Kasseler Erklärung: Regionalisierung neu denken

Am 4. und 5. November 2026 hat der Bundesverband SchienenNahverkehr (BSN) mit Branchenvertretern die Zukunft des Nahverkehrs diskutiert und gemeinsam ein Zielbild für den SPNV erarbeitet. Ergebnis der Veranstaltung „30 Jahre Regionalisierung – Wohin fährt die Bahn?“ ist die „Kasseler Erklärung“.

30 Jahre Regionalisierung: Grund genug für den Verband der SPNV-Aufgabenträger, Bilanz zu ziehen und diejenigen Themen zu identifizieren, die in den nächsten 30 Jahren relevant sein werden. Die über 200 Teilnehmer waren aufgerufen, an den Erfolgen des SPNV in Deutschland anzuknüpfen, den Status Quo kritisch zu hinterfragen, aus Fehlern zu lernen und neue Lösungsansätze zu entwickeln. In verschiedenen Veranstaltungsformaten besprachen die Referenten und Talkgäste unter anderem die aktuellen Herausforderungen der Infrastruktur, Kapazität, Wettbewerb, Verkehrsverträgen, Sicherheit, Verlässlichkeit, Finanzierung und Tarifen. Im Laufe der Veranstaltung zeichneten die Teilnehmer dann gemeinsam ein Zielbild für den SPNV, den die Branche in 30 Jahren organisieren und den Fahrgästen bieten will.

Gleich zu Beginn betonte die Talkrunde mit Staatssekretärin Susanne Henckel, Marian Volmer und Jonas Prade den Gestaltungswillen der SPNV-Aufgabenträger und deren Problemlösungskompetenz in den Regionen, die gestärkt werden müssten. Zudem solle die Kundenperspektive stärker in den Fokus genommen werden. Eine hohe Nachfrage wurde jahrelang angestrebt und sie müsse nun, da die Fahrgastzahlen steigen und das Deutschlandticket ein klarer Erfolg ist, auch durch ein entsprechendes qualitativ hochwertiges Angebot bedient werden.

Zudem wurde mehrfach hervorgehoben, dass es wieder ein Systemverständnis für die Eisenbahn brauche. Das System Bahn müsse gesamtheitlich betrachtet und gemeinsam weiterentwickelt werden. Hier setzte auch die von BSN-Präsident Peter Panitz zum Ende der Veranstaltung vorgestellte Kasseler Erklärung an. Unter der Überschrift „Regionalisierung neu denken“ formulierte der BSN fünf Ziele, die die Nahverkehre verfolgen und umsetzen sollen:

  1. Eisenbahn als Gesamtsystem denken – Die Bedeutung eines leistungsfähigen und zuverlässigen Bahnsystems erkennen und dafür langfristig stabile und verlässliche Voraussetzungen schaffen
  2. Kapazität neu denken – Zielsystem gemeinsam weiterentwickeln und zielgerichtet planen, d.h. vertrieblich, tariflich, planerisch, infrastrukturell, finanziell
  3. Infrastruktur konsequent ausbauen, durchfinanzieren und priorisieren, um die Möglichkeiten aus Angebot und Nachfrage auch in Zukunft abbilden zu können. Die Regionalisierung der Infrastruktur ermöglichen. Netz und Fahrplan müssen wieder harmonieren.
  4. Die regionale Verantwortung der Aufgabenträger stärken, ihren Gestaltungs- und Finanzierungsspielraum ausweiten, klare Zuständigkeiten schaffen, zugleich Strukturreformen umsetzen.
  5. Nahverkehr für jeden – sich verändernde Interessen der Fahrgäste berücksichtigen: Komplexität vom Fahrgast fernhalten, Jobs attraktiv gestalten, Berufsbilder neu denken

Peter Panitz betonte:

„Regionalisierung heißt auch, dass die Verantwortung näher am Kunden ist. Entscheidungen werden nicht weit weg getroffen, sondern auf Landes- oder kommunaler Ebene und damit nah am Fahrgast und den tatsächlichen Mobilitätsbedarfen. Das muss so bleiben! Zugleich muss Aufgabenträgern ein großer Gestaltungs- und Finanzierungsspielraum eingeräumt werden. Gemeinsam mit der Branche wollen wir eine Vision für die Nahverkehre entwickeln, diese finanzieren und umsetzen. Der SPNV in Deutschland ist ein Erfolgsmodell und soll es auch in 30 Jahren noch sein.“

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.