Auf Grundlage der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ wurde die Taskforce zuverlässige Bahn damit beauftragt, Maßnahmen für mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene zu erarbeiten. Ihr Fokus liegt auf konkreten und möglichst unmittelbar – das heißt bereits in den Jahren 2026 und 2027 – umsetzbaren Maßnahmen. An der Arbeit der Taskforce seit November 2025 beteiligten sich Vertreter von Bund, Ländern, Eisenbahn-Bundesamt, Bundesnetzagentur, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Aufgabenträgern, Verbänden, Gewerkschaften und der DB InfraGO AG. Am 20. März 2026 hat die Taskforce einen Bericht mit 22 Maßnahmenempfehlungen beschlossen.
Mit dem Bericht endet die Arbeit der Taskforce, sie hat ihren Auftrag erfüllt. Zugleich markiert der Bericht den Startpunkt für die Umsetzung der Maßnahmen. Die Umsetzung ist eine gemeinsame Aufgabe des gesamten Sektors.
„Mit den heute vorgestellten Maßnahmen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene erreicht. Dafür haben wir die geballte Expertise des Sektors versammelt. Gemeinsam haben Sie insgesamt 22 konkrete Maßnahmen entwickelt, die mit pragmatischen Lösungen, wie Joker-Gleisen, Flexabfahrten und verstärkter Digitalisierung schnell für einen pünktlicheren und stabileren Bahnbetrieb sorgen sollen. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die Bereitschaft, auch kontroverse Themen anzupacken. Jetzt kommt es auf die entschlossene Umsetzung an, damit die Verbesserungen schnellstmöglich für die Fahrgäste spürbar werden.“
Bundesminister Patrick Schnieder
Beispiele für Empfehlungen der Taskforce
- Joker-Gleise für mehr Flexibilität: In hochbelasteten Bahnhöfen fehlen derzeit ausreichende Kapazitätsreserven, um auf Zugverspätungen oder andere Störungen im Betriebsablauf flexibel reagieren zu können. Abhängig von den lokalen Gegebenheiten soll das gezielte Freihalten einzelner Bahnsteiggleise diese Engpässe entschärfen. Solche „Joker-Gleise“ schaffen zusätzliche Kapazitäten für kurzfristig erforderliche dispositive Entscheidungen und tragen damit spürbar zur Verbesserung der Pünktlichkeit bei.
- Flex-Abfahrten für zuverlässigere Abfahrtszeiten: Fahrgastwechsel und Zugabfertigung können heute häufig nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrtszeit abgeschlossen werden. Dadurch verzögert sich die Abfahrt, und Folgeverspätungen entstehen schnell. Künftig soll ein früherer Beginn der Zugabfertigung dieses Problem entschärfen. Hierzu wird die im Fahrplan ausgewiesene Abfahrtzeit gegenüber der betrieblich vorgesehenen Abfahrtzeit leicht vorgezogen (z.B. um eine Minute). Diese sog. „Flex-Abfahrten“ ermöglichen den Abbau bestehender Verspätungen und reduzieren das Risiko neuer Folgeverspätungen.
- Mehr Puffer in Bahnhöfen für einen stabileren Betrieb: Personenzüge verkehren in wichtigen Bahnhöfen derzeit oft mit so geringen Abständen, dass bereits kleine Verspätungen eines Zugs die Pünktlichkeit von Folgezügen beeinträchtigen. Hohe Auslastung und stabile Betriebsqualität geraten dadurch in Konflikt, Verspätungen verstärken sich gegenseitig. Helfen würde ein größerer zeitlicher Abstand zwischen zwei Zugfahrten. Ab 2027 wird die DB InfraGO AG daher auf ausgewählten Strecken zielgerichtet eine verbindliche Pufferzeit einführen.
- Reisendenlenker am Gleis für schnelleren Ein- und Ausstieg: Der Ein- und Ausstieg an großen Bahnhöfen dauert oft länger als vorgesehen, weil Wege und Wartepositionen der Reisenden am Bahnsteig nicht optimal gewählt werden. Dies führt regelmäßig zu verspäteten Abfahrten. Künftig sollen Reisende gezielt bei der Wahl geeigneter Wege und Wartebereiche unterstützt werden. Neben besseren Informationen am Bahnsteig zu Bahnsteigabschnitten und Wagenreihungen soll auch Personal am Gleis („Reisendenlenker“) eingesetzt werden, um den Prozess zu beschleunigen und Abfahrtsverspätungen zu reduzieren.
- KI-Unterstützung in der Zugdisposition: Derzeit erfolgt die Disposition von Zügen ausschließlich durch das Personal in Stellwerken und Betriebszentralen. Die Vielzahl kurzfristiger Fahrplanänderungen führt dabei zu hohem Entscheidungsaufwand, und nicht immer können die betrieblich optimalen Lösungen gefunden werden. Künftig soll eine KI-basierte Dispositionsassistenz frühzeitig Konflikte und Engpässe in der Zugdisposition erkennen und geeignete Handlungsvorschläge unterbreiten. Dabei werden auch Vorschläge der Zugbetreiber berücksichtigt, um die Entscheidungsqualität weiter zu erhöhen.
- Digitaler Befehl für kürzere Wartezeiten bei Betriebsstörungen: Bei Signal- oder Technikstörungen dürfen Triebfahrzeugführer ihre Fahrt nicht eigenständig fortsetzen, sondern benötigen einen entsprechenden Befehl. Dieser wird heute meist telefonisch übermittelt – ein zeitintensiver Prozess, der zusätzliche Verspätungen verursacht. Künftig soll die Befehlsübermittlung digital erfolgen und damit nur noch etwa halb so lange dauern. Eine flächendeckende Einführung der bereits verfügbaren Technik kann im Fernverkehr eine Pünktlichkeitsverbesserung von bis zu zwei Prozentpunkten ermöglichen.
Der Abschlussbericht wird in Kürze auf der Homepage des BMV zur Verfügung gestellt.
Stellungnahmen der Verbände
Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, war Mitglied der Taskforce. Er sagte nach der Vorstellung des Abschlussberichts:
„Viele Knotenpunkte und Hauptstrecken sind überlastet, die Nachfrage nach Bahnverkehr steigt, doch die Kapazitäten sind nicht mitgewachsen. Es ist gut, dass Verkehrsminister Patrick Schnieder die Probleme im Schienennetz nun angeht und die Bahnbranche parallel mit vereinten Kräften versucht, hochbelastete Knoten durch betriebliche Sofortmaßnahmen zu stabilisieren.“
Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV):
„Wir begrüßen, dass das Bundesverkehrsministerium den Handlungsdruck bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene anerkennt und mit der Taskforce die Bedarfe des Sektors aufgreift. Die 22 Maßnahmen sind in Summe nachvollziehbar und können helfen, wenn Bund, Infrastrukturbetreiber, Eisenbahnunternehmen, Aufgabenträger und Länder jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen und konsequent in die Umsetzung gehen. Dass dieser Wille besteht, hat die Taskforce eindrücklich gezeigt. Klar ist auch: Verkehrliche Maßnahmen, insbesondere wenn sie kapazitätsmindernd wirken, dürfen nur als vorübergehende Ultima Ratio und nur unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure in Betracht kommen.“
Der Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt den Bericht der Taskforce ebenso: “Die 22 Maßnahmen zeigen, dass Bund, Eisenbahnsektor und Fahrgastvertretungen gemeinsam in der Lage sind, pragmatische Verbesserungen für den Bahnalltag zu erarbeiten”, lobt Michael Koch, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN. Gleichzeitig mahnt er: “Die Maßnahmen wirken wie Ibuprofen – sie lindern Schmerzen und hemmen die Entzündung, ersetzen aber nicht die dringend notwendige Behandlung am System Schiene.”









