Autonomes Fahren: Sicherheitsgewinn muss sich in der Praxis beweisen

Die Entwicklung des autonomen Fahrens in Deutschland steht vor dem nächsten entscheidenden Schritt: Nach verschiedenen Forschungs- und Erprobungsprojekten geht die Entwicklung in Richtung regulärer fahrerloser Mobilitätsdienste zügig voran. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sieht darin eine große Chance für die Verkehrssicherheit. Voraussetzung ist jedoch, dass fahrerlose Fahrzeuge im realen Betrieb dauerhaft ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als konventionelle Fahrzeuge erreichen – und zwar für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. „Fahrerlose Systeme können Unfallrisiken deutlich verringern und damit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Vision Zero leisten – einem Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte“, sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. 

Damit das Sicherheitspotenzial des autonomen Fahrens ausgeschöpft werden kann, fordert der DVR vor der Aufnahme des Regelbetriebs einen grundlegenden Sicherheitsnachweis für das jeweilige Fahrzeug unter Realbedingungen. Ein solcher Nachweis muss sich auch auf den vorgesehenen Betriebsbereich beziehen. „Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technik“, sagt Manfred Wirsch. „Betriebs- und Ereignisdaten müssen fortlaufend ausgewertet und die Systeme stetig verbessert werden, um schwere und tödliche Unfälle weiter zu reduzieren.“ 

Vulnerable Verkehrsteilnehmende besonders schützen 

Fahrerlose Systeme müssen insbesondere Kinder, ältere Menschen, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Rad-, Kraftrad- und E-Scooter-Fahrende zuverlässig erkennen und sich ihnen gegenüber regelkonform, vorhersehbar und defensiv verhalten. Für Gefahrensituationen müssen zudem klare und praxiserprobte Abläufe festgelegt sein. Dazu gehören eine verlässliche Kommunikation zwischen Fahrgast und Leitstelle sowie eine eingespielte Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. 

Sicherheitsdaten für die Unfallforschung nutzbar machen 

Für eine belastbare Bewertung der Verkehrssicherheit sind aussagekräftige Sicherheitsdaten unverzichtbar: Unfälle und sicherheitsrelevante Ereignisse – etwa das Überfahren roter Ampeln, Betriebsunterbrechungen des autonomen Fahrens oder manuelle Ferneingriffe durch die Leitstelle – müssen eindeutig Fahrten mit aktivierter automatisierter oder autonomer Funktion zugeordnet werden können. Die entsprechenden Informationen müssen gespeichert und für die Unfallforschung nutzbar gemacht werden. 

Auch sicherheitsrelevante Softwareupdates müssen nachvollziehbar dokumentiert und für die zuständigen Behörden überprüfbar sein. Datenschutz und Cybersicherheit sowie regelmäßige Wartung und unabhängige technische Prüfungen bleiben dabei über die gesamte übliche Lebensdauer des Fahrzeugs unerlässlich. 

Grenzen autonomer Technik 

Der DVR warnt zugleich vor überzogenen Erwartungen an die Leistungsfähigkeit autonomer Systeme. Auch wenn autonome Fahrzeuge in vielen Situationen zuverlässiger reagieren als Menschen, unterliegen sie dennoch physikalischen Gesetzen. Zu den besonderen technischen Herausforderungen gehören Situationen mit sehr kurzen Reaktionszeiten, ungewöhnliches menschliches Verhalten, Regelverstöße anderer Verkehrsteilnehmender, Manipulation oder fehlerhafte Ausrichtung von Sensoren. 

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