Bahnhöfe der Zukunft: Drehkreuze für nutzerfreundliche Mobilität

Bahnhöfe sind Drehkreuze für eine zukunftsfähige Mobilität: Sie ermöglichen Reisenden den Wechsel zwischen Zug, Bus, Fahrrad und Sharing-Angeboten. Doch viele Bahnhöfe werden den Anforderungen an eine solche multimodale Mobilität bislang kaum gerecht. Ein Forschungsteam unter Leitung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hat deshalb im Auftrag des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF) beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für nutzerfreundliche Bahnhöfe entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, wie Bahnhöfe zu zentralen Orten der Mobilitätswende werden können.

Der Bahn kommt bei der Mobilitätswende eine wichtige Rolle zu: Steigen mehr Menschen auf das klimafreundliche Verkehrsmittel um, können die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutlich sinken. Voraussetzung dafür ist auch, dass der Umstieg auf andere Verkehrsmittel unkompliziert gelingt. Dazu braucht es an Bahnhöfen mehr als eine funktionierende Infrastruktur und verlässliche Züge. Reisende müssen sich gut orientieren können, sich sicher fühlen und gerne dort aufhalten.

Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut, dem Offenbach Institut für Mobilitätsdesign (OIMD) an der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG), dem Entwurfsbüro für Mobilitätsarchitektur Gateways (Amsterdam) sowie Nuts One, Zahlengrün Sozial- und Nachhaltigkeitsforschung und aproxima Gesellschaft für Markt und Sozialforschung hat das ISOE mit umfangreichen empirischen und analytischen Verfahren die Anforderungen von Bahnreisenden an Bahnhöfe ermittelt.

Bahnhöfe als Schlüsselorte der Mobilitätswende

„Ob Menschen den Aufenthalt an Bahnhöfen als attraktiv erleben, entscheidet sich daran, wie gut sie sich in ihren Mobilitätsbedürfnissen unterstützt und als Reisende wertgeschätzt fühlen.“ Dazu gehöre, dass Bahnreisende sich auf eine funktionierende Anschlussmobilität verlassen können. „Verkehrsübergreifende Angebote, die den Schienenpersonenverkehr möglichst nahtlos mit anderen umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Straßenbahn, Bus, Rad oder Sharing-Angeboten verknüpfen, müssen komfortabel, einfach und verlässlich an Bahnhöfen verfügbar sein“, sagt Deffner. Für Akteure wie die Deutsche Bahn, Kommunen, Verkehrsunternehmen und weitere Mobilitätsanbieter sei der Umbau hin zu sogenannten multimodalen Drehkreuzen eine große Herausforderung und zugleich ihr zentraler Beitrag zur Mobilitätswende. Doch wie gelingt die Umsetzung?

Das Forschungsteam im Projekt „Bahnhof der Zukunft“ zeigt unter anderem mit einem Zukunftsbild und einem Maßnahmenkatalog, wie Bahnhöfe nutzerfreundlicher gestaltet werden können. Der Katalog umfasst 32 Maßnahmen, die unterschiedliche Bereiche wie Architektur, Mobilitätsangebote oder Managementempfehlungen betreffen. Das Forschungsteam hat davon zehn Schlüsselmaßnahmen priorisiert, die Bahnhöfe in ihrer Funktion als multimodale Plattform unterstützen. Dazu zählen beispielsweise eine konsequent intermodale Gestaltung und ein durchgehendes Design, hochwertige Fahrradabstellanlagen, und verbesserte Mobilitätsberatung. 

Forschung zur Nutzerfreundlichkeit: Von der User Journey bis zur Virtual-Reality-Empirie

Das Forschungsteam hat sich eng an den Bedürfnissen von Reisenden orientiert und für eine systematische Erhebung verschiedene empirische und analytische Verfahren kombiniert. Dazu gehörte eine bundesweite repräsentative Befragung im Jahr 2023, die das ISOE geleitet hat. „Ein zentraler analytischer Schritt für die Maßnahmenentwicklung war dann die Arbeit entlang der User Journey“, berichtet Marten Wassmann, Architekt bei Gateways, Amsterdam.„Das heißt, wir haben idealtypische Abläufe der Nutzung entlang eines multimodalen Weges am Bahnhof nachvollzogen. Hierdurch konnten wir Schlüsselmomente wie Ankommen, Orientieren, Warten und Umsteigen und den Umgang mit Störungen aus Nutzersicht strukturiert beschreiben und in konkrete Nutzungsanforderungen übersetzen.“

In zwei immersiven Bahnhofsumgebungen konnten die Befragungsteilnehmer schließlich mit einer Virtual-Reality-Empirie konkrete Maßnahmen realitätsnah erleben, sich orientieren, Informationen aufnehmen und typische Nutzungssituationen durchlaufen. Bei den Erhebungen sei deutlich geworden, dass für Reisende neben Infrastruktur und Service die Atmosphäre am Bahnhof sehr wichtig sei. „Einen Bahnhof zu gestalten, bedeutet auch, Emotionen zu berücksichtigen“, betont Peter Eckart vom OIMD. „Was löst die Gestaltung aus, kann sich die reisende Person mit dem Ort identifizieren, kann sie die Angebote intuitiv nutzen, sind diese barrierefrei? Diese Fragen stehen im Zentrum jeder Bahnhofserneuerung.“ 

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