ungefähr dem heutigen Niveau. Auch das aktuelle Fahrplankonzept bleibt in weiten Teilen dasselbe, mit kleineren Anpassungen. So sollen bei der S4 ab Ende 2030 etwas mehr Fahrten im Abschnitt Ansbach – Crailsheim bestellt werden als heute. Daneben gibt es auch Verbesserungen bei den Kapazitäten: Künftig werden viele S-Bahnen auch von Freitagabend bis Sonntagabend mit zwei Zugteilen unterwegs sein, wie dies heute bereits von Montag bis Freitag tagsüber der Fall ist. Zugelassen sind bei den Angeboten sowohl Gebrauchtfahrzeuge ab Baujahr 2010 als auch Neufahrzeuge. Aufgrund der bestehenden Kapitaldienstgarantie des Freistaats verpflichtet die BEG den künftigen Betreiber zudem zur weiteren Nutzung von 27 Alstom-Fahrzeugen des Typs Coradia Continental aus dem aktuellen Verkehrsvertrag.

Die S5 Nürnberg Hbf – Allersberg über die Schnellfahrstrecke Nürnberg – Ingolstadt wird künftig nur noch in der Hauptverkehrszeit verkehren. Grund dafür ist, dass der RE 1 Nürnberg – Ingolstadt – München ab Ende 2028 stündlich fahren wird und nicht mehr nur alle zwei Stunden. In der Hauptverkehrszeit verdichtet sich auf diesem Abschnitt das Verkehrsangebot gegenüber heute: Durch die Kombination aus stündlicher S5 und stündlichem RE 1 ergeben sich dann halbstündliche Fahrtmöglichkeiten zwischen Nürnberg und Allersberg.

Hohe Qualitätsanforderungen

Die BEG stellt auch bei dieser Ausschreibung detaillierte Anforderungen hinsichtlich der Betriebs- und Servicequalität. Das Verkehrsunternehmen, das sich im Vergabeverfahren durchsetzt, erhält Zielwerte zur Pünktlichkeit. Unterschreitet das Unternehmen diese Werte, werden Strafzahlungen fällig. Fallen Züge komplett aus, erhält es keine Vergütung von der BEG – sind die Zugausfälle noch dazu vom Verkehrsunternehmen eigenverschuldet, erhebt die BEG zusätzlich Strafzahlungen. Außerdem misst die BEG die Servicequalität des Betreibers mithilfe von Tests und Fahrgastbefragungen. Zu den Kriterien zählen unter anderem die Sauberkeit der Züge, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung und die Fahrgastinformation. Unterschreitet ein Verkehrsunternehmen bei der Servicequalität die von der BEG vorgegebenen Zielwerte, muss es Strafzahlungen leisten. Übertrifft es die Mindestanforderungen, erhält es einen finanziellen Bonus.

Interessierte Unternehmen können ihre Angebote bis spätestens 18.01.2027 abgeben.

Detaillierte Informationen zum Vergabeverfahren im Steckbrief.

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