Eisenbahner/innen mit Herz 2026 ausgezeichnet

Ob stundenlange Verspätungen, verpasste Umstiege, verlorenes Gepäck oder fehlende Fahrstühle: Jeden Tag geben Bahnbeschäftigte in ganz Deutschland alles, um Reisenden zu helfen und sie zu unterstützen. Mehr als 300-mal haben sich Fahrgäste in den vergangenen Monaten an die Allianz pro Schiene gewandt und besonders engagierte Mitarbeitende als Eisenbahner mit Herz vorgeschlagen. Die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner wurden von einer Fachjury aus der Branche ausgewählt und werden am 16. April 2026 bei einer feierlichen Gala in Potsdam ausgezeichnet.

Die Preise werden in den Kategorien Gold, Silber und Bronze vergeben; außerdem gibt es in diesem Jahr einen Sonderpreis. Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und Jury-Mitglied Dirk Flege würdigte die Leistung, die Zugbegleiter, Lokführerinnen und Servicemitarbeitende auch unter schwierigsten Bedingungen erbringen:

„Bahnbeschäftigte haben derzeit wahrlich keinen leichten Job. Die immer häufiger vorkommenden körperlichen Angriffe auf das Zugpersonal machen uns als Jury fassungslos und betroffen. In diesem Jahr denken wir ganz besonders an den im Dienst getöteten Serkan Çalar. Seine Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land werden diese Tat kaum vergessen können. Dass sich so viele trotzdem nicht entmutigen lassen und jeden Tag einen herausragenden Job machen, sich oft noch nach Feierabend aufopferungsvoll um Reisende kümmern und ihnen bei allen Problemen weiterhelfen, das verdient in höchstem Maße Lob und Anerkennung. Wir wollen auch bei unserer 16. Preisverleihung unseren Eisenbahnern mit Herz eine Bühne geben, damit sie in der Öffentlichkeit die Wertschätzung und Anerkennung erfahren, die sie verdient haben.“

GOLD & Publikumspreis: Ronald-Phillip Tolkiehn, Arverio Baden-Württemberg

Am 25. Januar 2026 legt eine unerwartet dicke Schneedecke Baden-Württemberg lahm; auf Straße und Schiene geht kaum noch was. Mittendrin ist Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn im vollen Regionalzug zwischen Stuttgart und Geislingen. Als die Bahn in Esslingen dreieinhalb Stunden feststeckt, managt Tolkiehn diverse Anschlussfragen seiner Fahrgäste und kümmert sich darum, dass zwei Häftlinge auf Freigang wegen der Verspätung keinen Ärger mit ihrem Bewährungshelfer bekommen. Nachts fährt der Zug endlich in Geislingen ein. Theoretisch hätte Ronald-Phillip Tolkiehn jetzt seinen längst überfälligen Feierabend. Doch als zwei Fahrgäste in Geislingen zu stranden drohen, zögert er nicht lange: Wo Taxis längst aufgegeben haben, kratzt Ronald-Phillip Tolkiehn sein eigenes Auto frei und fährt einen Riesen-Umweg, um die beiden Reisenden sicher zuhause abzusetzen. Nach drei Stunden Autofahrt ist er selbst gegen vier Uhr morgens zuhause. „Für mich war es einfach selbstverständlich zu helfen“, sagt der Eisenbahner mit Herz 2026 ganz bescheiden. Er erhält nicht nur den Goldpreis der Jury. Auch das Publikums-Voting gewann Tolkiehn mit großem Abstand.

SILBER: Manuel Drechsel, Steffen Richter und Sven Schimmel, Die Länderbahn

Sven Schimmel steht ein aufregender Tag bevor: Denn am 11. April 2025 hat er seine Abschlussprüfung zum Lokführer. Erst läuft alles glatt, doch dann bringen ein randalierender Fahrgast, ein Polizeieinsatz und der Krampfanfall einer Reisenden den Prüfungstag gehörig durcheinander. Zusammen mit seinen beiden Prüfern Manuel Drechsel und Steffen Richter bewahrt Sven Schimmel einen kühlen Kopf. Steffen Richter kümmert sich um die Reisende, und Manuel Drechsel unterstützt Sven Schimmel im Führerstand dabei, mit dem Fahrdienstleiter und der Leitstelle im Austausch zu bleiben. Als die Reisende beim Eintreffen der Notärztin erneut zusammenbricht, entscheiden die drei Männer, sie abzuschirmen und übernehmen dafür gegenüber der Notärztin die Verantwortung. Sie nehmen die Frau, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, mit in den Führerstand, damit sie zur Ruhe kommen kann. Seine Prüfung deshalb abzubrechen, ist für Sven Schimmel keine Option. Er zieht das Ganze durch und ist am Ende dieses aufregenden Tages ganz offiziell Lokführer.

BRONZE: Patricia Bergmann, DB InfraGO

Patricia Bergmann ist die gute Seele am Bahnhof Landshut. Dienst nach Vorschrift? Nicht mit ihr. In ihrer Rolle als Mobilitätsservice-Mitarbeiterinruft sie die Menschen, die ihre Unterstützung vorab gebucht haben, immer erst mal an, um sie besser kennenzulernen und um zu klären, wo genau ihre Bedürfnisse liegen. Als die 14-jährige Carla zum ersten Mal allein mit dem Regionalzug zu ihrer Tante nach Passau reisen will, beruhigt Patricia Bergmann schon am Telefon die aufgeregte Mutter. Am Reisetag droht dann trotzdem alles schiefzugehen: Denn das Gleis, an dem Carla in den Zug steigen müsste, hat keinen Aufzug. Patricia Bergmann will den Zug deshalb umleiten zu einem anderen Gleis – doch das wird ausgerechnet von einem defekten Zug blockiert. Aufgeben kommt für Patricia Bergmann aber nicht infrage. Sie hilft Carla dabei, die Treppen hochzukommen, während der Stiefvater sich darum kümmert, den Rollstuhl hinterherzutragen. Carla und ihre Familie sind begeistert von der herzlichen und zupackenden Art von Patricia Bergmann. Seitdem reist Carla häufiger mit der Bahn zu ihrer Tante – und freut sich jedes Mal auf Patricia Bergmann.

SONDERPREIS: Alexander Rezek, DB Vertrieb

Niemand hat in der Geschichte des Eisenbahners mit Herz so viele Nominierungen und Auszeichnungen erhalten wie er: Alexander Rezek wurde insgesamt schon zehn Mal von Reisenden nominiert. 2019 bekam er den Preis in der Kategorie Silber; 2017, 2018 und 2024 wurde er Landessieger für Nordrhein-Westfalen. 20 Jahre war Rezek als Zugbegleiter in den ICEs der Deutschen Bahn anzutreffen, inzwischen arbeitet er als Servicemitarbeiter im Reisezentrum am Kölner Hauptbahnhof. Dort hilft er den Reisenden bei allen Fragen rund um Gepäck, Umstiege und Fahrkarten. Dabei begegnet er den Menschen immer herzlich und mit einem Lächeln. Er ist erst dann zufrieden, wenn er wirklich weiterhelfen konnte und die Reisenden am Ende glücklich sind. Seine freundliche und zugewandte Art ist es, die ihm immer wieder Fanpost und Nominierungen im Wettbewerb Eisenbahner mit Herz einbringt. „Dass ich jetzt noch den Sonderpreis erhalte, das rührt mich, und es macht mich stolz“, sagt Alexander Rezek.

Landessiegerinnen und Landessieger

  • Bayern: Bilal Impram, Arverio
  • Berlin: Beatrix Bauer, ODEG
  • Hessen: Jacqueline Stawicki, DB Fernverkehr
  • Niedersachsen: Wasam Sulaiman, DB Service
  • Nordrhein-Westfalen: Mesut Burus und Armin Dörr, eurobahn
  • Rheinland-Pfalz: Jihan Hamo, vlexx
  • Saarland: Amir Fifa, DB InfraGO
  • Sachsen: Simone Hübert, Mitteldeutsche Regiobahn (transdev)
  • Sachsen-Anhalt: Rebekka Schumer von Abellio Mitteldeutschland

Weitere Informationen zu allen Landessieger/innen und Nominierten finden sich hier.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.