Die RMV On-Demand Shuttles (Bild: RMV / Jana Kay)

Neue Studie: Wirkung von On-Demand-Verkehren im ÖPNV

On-Demand-Verkehre gelten vielen als Hoffnungsträger für einen besseren öffentlichen Verkehr – andere sehen in ihnen vor allem ein teures Zusatzangebot ohne nachhaltige Wirkung. Beide Sichtweisen greifen zu kurz. Denn die neue Studie „Vom Piloten ins System. Empirische Befunde zur Wirkung von On-Demand-Verkehren im ÖPNV“ von Ramboll Management Consulting zeigt: Der Beitrag von Bedarfsverkehren hängt entscheidend vom Kontext ab – und wird nicht selten falsch eingeordnet.

Schluss mit der Pilotlogik: Neue Evidenz auf breiter Datengrundlage

Für die Studie wurden mit freundlicher Genehmigung der Aufgabenträger Daten aus über 100 Bediengebieten und mehr als 50 On-Demand-Angeboten aus den Datenbeständen von ioki und Via ausgewertet und in Bezug zum bestehenden ÖPNV und dessen Angebotsqualität gesetzt. Damit liegt erstmals eine empirische Grundlage vor, die über einzelne Pilotprojekte und Best-Practice-Beispiele hinausgeht.

„On-Demand wird in der Diskussion oft überhöht oder pauschal abgelehnt. Unsere Analyse zeigt, dass beides nicht trägt – entscheidend ist, wie und wo die Angebote eingesetzt werden“, sagt Dr. Eva Fraedrich, Senior Manager bei Ramboll Management Consulting und eine der Autorinnen der Studie.

Zentrale Erkenntnis: Mehr Wirkung durch neue Verbindungen – nicht einfach durch mehr Angebot

Die Ergebnisse schärfen die Einordnung von On-Demand-Verkehren in einer oft verkürzten Debatte und liefern eine belastbare Grundlage für eine systematische Verortung der Angebote innerhalb des öffentlichen Verkehrs:

  • Ein Netz im Netz: Der größte Mehrwert von On-Demand-Verkehren liegt nicht in einer Verdichtung des Angebots, sondern in der Schaffung neuer Verbindungen, die im Linienverkehr oft nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Mitteleinsatz darstellbar wären.
  • On-Demand funktioniert nur mit klarer Zieldefinition und Priorisierung. Angebote können Zugang sichern, Angebotslücken schließen oder Qualität steigern – aber nicht alles gleichzeitig. Ohne klare Zielsetzung steigt der Mitteleinsatz bei begrenztem Nutzen.
  • On-Demand ist kostenintensiv – aber nicht automatisch unwirtschaftlich. Entscheidend ist nicht der Kostenvergleich einzelner Verkehrsmittel, sondern welche Bedienqualität mit einem gegebenen Budget im Gesamtsystem erreicht wird.

„On-Demand ist kein Allheilmittel, sondern ein gezielt einzusetzendes Instrument. Es kann systemische Defizite adressieren – aber nur, wenn es konsequent darauf ausgerichtet wird“, so Fraedrich.

Konsequenz: Neue Maßstäbe für Planung und Finanzierung

Die Studie zeigt auch, dass sich die Perspektive auf On-Demand grundlegend ändern muss: Nicht der Vergleich einzelner Verkehrsmittel (beispielsweise über die Kosten pro Fahrt oder Kilometer) sollte im Vordergrund stehen, sondern die Frage, welches Leistungsniveau mit einem gegebenen Budget im Gesamtsystem erreicht wird. Damit wird On-Demand zu einem strategischen Baustein des ÖPNV – nicht zu einem zusätzlichen Angebot neben bestehenden Strukturen. Voraussetzung dafür ist eine klare Rolle im System, eine konsequente Integration in bestehende Angebote und eine gezielte Priorisierung der Einsatzbereiche.

Die vollständige Studie „Vom Piloten ins System. Empirische Befunde zur Wirkung von On-Demand-Verkehren im ÖPNV“ steht ab sofort zum Download auf der Ramboll Webseite bereit.

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