Mitteldeutsche Busbranche stellt Weichen für die Mobilität von morgen

Die mittelständischen Omnibusunternehmen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt blicken trotz wachsender Herausforderungen zuversichtlich in die Zukunft. Steigende Betriebskosten, Fachkräftemangel, Antriebswende, Digitalisierung und künstliche Intelligenz verlangen von den Betrieben mehr denn je eine strategische Planung, um das Nahverkehrsangebot und die Bustouristik langfristig zu sichern. Wie die Branche diese Aufgaben bewältigen kann, stand im Mittelpunkt des 21. Mitteldeutschen Omnibustages am 4. und 5. November in Halle. Über 200 Teilnehmer und rund 60 Aussteller und nutzten die Veranstaltung zum fachlichen Austausch. Zugleich wurden 30 Jahre Verbandsarbeit des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmen e.V. (MDO) gewürdigt.

„Die Mobilität mit dem Bus hat eine sehr gute Zukunft“, betonte MDO-Vorsitzender Mario König. Die Unternehmen sind aktiv dabei, den Wandel zu einem modernen klima- und fahrgastfreundlichen Beförderungsangebot zu gestalten. Allerdings steht die Branche stets unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Im öffentlichen Personennahverkehr können Unternehmen die massiv steigenden Mehrkosten, wie z. B. für Treibstoff und Personal, nicht über Fahrpreise ausgleichen, unter anderem weil das preislich vom Gesetzgeber fixierte Deutschland-Ticket den unternehmerischen Gestaltungsspielraum bremst.

Gleichzeitig stehen die kommunalen Auftraggeber unter finanziellem Druck und einer steten Debatte um die Finanzierungen von Bund und Ländern. Das bedingt schon seit Jahrzehnten immer höhere Ausgleichszahlungen von Landkreisen und Gemeinden. „Dennoch und gerade deshalb gilt unser Appell an die Politik, uns Omnibusunternehmern mehr als eine nur auskömmliche Finanzierung zu gewährleisten. Nur so können wir langfristig sicher planen und investieren, um den Busverkehr gerade im ländlichen Raum zuverlässig zu gewährleisten und auch im Sinne der Verkehrswende auszubauen“, so Mario König mit Nachdruck.

Besonders aktuell ist die politische Debatte um die Regionalisierungsmittel des Bundes für den ÖPNV, der auch in Anteilen dem Busverkehr zugutekommt und dort besonders die landesbedeutsamen Buslinien sicherstellt und für die Umstellung auf Barrierefreiheit notwendig ist. Budgetverschiebungen dürfen nicht zu Lasten der Überlandverkehre mit Bussen führen und solch ambitionierte politische Ziele wie einen integrierten Taktverkehr mit PlusBus- und TaktBussen gefährden.

Auch die Umstellung auf die Elektromobilität kommt nun aus den Kinderschuhen und wird flächendeckend ausgerollt. Sie erfordert Investitionen mit einem Planungshorizont von weit über zehn Jahren. Fahrzeuge, Betriebshöfe, Ladeinfrastruktur und Stromnetze müssen gemeinsam betrachtet werden. Die technische Machbarkeit ist weitgehend gegeben, langfristig versprechen Elektrobusse wirtschaftliche Vorteile, besonders unter dem herrschenden Preisniveau für fossile Kraftstoffe. Allerdings laufen Förderprogramme aus und öffentliche Mittel werden knapper. Gefragt sind deshalb tragfähige Finanzierungskonzepte, die nicht allein auf Zuschüssen beruhen. Die Branche spricht sich für eine gezielte Steuerentlastung bei Strom und Kraftstoffen und mehr Flexibilität bei Förderbedingungen aus.

Wertvolle Impulse für Unternehmen und Politik zur Dekarbonisierung gibt eine landesweite Machbarkeitsstudie in Thüringen, die aktuell technische, betriebliche und wirtschaftliche Voraussetzungen der Antriebswende untersucht.

„Unsere Unternehmen wollen investieren und die Mobilität von morgen gestalten. Dafür brauchen wir aber verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Die Antriebswende kann nur gemeinsam mit Politik, Kommunen und besonders den Netzbetreibern gelingen“, betont auch die Thüringer Omnibusunternehmerin Jana Glaser aus Laucha.

Das zweite Standbein der mittelständischen Busunternehmen ist die Bustouristik. Sie unterliegt ebenso Veränderungen. Die wirtschaftlichen Einschnitte durch die Corona-Krise sind noch lange nicht überwunden. Gefragt sind zunehmend individuelle Reiseerlebnisse, Komfort und persönliche Betreuung, die ein moderner Reisebus in jedem Fall immer bietet. Der Reisebus verbindet Menschen und Regionen, stärkt den Tourismus sowie das Verständnis für fremde Kulturen und bleibt eines der klimafreundlichsten Verkehrsmittel. Nicht zuletzt wird eine erhebliche Wirtschaftskraft in Regionen gebracht, die stark vom Tourismus abhängig sind. Dies machten auch die auf dem mitteldeutschen Omnibustag vertretenen Destinationen sehr deutlich. Das Gelingen des lokalen Tourismus hängt sehr deutlich mit der Bustouristik zusammen. Bestes Beispiel ist die Leuchtenburg in Kahla, die erst kürzlich im Rahmen der „TOP BUS-Destination 2026“ ausgezeichnet wurde.

Besondere Wertschätzung erfuhren 39 Busfahrerinnen und Busfahrer aus Thüringen und Sachsen-Anhalt für sicheres und unfallfreies Fahren. Hierfür wurden sie mit einer Urkunde und Anstecknadel ausgezeichnet.

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