Strategische Partnerschaft für autonomes Fahren

Die Vetter Verkehrsbetriebe, die MoPla Solutions GmbH und die Bliq GmbH haben eine strategische Partnerschaft zur Einführung des autonomen Fahrens im öffentlichen Nahverkehr geschlossen. Mit dem am 24. August 2026 unterzeichneten Letter of Intent (LOI) wollen die drei Unternehmen autonome Shuttle-Lösungen als festen, sicheren und skalierbaren Bestandteil künftiger Mobilitätskonzepte etablieren.

Ausgangspunkt ist ein gemeinsames Pilotprojekt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, das die Vetter Verkehrsbetriebe seit Mai 2026 vorbereiten. Langfristiges Ziel ist die Integration autonomer Shuttles der Automatisierungsstufe SAE Level 4 in den ÖPNV-Regelbetrieb. Parallel dazu eröffnet der von Bliq entwickelte Ansatz einer fernüberwachenden technischen Aufsicht (Remote Supervision) bereits jetzt die Möglichkeit, autonome Shuttles im Landkreis kommerziell einzusetzen – während die aufwendigere L4-Zulassung vorbereitet wird, kann so schon kurzfristig ein realer Fahrgastbetrieb entstehen. Damit begegnen die Partner der Herausforderung dünn besiedelter Räume mit geringer Busfrequenz und langen ersten und letzten Meilen. Das Projekt wird wissenschaftlich von der Hochschule Anhalt begleitet.

Mit dem LOI bündeln die drei Unternehmen ihre jeweiligen Kompetenzen. Die Vetter Verkehrsbetriebe bringen ihre Expertise im ÖPNV- und On-Demand-Betrieb sowie den Zugang zu Einsatzgebieten, Leitstellen und Fahrgästen ein. MoPla Solutions steuert die eigene digitale Mobilitätsplattform bei, über die Linienverkehr, Rufbusse, On-Demand-Fahrten und Ticketing gebündelt werden, und bringt über die MoPla myway-Flotten Erfahrung in Ride-Pooling, Disposition und Abrechnung mit. Bliq bringt die fahrzeug- und softwareseitige Technologie für autonomes Fahren ein und ist nach eigenen Angaben das erste Unternehmen mit einer EU-Zulassung für den Betrieb ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Alle drei Partner sind privatwirtschaftlich organisiert, was die Kooperation nach eigenem Anspruch besonders schlank und umsetzungsstark macht.

Konkretes Ziel ist es, bereits in 2027 fünf autonome Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, die für Fahrgäste im Landkreis buchbar und erlebbar sind. Als Basisfahrzeuge dienen der kompakte Hyundai Ioniq 5 und mit dem KIA PV5 auch ein 7-Sitzer. In den Folgejahren ist ein ambitionierter und skalierter Hochlauf vorgesehen, der auch weitere Bediengebiete einschließen soll. Die Zusammenarbeit ist dabei auf iteratives, agiles Vorgehen ausgelegt: Tests, Demonstratoren und Feldversuche sollen gemeinsam geplant und ausgewertet werden.

Der LOI beschreibt für das Pilotprojekt einen wichtigen Meilenstein: Nach der Fördermittelzusage im Juli und der politischen Abstimmung mit dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld sowie dem Land Sachsen-Anhalt ist mit Bliq nun ein technologischer Systempartner benannt, mit dem die weiteren Schritte konkretisiert und umgesetzt werden.

„Mit der Partnerschaft von Vetter, MoPla und Bliq gehen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einem übertragbaren Betriebsmodell für autonome Mobilität im ländlichen Raum. Uns geht es darum, Mobilität dort zu sichern, wo klassische Linienangebote an ihre Grenzen stoßen – und damit Arbeits- und Lebensstandorte im Landkreis besser erreichbar zu machen. Anhalt-Bitterfeld will hier Vorreiter für Sachsen-Anhalt sein.”

Andy Grabner, Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld

„In einigen Großstädten, insbesondere in den USA und China, ist das autonome Fahren bereits Normalität und auch in Deutschland sollen demnächst Modellprojekte starten. Bislang fehlen jedoch Projekte, die die Potenziale des autonomen Fahrens gezielt auf die Anforderungen und Mobilitätsbedürfnisse ländlicher Räume ausrichten. Wir von der Hochschule Anhalt freuen uns, das Projekt mit unserem wissenschaftlichen Know-how zu unterstützen.“

Prof. Dr. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule Anhalt
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