Der Lkw- und Bushersteller MAN Truck & Bus hat nach eigener Aussage einen wichtigen Meilenstein im Bereich des automatisierten Fahrens erreicht. Das Unternehmen hat gemeinsam mit dem neuen Technologiepartner Adastec, der unlängst für Norwegen die erste volle Level-4-Genehmigung für das autonome Fahren ohne Sicherheitsfahrer angekündigt hat, einen vollelektrischen Stadtbus automatisiert.
„Damit machen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagt Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus. Im Rahmen des Forschungsvorhabens MINGA soll die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) das Fahrzeug ab Herbst im Münchner Stadtverkehr testen, der niederländische Hersteller Ebusco ist ebenfalls zum Thema „Platooning“ mittels elektronischer Kupplung eingebunden. In Berlin ist MAN ebenfalls in das Projekt „BeIntelli“ mit einem 12m-Stadtbus eingebunden, der seit 2025 im Praxiseinsatz ist. Bisher sind weltweit sehr wenige Projekte mit solchen Großbussen realisiert worden.
In den vergangenen Monaten habe MAN einen vollelektrischen Lion’s City 12 E in enger Zusammenarbeit mit seinem neuen Partner Adastec mit einem Automated Driving System (ADS) ausgestattet und dieses in die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs integriert. Bisher arbeiteten die Münchener eher mit dem israelischen Anbieter Mobileye zusammen, die auch mit MOIA kooperieren. Damit sei das Fahrzeug, das über fünf LiDAR -Sensoren, sechs Radare, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) verfügt, technisch in der Lage, automatisiert zu fahren. Aktuell finden erste Erprobungsfahrten auf dem MAN-Gelände statt, bei denen unter anderem spezifische Fahrmanöver wie das Heranfahren an Bushaltestellen getestet werden. Ziel dieser Phase ist die Feinjustierung des Systems, die Gewinnung von wichtigen Betriebsdaten sowie die weitere Optimierung der automatisierten Fahrfunktionen.
Autonomer Pilotbetrieb im Münchner Linienverkehr geplant
Im Anschluss an die Erprobung auf MAN-Gelände soll der automatisierte Elektrobus im Straßenverkehr in München unterwegs sein – zunächst ohne Fahrgäste. Diese Fahrten dienen als finale Testphase unter realen Bedingungen. Im Herbst soll die MVG dann den offiziellen Pilotbetrieb mit einer geschlossenen Nutzergruppe starten – ein übliches Vorgehen bei solchen Projekten. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem eigenständig lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Ein Sicherheitsfahrer ist an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Dabei ist auch vorgesehen, das Feedback der Testnutzerinnen und -nutzer systematisch auszuwerten. Wann und unter welchen Voraussetzungen die Mitfahrt möglich ist, wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Mit dem Einsatz automatisierter Busse verfolgt MAN das Ziel, den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Städte und eines zunehmenden Fahrermangels in der Nutzfahrzeugbranche bieten automatisierte Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots. „Darüber hinaus kann autonomes Fahren dazu beitragen, Verkehrsunfälle auf den Straßen zu reduzieren und damit die Sicherheit zu erhöhen“, so Roth. Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen ein. MAN arbeitet seit Jahren an fahrerlosen Bussen und plant, in der nächsten Dekade ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug auf SAE-Level 4 auf den Markt zu bringen – für eine urbane Mobilität, die emissionsfrei, vernetzt und automatisiert ist.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sagt zu dem Projekt: „Autonomes Fahren ist ein wichtiger Schlüssel zur Mobilität der Zukunft. Es steht vor allem für mehr Effizienz und mehr Teilhabe im Straßenverkehr für Bürgerinnen und Bürger. Projekte wie der vollelektrische, automatisierte Stadtbus von MAN in München sind daher wegweisend für den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland. Wir unterstützen solche Vorhaben ausdrücklich. Hier wird Pionierarbeit geleistet, die weit über die Region und die Stadt München hinausstrahlen wird.“
Mit Adastec setzt MAN im Forschungsprojekt MINGA auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 (vollautomatisierte Fahrzeuge) für Busse und Nutzfahrzeuge.
MINGA als Schlüsselprojekt für die Mobilität der Zukunft
Das Forschungsvorhaben MINGA (Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons) wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“.
Autor: Thorsten Wagner









