Die Zukunft des Linienbus-Betriebs in Nordhessen

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) will das Thema „Alternative Antriebe im Linienbusverkehr“ weiter voranbringen – und hat hierzu eine zweitägige Veranstaltung in Rotenburg an der Fulda ausgerichtet. Daran nahmen Vertreter von 13 Busverkehrsunternehmen teil. Darüber hinaus waren Beratungsunternehmen, Energieversorger, Infrastrukturanbieter und lokale Nahverkehrsorganisationen an dem Workshop beteiligt.  

Aktuell sind 97 Prozent der Linienbusse im NVV-Gebiet mit Diesel-Antrieb unterwegs – Elektrobusse kommen bislang nur in den Stadtverkehren in Kassel (Kasseler Verkehrs-Gesellschaft) sowie in Eschwege und Melsungen (Frölich-Linie) zum Einsatz. In den kommenden Jahren wird sich dies jedoch ändern: Der Anteil an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben soll angepasst werden.  

Welche Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen, welche Chancen die Antriebswende bietet und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind, darum ging es bei der vom NVV ausgerichteten Workshopveranstaltung. Denn die Rahmenbedingungen für den Linienbusverkehr werden sich durch den vermehrten Einsatz alternativer Antriebstechnologien verändern – dies betrifft Fahrzeugbeschaffung, Energieversorgung, Betriebshöfe, Werkstätten, Personalqualifikation, Betriebsplanung, Finanzierung und Vergabe.  

Langfristiges Ziel des NVV ist es, dass auch unter diesen veränderten Bedingungen kleine und mittelständische Verkehrsunternehmen weiterhin im Wettbewerb in der Region bestehen können. Eine wichtige Frage dabei ist beispielsweise, wo und wie Linienbusse mit elektrischem Antrieb geladen werden können: Müssen Verkehrsunternehmen ihre Betriebshöfe mit Lademöglichkeiten ausstatten, oder können Linienbusse öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in der Region nutzen?  Mit diesen und weiteren Fragen haben sich die Workshop-Teilnehmenden zwei Tage lang intensiv beschäftigt.  

Volker Tuchan als Geschäftsführer des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmen (LHO) sagte dazu: „Um eine Anbietervielfalt im Markt zu erhalten, ist es notwendig, die Antriebstransformation gemeinsam mit den Unternehmen zu gestalten. Wir sind deshalb froh, in diesem Workshop die Stimme der Unternehmen mit einbringen zu können. Solche Formate tragen dazu bei, sich rechtzeitig mit den Aufgaben und Herausforderungen auseinanderzusetzen und faire Lösungen für den Wettbewerb zu finden.” 

Konstantin Frölich, einer der Geschäftsführer des Busunternehmens Frölich-Linie, zeigte sich überzeugt: “Die Antriebstransformation macht uns zu einer sehr innovativen Branche, die an Attraktivität gewinnen wird.” 

Fabien Laurent vom Beratungshaus KCW, der den Workshop mitgestaltete, sagte: “Es werden spannende Zeiten. Wir sehen heute schon, dass die Gesamtbetriebskosten von Diesel- und Elektroantrieben sich annähern. Die Entwicklung bei Fahrzeug- und Energiepreisen soll die Attraktivität elektrischer Antriebe gegenüber Dieselantrieben in den kommenden Jahren weiter steigern.” 

Die Veranstaltung ist einer von mehreren Bausteinen, mit denen der Nordhessische Verkehrsverbund die Antriebswende im Linienbusverkehr begleitet. Der NVV will Menschen in der ÖPNV-Branche motivieren, an den einzelnen Themen mitzuwirken. In den vergangenen Monaten hat der NVV begonnen, in Zusammenarbeit mit Busunternehmen und Fahrzeugherstellern den Einsatz alternativer Antriebsformen im Linienbusbetrieb zu testen. Der Testbetrieb wird sich auf Buslinien in allen fünf nordhessischen Landkreisen verteilen. Der NVV hat das Testprojekt initiiert und begleitet die Studien eng.  

Bei den ersten Tests zeigten sich die beteiligten Verkehrsunternehmen überrascht über die große Reichweite der Elektrobusse – trotz der bergigen Topografie in Nordhessen. Ein Testbus fuhr z.B. mit einer Ladung mehrfach von Eschwege nach Kassel und zurück (insgesamt etwa 400 Kilometer). Auch die Rückmeldungen der Fahrer fielen insgesamt positiv aus: Besonders hervorgehoben wurden der hohe Fahrkomfort sowie die deutlich geringere Geräuschentwicklung im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen.  

Ausbaubedarf gibt es indes bei der Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in Nordhessen:

„Eine verlässliche und flächendeckende Ladeinfrastruktur im NVV-Gebiet ist Grundvoraussetzung für die Antriebswende im Linienbusverkehr. Deshalb prüft der Nordhessische VerkehrsVerbund, welche Möglichkeiten es für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in der Region gibt. Dazu befinden wir uns im engen Austausch mit Institutionen und Unternehmen aus der Region und über die Region hinaus. Die finale Umsetzung steht und fällt mit der finanziellen Förderung durch den Bund.“  

NVV-Geschäftsführer Marian Volmer.
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