Die Zufriedenheit der Fahrgäste mit dem öffentlichen Personenverkehr in Deutschland hat sich 2026 leicht verbessert. Im aktuellen VDV-Kundenbarometer steigt die Globalzufriedenheit auf 2,90, nach 2,95 in der letzten Messung 2024. Zugleich erreicht der Anteil der regelmäßigen ÖPNV-Nutzer mit mindestens monatlicher Nutzung mit rund 50 Prozent einen Höchststand. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sieht darin ein wichtiges Signal: Die Branche hat in den vergangenen Jahren trotz hoher Belastungen Stabilisierungserfolge erzielt.
Die Ergebnisse des Kundenbarometers zeigen, dass der öffentliche Verkehr wieder stärker genutzt wird. Auch das Deutschland-Ticket hat dazu beigetragen, neue Kunden an den ÖPNV heranzuführen: Sein Anteil ist von 2024 bis 2026 um fast fünf Prozentpunkte gestiegen.
„Das VDV-Kundenbarometer zeigt: Der ÖPNV gewinnt wieder an Vertrauen, die Nutzung wächst und die Kundenzufriedenheit stabilisiert sich. Diese Entwicklung ist ein Erfolg der Verkehrsunternehmen und ihrer Beschäftigten. Bund und Länder müssen die ÖPNV-Finanzierung jetzt zukunftsgerichtet ausrichten, damit diese Erfolge nicht verspielt werden. Verkehrsunternehmen brauchen die finanziellen Voraussetzungen, um ihr Angebot zu stabilisieren, qualitativ bestmöglich zu gestalten und dort auszubauen, wo die Nachfrage wächst.“
Ingo Wortmann, VDV-Präsident
Qualität: Fortschritte werden sichtbar
Die Studie zeigt zugleich, dass sich wesentliche Leistungsmerkmale verbessert haben. Positiv bewertet werden insbesondere digitale Angebote wie Chipkarte und Handyticket, die Freundlichkeit des Personals sowie Verbesserungen bei Linien- und Streckennetz, Anschlüssen und Taktfrequenz. In Metropolen hat sich die Globalzufriedenheit auf 2,65 verbessert. Das unterstreicht, dass betriebliche Stabilisierung und Verbesserungen im Angebot bei den Fahrgästen ankommen.
Finanzierung: Preisfragen bleiben sensibel
Gleichzeitig macht das VDV-Kundenbarometer deutlich, wo die Risiken liegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist das einzige Merkmal, das sich signifikant verschlechtert hat. Besonders kritisch bewerten dies Nutzer des D-Tickets. Dort sank die Zufriedenheit beim Preis-Leistungs-Verhältnis von 2,85 auf 3,11. Auffällig ist zudem, dass wöchentliche Nutzer deutlich unzufriedener sind als in der letzten vom VDV beauftragten Messung 2024. Gerade diese Gruppe reagiert sensibel auf Preisänderungen und auf die Frage, ob sich der regelmäßige Kauf eines Tickets noch lohnt. „Daraus ergibt sich eine klare verkehrspolitische Schlussfolgerung: Wenn Bund und Länder einen stabilen, attraktiven und wachsenden ÖPNV wollen, müssen sie auch die finanziellen Voraussetzungen dafür schaffen. Die Entwicklung der Ticketpreise darf nicht dazu führen, dass entweder Verkehrsunternehmen Leistungen ausdünnen, Modernisierung verschieben oder notwendige Angebotsausweitungen unterlassen oder Fahrgäste in größerer Anzahl auf andere Verkehrsmittel umsteigen.
Angebot: Stabilität braucht Verlässlichkeit
Für den Branchenverband ist daher klar: Die Finanzierung des ÖPNV muss sich an den realen Anforderungen eines wachsenden Systems orientieren. Mehr Nachfrage, höhere Qualitätsansprüche, zusätzliche Investitionen in Digitalisierung und Fahrzeuge sowie ein verlässlicher Betrieb erfordern eine langfristig tragfähige Finanzierung. Ziel muss es sein, das bestehende Angebot zu stabilisieren, die Qualität für die Fahrgäste weiter zu verbessern und den Ausbau dort zu ermöglichen, wo zusätzliche Kapazitäten gebraucht werden. „Wer einen Beitrag für den Wirtschaftsstandort Deutschland, mehr Teilhabe und verlässliche Mobilität will, muss den ÖPNV finanziell so ausstatten, dass er dauerhaft leistungsfähig bleibt. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Fortschritte möglich sind. Jetzt kommt es darauf an, diese Erfolge nicht zu verspielen, sondern mit einer zukunftsgerichteten Finanzierung in dauerhafte Qualität und weiteres Wachstum zu übersetzen“, sagt Wortmann.
Studie: Breite Datengrundlage
Das VDV-Kundenbarometer 2026 wurde von Kantar erstellt und basiert auf 2.213 Interviews, darunter 1.671 ÖPNV-Nutzer und 664 Nicht-Nutzer. Die Befragung wurde vom 16. bis 30. April 2026 durchgeführt. Die Ergebnisse geben damit einen belastbaren bundesweiten Einblick in Nutzung, Zufriedenheit und Erwartungen der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr.









