„Schiene NRW“ braucht regionale und fachliche Kompetenz

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert Stärkung von regionaler Kompetenz und Sachkompetenz und bessere finanzielle Ausstattung der Organisation des Schienenverkehrs. In der Anhörung von Experten vor dem Landtag NRW am 27. März 2026 wird der Fahrgastverband diesen Standpunkt deutlich machen. Anlass ist die Beratung über die Gründung eines zentralen Aufgabenträgers „Schiene NRW“. Hierfür liegt dem Landtag NRW eine Novellierung des Gesetzes über den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNVG) vor. In Nordrhein-Westfalen soll die Organisation des Schienenverkehrs durch Gründung des Dachaufgabenträgers Schiene.NRW gebündelt werden, der die Aufgaben der bisher drei zuständigen Zweckverbände VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr), NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe) und go.Rheinland übernehmen soll.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt die Bildung einer schlagkräftigen Organisation, die künftig den Schienenverkehr für die Bürger zwischen Rheine und Siegen, zwischen Aachen und Minden zentral gestalten soll, fordert aber weiterhin Verbesserungen der Organisation.

„Die Gremien müssen mit mehr Fachkompetenz besetzt werden, die Anzahl der Hauptverwaltungsbeamten muss für eine erfolgreiche Schiene.NRW reduziert werden“, ist sich Dr. Andreas Schröder sicher, der Pro Bahn-Landesvorsitzende NRW aus Düsseldorf. „Daher werden wir dieses bei der Experten-Anhörung des Landtages am 27. März deutlich äußern, damit Fahrgäste eine größere Chance für ein besseres Schienennetz bekommen.“ Bisher ist vorgesehen, dass eine festgelegte Anzahl von Oberbürgermeistern und Landräten persönlich Entscheidungen für den Schienenverkehr in NRW beschließen sollen.

„Die Interessen des Landes NRW müssen gegenüber Bundesregierung und Deutscher Bahn effizient durchgesetzt werden“, erklärt Schröder. „Dafür braucht es große Kompetenz. Wir können nicht erwarten, dass sich Oberbürgermeister und Landräte höchstpersönlich mit den besonderen Bedingungen des Eisenbahnwesens auskennen, und fordern daher von der Landespolitik, dass in erster Linie fachkompetente Bürger und Politiker in die Gremien berufen werden. Leider macht der vorliegende Gesetzentwurf den Fehler, zu viele führende Kommunalbeamte in die Gremien zu berufen, die den Tisch jeden Tag schon mehr als voll haben und sich in ein so komplexes Thema wie die Eisenbahn gar nicht einarbeiten können, häufig auch nicht wollen.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht es daher als unverzichtbar an, dass die Interessen der Fahrgäste aus den Regionen mit ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen in einer landesweiten Organisation mehr Gewicht bekommen. Dazu gehört auch, dass regionale Organisationen nicht ausgehungert werden, die mit ihrer Ortskenntnis die Zuarbeit leisten können. Sie brauchen deutlich mehr Einfluss bei „Schiene NRW“.

„Die effiziente Gestaltung von Rhein-Ruhr-Express (RRX), Regionalbahnen und S-Bahn in NRW ist ein unerlässlicher Bestandteil des Verkehrsnetzes in Nordrhein-Westfalen und ihre Funktionsfähigkeit mindestens genauso wichtig wie die Autobahnen“, weiß Dr. Thomas Probol, stellvertretender Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes in NRW. „Investitionen und neue Arbeitsplätze sind nur attraktiv, wenn Betriebe und Bildungseinrichtungen auch über größere Entfernungen mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sind. Politiker unterschätzen den Wunsch vieler Fachkräfte und Entscheidungsträger, mit einer schnellen und zuverlässigen Bahn zur Arbeit fahren zu können. Das zeigen Firmenansiedlungen in Mönchengladbach und das Interesse an Firmen an der Wiederinbetriebnahme der Bahnlinien nach Verl und Harsewinkel in Ostwestfalen.“

Die Entwicklung des Schienennetzes muss nach Auffassung des Fahrgastverbandes aktiv durch das Land NRW durch Ergänzung im Gesetzentwurf gefördert werden. Schienen sind auch für den Gütertransport im Industrie- und Logistikstandort Nordrhein-Westfalen unverzichtbar. Daher liegt es im zentralen Landesinteresse, wenn Personen- und Güterverkehr gemeinsam gestaltet und entwickelt werden. Das beginnt bei kleinen Maßnahmen, wie zum Beispiel ausreichend Weichen an Bahnhöfen, über zusätzliche Gleise für S-Bahnen bis hin zu Reaktivierungen und Neubaustrecken. Der neue Dachaufgabenträger Schiene.NRW ist die einzige Chance, die Entwicklung des Landes mit der notwendigen Schienenkompetenz in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft des Landes zu entwickeln. Pro Bahn verweist insbesondere auf die erfolgreiche Zusammenarbeit von go.Rheinland mit Industrie- und Handelskammern, die in gemeinsamen Gutachten gezeigt haben, wo es beim Ausbau des Schienenverkehrs wirklich klemmt und Züge im Stau stehen. Die gemeinsame Entwicklung von Güter- und Personenverkehr gehört muss gesetzlich geregelt werden.

Schröder bringt noch einen letzten wichtigen Punkt ins Spiel: „Die Pauschalen für die Kommunen zum Betrieb von Bussen, Straßen- und U-Bahnen sind seit Jahren nicht angepasst worden. Die im Gesetz geplante Erhöhung ist nur Makulatur, da andere Töpfe dafür wegfallen. Der Kaufkraftverlust ist seit über 10 Jahren nicht ausgeglichen worden. Hier fordern wir vom Gesetzgeber Nachbesserung. Und wenn man die Qualität des von Bahnen und Bussen auch noch ausbauen will, muss diese Nachbesserung noch höher ausfallen als der Realverlust durch Inflation.“

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