Sicherheit braucht Präsenz, Schutz und Finanzierung

Alle zwei Jahre befragt das unabhängige Meinungsforschungsinstitut KANTAR in einer bundesweit repräsentativen Befragung im Auftrag des VDV die Fahrgäste nach ihrer Zufriedenheit mit dem ÖPNV. Dieses Jahr gab es erstmals eine Sonderauswertung zum Thema Sicherheit. Die Befragung der insgesamt 2.213 Kunden des ÖPNV ergab dabei eine hohe Zustimmung zu zentralen Sicherheitsmaßnahmen im ÖPNV: 77 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Videoüberwachung im ÖPNV aus, 74 Prozent sind dafür, dass regelmäßige Ticketkontrollen durchgeführt werden. Besonders stark prägen der Sicherheits- und Abschreckungsnutzen sowie konkrete Maßnahmen bei Kontrollen die Wahrnehmung der Fahrgäste. Etwaige Datenschutzbedenken sind zwar vorhanden, prägen die Bewertung jedoch deutlich schwächer als das Sicherheitsgefühl, die Schutzwirkungen und die Kontrollakzeptanz.

„Persönliche Sicherheit ist ein zentrales Leistungsversprechen des ÖPNV – gegenüber den Fahrgästen ebenso wie gegenüber den Beschäftigten der Verkehrsunternehmen. Die Ergebnisse des VDV-Kundenbarometers zeigen, dass Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Verkehr auf hohe Zustimmung stoßen. Für die Branche ist das ein klarer Auftrag, Sicherheit sichtbar, wirksam und personell verlässlich zu gestalten. Das erfordert auch eine verlässliche Finanzierung, denn Sicherheitsmaßnahmen kosten Geld, das Bund und Länder bereitstellen müssen. Genau darüber müssen wir gemeinsam mit Politik, Behörden und Unternehmen sprechen – bei der 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz am 5. und 6. Oktober 2026 in Berlin.“

Ingo Wortmann, VDV-Präsident

Dass die persönliche Sicherheit nicht nur ein entscheidendes Versprechen für die Fahrgäste in Bus und Bahn, sondern auch ein wesentlicher Faktor für die Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen ist, steht in diesem Jahr besonders im Fokus von Branche und Politik. Nach der Auftaktveranstaltung im Mai 2025 geht es bei der 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz um die aktuelle Lage, um neue Erkenntnisse aus den vergangenen Monaten sowie um den Austausch über Herausforderungen und Lösungsansätze. „Sicherheitsmaßnahmen, zusätzliche Präsenz, Qualifizierung und technische Ausstattung sind nicht zum Nulltarif zu haben. Wenn Sicherheit im ÖPNV dauerhaft gestärkt werden soll, müssen Bund und Länder dafür die finanziellen Voraussetzungen schaffen“, so Wortmann.

Personal: Schutz schafft Vertrauen

Für die Branche ist besonders wichtig, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht nur aus Sicht der Fahrgäste, sondern auch mit Blick auf die Beschäftigten betrachtet werden. Die Sonderauswertung zeigt, dass Bodycams oder der Einsatz von zwei Mitarbeitern insbesondere mit dem Schutz des Kontrollpersonals verbunden werden. Zugleich wird deutlich: Je positiver das Auftreten des Kontrollpersonals wahrgenommen wird, desto höher ist auch die Zustimmung zu Ticketkontrollen. Sicherheit ist damit immer auch eine Frage von Präsenz, Professionalität und personeller Ausstattung. „Sicherheit im ÖPNV braucht klare Zuständigkeiten, wirksame Maßnahmen und gut vorbereitete Beschäftigte. Wer mehr Schutz für Fahrgäste und Mitarbeiter will, muss Prävention, Qualifizierung und konkrete Unterstützung im Betriebsalltag zusammendenken. Es geht um Sicherheit im Fahrzeug, an Haltestellen und in der Infrastruktur. Und es geht darum, die Menschen zu schützen, die täglich Verantwortung für Mobilität übernehmen. Dafür braucht es auch die finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern“, so Wortmann.

Maßnahmen: unterschiedliche Wirkung

Die Ergebnisse des Kundenbarometers zeigen außerdem, dass unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen unterschiedliche Funktionen erfüllen. Videoüberwachung wird vor allem mit Sicherheits- und Abschreckungswirkung verbunden. Bodycams oder Zwei-Personen-Teams stehen stärker für den Schutz des Kontrollpersonals. Ticketkontrollen werden insbesondere mit konsequentem Vorgehen verknüpft. Daraus ergibt sich für die Verkehrsunternehmen die Aufgabe, Sicherheitskonzepte differenziert und lagebezogen weiterzuentwickeln. Ergänzend rückt die 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz einen zweiten Themenblock in den Fokus: die Sicherheit in der Mobilitätsinfrastruktur. Angesichts der wachsenden Anforderungen an die Absicherung kritischer Infrastruktur gegen unterschiedliche Formen von Angriffen gewinnt dieser Aspekt für Verkehrsunternehmen, Aufgabenträger und Politik weiter an Bedeutung. Die Veranstaltung beleuchtet damit sowohl die Sicherheitslage im unmittelbaren Fahrgast- und Betriebsumfeld als auch die Resilienz der Infrastruktur.

Konferenz: Austausch ermöglicht Lösungen

Die 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz richtet sich an Mitarbeitende aus Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünden ebenso wie an Akteure aus Behörden, Sicherheitsorganisationen, sozialen Einrichtungen sowie an Industrie und Dienstleister, die mit Security im ÖPNV befasst sind. Neben Fachvorträgen und Diskussionen bietet die Konferenz Raum für den Austausch untereinander und mit den Referierenden. Ziel ist es, Perspektiven zusammenzuführen, Praxisbeispiele sichtbar zu machen und tragfähige Ansätze für mehr Sicherheit im Nahverkehr weiterzuentwickeln. Der VDV sieht in der Konferenz deshalb einen wichtigen Ort für Übersicht über die aktuelle Lage, für Praxisbeispiele und für Debatten zur Security im Nahverkehr. „Klar ist: Mehr Sicherheit braucht nicht nur gute Konzepte und abgestimmte Maßnahmen, sondern ebenso eine verlässliche Finanzierung. Bund und Länder müssen die dafür notwendigen Mittel bereitstellen“, so Wortmann.

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