Vor VDV-Jahrestagung: Branchenverband erreicht Mitgliederhöchststand

Einen Monat vor der VDV-Jahrestagung vom 9. bis 11. Juni 2026 in Karlsruhe meldet der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) einen neuen Mitgliederhöchststand: Aktuell sind 685 Unternehmen im Branchenverband des öffentlichen Personen- und Eisenbahnverkehrs organisiert, davon 615 ordentliche und 70 außerordentliche Mitglieder.

Der VDV vertritt mit seinen 685 Mitgliedsunternehmen das gesamte Spektrum des öffentlichen Verkehrs und der Eisenbahn in Deutschland – vom städtischen Busbetrieb über Regionalbahnen und Straßenbahnen bis hin zu Schienengüterverkehrs- und Infrastrukturunternehmen. „Wachstum in der Mitgliedschaft ist alles andere als selbstverständlich, wenn gleichzeitig Kosten steigen, Personal fehlt und die politische Rahmensetzung im Umbruch ist“, betont VDV-Präsident Ingo Wortmann. „Gerade jetzt braucht es einen starken Branchenverband, der die Interessen seiner Mitglieder bündelt, Prioritäten klar anspricht und mit einer Stimme gegenüber der Politik auftritt“, so Wortmann.

Politische Kernforderungen: Jetzt handeln

Mit Blick auf die aktuelle Lage in Bus und Bahn fordert der VDV von Bund und Ländern zügige Entscheidungen bei den zentralen Kosten- und Strukturfragen. Zugleich brauche es beim ÖPNV-Modernisierungspakt und bei der Reform des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes endlich Planungssicherheit für die Unternehmen.

VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff sieht akuten Handlungsbedarf auch bei der Eisenbahn: „Der politische Stillstand beim Trassenpreissystem muss beendet werden. Der Bund muss jetzt unter Berücksichtigung der Fachexpertise der Branche handeln, Reformen umsetzen, die Finanzierung sichern und Planungssicherheit schaffen.“ Für den SPNV drohten sonst erhebliche Mehrkosten und Angebotskürzungen, für den Schienengüterverkehr weitere Wettbewerbsnachteile gegenüber der Straße.

Stillstand beim D-Ticket und Modernisierungspakt

Kritisch bewertet der VDV auch den Umgang des Bundes mit dem Deutschland-Ticket. Beispielhaft sei die Veröffentlichung der Evaluation auf Basis von Daten bis Ende September 2025 genannt, die Fragen nach Zeitpunkt und Aussagekraft aufwerfe. Aus Sicht des Verbands sei das eigentliche Problem nicht ein Mangel an Marketingideen, sondern der wirtschaftliche Druck auf die Verkehrsunternehmen, der Angebotsverbesserungen erschwert. Auch deshalb müsse die Modernisierung des ÖPNV jetzt politisch konsequent vorangebracht werden. Mit deutlicher Kritik reagiert der VDV auf zwischenzeitliche Überlegungen aus der Bundesjustizministerin, den Straftatbestand des Schwarzfahrens abzuschaffen. Aus Sicht des Branchenverbands entspricht dieser Vorstoß weder der Mehrheitsmeinung in der Branche noch dem Sicherheitsbedürfnis vieler Fahrgäste und Beschäftigter.

Eisenbahn-Infrastruktur: stärkere Stimme im Verband

Mit dem Allgemeinen Ausschuss Eisenbahninfrastruktur (AAEI) hat der VDV Anfang 2026 ein neues Gremium gegründet, um die Perspektive der Infrastrukturunternehmen sichtbarer zu machen und zentrale Fragen von Finanzierung bis Modernisierung zu bündeln. Im VDV geht es dabei um die Perspektive von rund 150 Infrastrukturbetreibern. Zu den ersten Arbeitsschwerpunkten zählen Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, die Weiterentwicklung des Trassenpreissystems sowie die Korridorsanierungen.

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