Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert zur VDV-Jahrestagung 2026 in Karlsruhe ein entschlossenes politisches Handeln für die Umsetzung des autonomen Fahrens in Deutschland. Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll Deutschland zum Leitmarkt für autonomes Fahren werden. Doch bis heute liegt dazu keine übergreifende Strategie für eine Realisierung dieses ambitionierten Ziels vor. Der Bund und vor allem die Länder setzen aus Sicht der Branche nach wie vor auf Einzelprojekte und deren Förderung. Aus Sicht des Branchenverbands VDV droht Deutschland damit im globalen Wettbewerb den Anschluss zu verpassen.
Neben einer fehlenden Gesamtstrategie bemängelt der Branchenverband VDV auch, dass man beim autonomen Fahren bisher fast ausschließlich den Straßenverkehr im Blick hat. Dabei eignen sich spurgeführte Schienenverkehre besonders gut, um bei der Umsetzung des autonomen Fahrens im Alltag schnell voranzukommen. Dazu braucht es allerdings zunächst, analog zum Straßenverkehr, einen entsprechenden Rechtsrahmen. Um Leitmarkt zu werden, sollte man alle Verkehrsmittel mit in die Betrachtung einbeziehen und bewerten, so die Empfehlung des VDV. Schienengebunde Verkehre bieten schon allein deshalb eine gute Voraussetzung für autonomes Fahren, weil sie spurgebunden und, beispielsweise im U-Bahn-Betrieb oder bei den Stadtbahnen, oft unabhängig vom restlichen Straßenverkehr fahren.
Während auf der Straße seit 2021 ein Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge besteht, fehlen für Stadt- und Straßenbahnen bislang wesentliche rechtliche Grundlagen in der entsprechenden Betriebsverordnung. „Wir haben in einem aktuellen Positionspapier den politisch notwendigen Handlungsrahmen beschrieben. Wir bieten dem Bund und den Ländern an, dazu sofort mit uns in den fachlichen Austausch zu kommen, damit es voran geht und wir keine weitere Zeit verlieren. Die Schiene ist für Automatisierung besonders naheliegend, aber der Rechtsrahmen bremst sie aus. Wer autonome Mobilität will, muss jetzt Bus und Bahn zusammen denken – mit moderner Betriebsordnung, klaren Zulassungsverfahren und finanzierten Modellregionen“, erklärt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Autonomes Fahren: Tram-Train in Karlsruhe zeigt, wie es geht
Trotz fehlender politischer Priorisierung haben die technischen Vorarbeiten für einen autonomen Betrieb auf der Schiene vielfach bereits begonnen. So auch in Karlsruhe, wo mit dem Tram-Train seit jeher ein besonderes Augenmerk und ein verkehrlicher Schwerpunkt auf innovative Straßenbahnangebote gelegt wird: Das „Karlsruher Modell“ zeigt seit den 1990er Jahren, wie Stadt und Region mit umsteigefreien Stadt-Umland-Verbindungen besser verbunden werden können.
Bereits in naher Zukunft wollen die Karlsruher Nahverkehrsgesellschaften mit ihrem Projekt „Automatisches Fahren im Albtal“ große Schritte in Richtung autonomes Fahren auf der Schiene gehen. Auf ihrer Stammstrecke im Albtal sollen perspektivisch erstmals Haltestellen und Fahrzeuge so umgerüstet werden, dass auf offener Strecke – also gezielt außerhalb geschlossener Systeme – autonomer Stadtbahnbetrieb angeboten werden kann.
Positionspapier zeigt Rahmen für autonomes Fahren auf der Schiene
Mit dem neuen VDV-Positionspapier „Die Tram der Zukunft fährt autonom“ legt die Branche zur Jahrestagung 2026 in Karlsruhe eine Strategie für autonome Stadt- und Straßenbahnen vor. Der zentrale Befund: Autonomes Fahren auf der Schiene ist besonders naheliegend, weil Straßen- und Stadtbahnen spurgeführt, liniengebunden und systemisch steuerbar sind. Fahrerlose Schienensysteme sind in geschlossenen Infrastrukturen bereits Realität oder konkret in Umsetzung – etwa in Paris, Nürnberg oder bei der U5 in Hamburg. Für offene städtische Systeme wie Straßen- und Stadtbahnen fehlen jedoch klare rechtliche Grundlagen. Der VDV fordert deshalb eine zügige BOStrab-Novelle, bundesweit harmonisierte Nachweis- und Bewertungslogiken sowie Förderregionen für autonome Stadt- und Straßenbahnen. Der Weg kann über vier Szenarien führen: Depot, unabhängiger Bahnkörper, besonderer Bahnkörper und straßenbündiger Mischverkehr.









