DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch (Quelle: DUH)

Stuttgart-31-Kapazitätstest: Deutsche Umwelthilfe lässt Tiefbahnhof untersuchen

Nach der Erklärung von Werner Stohler, dem ehemaligen Chef des Schweizer Verkehrsberatungsunternehmens SMA, dass der offizielle Stresstest für Stuttgart 21 aus dem Jahr 2011 „eine absolut theoretische wissenschaftliche Kapazitätsüberlegung war, die nichts mit der fahrplanmäßigen Realität zu tun hat“, lässt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auf Basis des tatsächlichen Zugverkehrs im Stuttgarter Kopfbahnhof untersuchen, wie dieser im künftigen Tiefbahnhof Stuttgart 31 aufgenommen werden kann. Stohler sagte gegenüber den Filmemachern Klaus Gietinger und Christoph Engelhardt, er „habe eben selber nicht an diese Kapazitätsrechnung geglaubt“. Mit Blick auf den achtgleisigen Tiefbahnhof erklärte Stohler zudem: „Diese acht Gleise hätten beileibe nicht die Anschlussqualität ermöglicht, die man von einem Knotenbahnhof erwartet“. Die Untersuchung des Schweizer Unternehmens bescheinigte seinerzeit, dass der Tiefbahnhof 49 Züge pro Stunde bewältigen könnte. Stohler setzte damals unter diese Untersuchung seine Unterschrift.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH:

„Wir machen jetzt den Realitätscheck für den Stuttgarter Tiefbahnhof S31. Seit 15 Jahren wissen Bund, Land und Stadt, dass sie fortlaufend von der Deutschen Bahn AG belogen wurden und werden, was die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs angeht. Dieser ist zu klein, um auch nur den aktuellen Bahnverkehr in Stuttgart aufzunehmen. Nach dem Klimaschutzprogramm 2023 soll die Verkehrsleistung im Schienenpersonalverkehr bis 2030 sich sogar noch verdoppeln und auch danach weiter wachsen. Mit der von uns beauftragten Untersuchung wollen wir den realen heutigen Bahnverkehr im Stuttgarter Kopfbahnhof virtuell in den Tiefbahnhof verlegen und betrachten, wie das angesichts der langen An- und Abfahrtstrecken, Bremskurven sowie der benötigten Zeit für das Aus- und Einsteigen ohne und mit den realen Verspätungen im Bahnverkehr möglich sein soll. Wir machen damit die Arbeit, die die DB AG und die politisch Verantwortlichen in Bund, Land und Stadt bislang unter Verweis auf die sich inzwischen als wertlos herausgestellte SMA-Studie verweigern. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass S31 weder den aktuellen Verkehr noch den bis 2030 und darüber hinaus weiterwachsenden Bahnverkehr bewältigen kann. Daher muss endlich ‚Plan B‘ für Stuttgart erarbeitet werden: Erhalt und Sanierung des Kopfbahnhofs zusätzlich zum irgendwann vielleicht in den 30er Jahren fertiggestellten Tiefbahnhof. Wir fordern Bahnchefin Palla auf, endlich die Weichen zu stellen für den dauerhaften Erhalt des Kopfbahnhofs und der dort direkt angebundenen Gäubahn.“

Hintergrund

Grundlage der neuen Untersuchung ist der tatsächlich gefahrene Zugverkehr eines ausgewählten Freitags im September. Für sämtliche an diesem Tag im Stuttgarter Hauptbahnhof verkehrenden Züge werden unter anderem Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Halte- und Wendezeiten, Zugfolgezeiten, Laufwege und Gleisbelegungen ausgewertet. Anschließend wird Zug für Zug geprüft, welche Verkehre ohne Veränderung ihrer heutigen Struktur im achtgleisigen Tiefbahnhof störungsfrei abgewickelt werden können.

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