Sicherheitsbericht: Maßnahmen für sicheren Bahnverkehr in NRW

Wie sicher ist das Bahnfahren in Nordrhein-Westfalen? Antworten darauf liefert der neue Sicherheitsbericht für Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2025, den das Land und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vorgestellt haben. Die Auswertung beziffert sicherheitsrelevante Vorfälle in Zügen, an Bahnhöfen und an Stationen. Er stellt außerdem dar, wie gemeinsame Sicherheitsstrategien von Land, Verkehrsverbünden und Unternehmen zur Sicherheit von Beschäftigen und Fahrgästen beitragen.

Insgesamt wurden 2025 in den Nahverkehrszügen in Nordrhein-Westfalen 20.153 Vorfälle erfasst, 1.348 mehr als im Vorjahr. Maßgeblich für den Anstieg waren vor allem mehr Sachbeschädigungen und Verunreinigungen. Während die Zahl der Diebstähle und Körperverletzungen zurückging, stieg die Zahl der Bedrohungen leicht an. Die Zahl der Körperverletzungen mit Waffengebrauch stieg von 35 auf 46 Fälle. Die Zahl der Beleidigungen sank deutlich um 619 Fälle. Dennoch bilden die Beleidigungen mit 5.551 Fällen mit Abstand den größten Anteil an erfassten Vorfällen. Insbesondere das Personal ist von verbaler und körperlicher Gewalt betroffen. Auch das zeigt der neue Sicherheitsbericht deutlich. Mit Abstand der häufigste Auslöser von Konflikten sind die Ticketkontrollen.

„Gerade im Umfeld von Ticketkontrollen erleben unsere Mitarbeitenden immer wieder Konflikte, Beleidigungen und Übergriffe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Nahverkehr leisten täglich einen unverzichtbaren Beitrag für einen funktionierenden Schienennahverkehr und verdienen daher Respekt, Schutz und Rückhalt. Gewalt und Bedrohungen gegen das Personal sind in keiner Weise akzeptabel.“

VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke

Der aktuelle Sicherheitsbericht zeige aber auch: „Der SPNV in Nordrhein-Westfalen bleibt ein sicheres Verkehrsmittel. Das spiegelt sich in der Relation der registrierten Vorfälle zu den jährlich 400 Millionen getätigten Fahrten wider“, so Wittke. Gleichzeitig nehme man jede Entwicklung sehr ernst – insbesondere dort, wo Beschäftigte im Kontroll- und Sicherheitsdienst besonderen Belastungen ausgesetzt sind. „Deshalb stärken wir Schutzmaßnahmen konsequent weiter, unterstützen den lageangepassten Einsatz von Personal in Doppelbesetzung und setzen auf eine moderne Weiterentwicklung der Videotechnik. Unser Ziel ist klar: mehr Sicherheit für Fahrgäste und mehr Schutz für die Beschäftigten im Nahverkehr.“

Subjektives Sicherheitsempfinden gestiegen

Positiv entwickelte sich das subjektive Sicherheitsempfinden der Reisenden an Bahnhöfen und Stationen. Die DB InfraGO führt regelmäßig Befragungen zur Zufriedenheit von Reisenden sowie Bahnhofsbesuchern durch. Demnach steigt das subjektive Sicherheitsempfinden seit 2022 kontinuierlich. Im Jahr 2025 wurde der Einsatz des Sicherheitspersonals bei der DB InfraGO Personenbahnhöfe in Nordrhein-Westfalen um fast 60 Prozent erhöht. Größere Bahnhöfe wurden länger besetzt und auch kleinere Stationen öfter kontrolliert. 

Der neue Sicherheitsbericht enthält auch die Maßnahmen und Projekte, die das Land für einen besseren Schutz vorantreibt. Dazu zählt ein Pilotlehrgang des Kompetenzcenters Sicherheit NRW, der gemeinsam mit den Aufgabenträgern und der Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen zur Qualifizierung von Sicherheitskräften geschaffen wurde. Die speziell für den öffentlichen Personenverkehr entwickelte und zertifizierte Weiterbildung wird mit rund 230.000 Euro vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr finanziert und bereitet Beschäftigte auf Konflikt- und Gefahrensituationen vor, stärkt Kompetenzen in den Bereichen der Kommunikation und Deeskalation. 

Ergänzend zum neuen IHK-Lehrgang „Sicherheitskraft im ÖPV“ plant das Land zurzeit mit der „muTiger-Stiftung“ 40 vierstündige Zivilcourage- und Deeskalationstrainings, an denen jeweils 18 Beschäftigte der Verkehrsunternehmen teilnehmen können, um die Handlungssicherheit der Beschäftigten, die noch nicht von der IHK-Qualifikation profitieren können, weiter zu erhöhen. 

„Wir erleben an vielen Stellen eine Verrohung, deshalb müssen wir Personal und Fahrgäste besser schützen. Das Ziel ist es, Konflikte früh zu erkennen und professionell zu entschärfen, um insgesamt für mehr Sicherheit und ein respektvolles Miteinander zu sorgen. Alle Menschen sollen sich zu jeder Tageszeit sicher in den Zügen in Nordrhein-Westfalen fühlen.“

Verkehrsminister Oliver Krischer

Auch bei der technischen Ausstattung setzt das Land auf mehr Prävention und Innovationen. Bereits jetzt sind rund 95 Prozent der Nahverkehrszüge in Nordrhein-Westfalen mit Videotechnik ausgestattet. Künftig soll die Videoüberwachung schrittweise modernisiert werden. Geprüft werden unter anderem KI-gestützte Systeme zur frühzeitigen Erkennung gewalttätiger Situationen sowie erweiterte Möglichkeiten zur Liveaufschaltung durch die Bundespolizei in modernen Fahrzeugen. Hierzu läuft derzeit eine landesweite Bestandsaufnahme der vorhandenen Technik in den Nahverkehrszügen.

Parallel dazu soll die Videoüberwachung für Fahrgäste sichtbarer werden. Neue Informationsplakate und Aufkleber in den Fahrzeugen sollen auf die nahezu flächendeckende Ausstattung aufmerksam machen und damit das subjektive Sicherheitsgefühl weiter stärken. Darüber hinaus unterstützt das Kompetenzcenter Sicherheit die Verkehrsunternehmen bei der Einführung von Bodycams. Allen Zugbegleitern soll auf freiwilliger Basis die Nutzung dieser Technik ermöglicht werden. Mit der Videoüberwachung leisten Bodycams einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Personals und wirken in vielen Situationen deeskalierend.

Nach dem Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz im Februar 2026 hatte das Verkehrsministerium alle Beteiligten an einen Tisch geholt, um Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit von Beschäftigten und Fahrgästen zu beraten und bestehende Konzepte weiterzuentwickeln. Nordrhein-Westfalen verfügt mit dem Kompetenzcenter Sicherheit, den neuen Qualifizierungsangeboten und den verkehrsträgerübergreifenden „Sicherheitsteams NRW“, die das Land finanziert, über bundesweit einzigartige Strukturen. 

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.